Razzia bei Neonazis:Polizei sucht nach illegalen Waffen

Seit Monaten observiert die Staatsanwaltschaft die Neonazi-Kameradschaft "Jagdstaffel DST". Jetzt hat die Polizei Wohnungen von Mitgliedern und Sympathisanten in und um München durchkämmt. Die Ermittler interessierte vor allem eines: ob sich illegale Waffen im Besitz der Rechtsradikalen befinden.

Susi Wimmer

Bei einer großangelegten Durchsuchungsaktion in München, Krailling, Wolfratshausen, Geretsried und anderen Oberlandgemeinden hat die Polizei am Donnerstag die Wohnungen und Arbeitsplätze von mindestens 16 Mitgliedern und Sympathisanten der Neonazi-Kameradschaft "Jagdstaffel DST" auf den Kopf gestellt. Dabei interessierte die Ermittler in erster Linie eines: ob sich illegale Waffen im Besitz der Rechtsradikalen befinden.

Neonazi-Demonstration + Gegendemonstration am Isarplatz

Mitglieder der "Jagdstaffel D.S.T" bei einer Demonstration in München. Die Neonazi-Kameradschaft gilt als äußerst gewaltbereit.

(Foto: SZ-Archiv)

"Wir haben die Gruppierung schon seit Monaten auf dem Schirm", sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Es hätten sich "gewisse Verdachtsmomente" ergeben, jetzt sei es an der Zeit abzuklären, "ob da mehr dahinter steckt".

Damit zielt Steinkraus-Koch wohl auf die Aktivitäten der Nazis ab: Sie sollen an tschechischen Schießständen mit Waffen trainieren, posierten auf ihrer Website mit Waffen, und eines ihrer Mitglieder, Dominik B., war zumindest in der Vergangenheit ein Waffennarr: Er beschaffte dem Rechtsterroristen Martin Wiese eine Kalaschnikow samt Munition, als dieser 2003 ein Attentat auf die Jüdische Synagoge plante.

Jetzt tauchten Dominik B. und ein zweiter Kamerad als Geschäftsführer einer Waffenfirma auf. Offenbar handelte es sich um eine Scheinfirma, wohl ein Versuch, um auf Waffenmessen zu gelangen. Mittlerweile ist der Internetauftritt gelöscht.

Bei Dominik B. sowie mindestens 15 anderen Mitgliedern der Neonazigruppe stürmten Donnerstagfrüh um 6 Uhr gut 300 Einsatzkräfte der Polizei die Privatwohnungen und ließen auch an den Arbeitsplätzen keinen Stein auf dem anderen. Hauptsächlich waren die Polizisten im oberbayerischen Raum unterwegs. Nach SZ-Informationen gab es keine großen illegalen Waffenfunde.

Waffenverherrlichung und rechtsextremes Gedankengut: Spätestens seit den Morden der rechtsextremen Zwickauer Zelle birgt die Kombination Zündstoff. Längst hat der Verfassungsschutz ein Auge auf die Mitglieder der "Jagdstaffel DST" (DST steht für deutsch, stolz, treu) geworfen, sie marschieren bei jeder Demo mit rechtsradikalem Hintergrund mit, im Landtag laufen diverse Anfragen zu der Kameradschaft.

Anfangs firmierte sie unter "Jagdstaffel Süd", wohl nach einem Streit mit Rockern löste sich die Gruppe auf und gründete sich Silvester in einer Kneipe in Geretsried neu. Ein Logo in ihrem Internetauftritt zeigt ein Skelett mit zwei gekreuzten MP40 im Anschlag, es gibt Fotos vom Ausflug auf den Obersalzberg oder zum Grab von Rudolf Heß zu sehen. Die Gruppe selbst bestreitet jegliche politische Gesinnung.

© SZ vom 04.05.2012/ehm
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