Wochen gegen Rassismus:München will Haltung zeigen

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Wochen gegen Rassismus: "Für Euch" heißt das Mahnmal in der Hanauer Straße, das an die Opfer des OEZ-Attentats erinnert.

"Für Euch" heißt das Mahnmal in der Hanauer Straße, das an die Opfer des OEZ-Attentats erinnert.

(Foto: Stephan Rumpf)

Erstmals treten Hinterbliebene der Anschläge vom OEZ, von Hanau und Halle gemeinsam auf. 130 Veranstaltungen umfassen die am 14. März beginnenden Wochen gegen Rassismus.

Von Martin Bernstein

"Dieser Anschlag kam nicht aus dem Nichts. Und er geschah alles andere als zufällig." Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte das bei einer Gedenkfeier am 19. Februar über die rassistischen Morde von Hanau vor zwei Jahren. Eine Spur des rechten Terrors ziehe sich durch die jüngere deutsche Geschichte, sagte die SPD-Politikerin - vom "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) bis hin zum Terror von Halle und Hanau. In ihrer Aufzählung fehlte ein rassistischer Anschlag, dem ebenfalls neun Menschen zum Opfer gefallen waren: das Attentat vom 22. Juli 2016 am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ).

Am Montag, 21. März, kommen erstmals Hinterbliebene und Betroffene der Anschläge von Halle, Hanau und München zusammen. Bei einer um 19 Uhr beginnenden Online-Diskussion wollen sie über "Überfällige Antworten und Allianzen gegen den fortwährenden Terror von rechts" sprechen. Es ist der Höhepunkt der diesjährigen Internationalen Wochen gegen Rassismus in München. 130 Veranstaltungen umfasst das Programm in diesem Jahr - so viele wie noch nie.

Die Täter von Halle, Hanau und München waren keine Einzeltäter. Sie waren jeweils eingebunden in ein ganzes Netz von Sympathisanten, Online-Kontakten und anderen Tätern, die sie nachzuahmen hofften. Darüber hinaus gibt es auch direkte Bezüge zwischen den drei Anschlägen. Stephan B., der in Halle am Jom-Kippur-Feiertag 2019 eine Synagoge stürmen wollte und zwei Menschen ermordete, gab im Prozess zu, aus dem Münchner Attentat seine Lehren gezogen zu haben, etwa bei der Waffen-Beschaffung und seinen Aktivitäten auf der Online-Spieleplattform Steam. Der Hanauer Attentäter Tobias R. lebte zum Zeitpunkt des OEZ-Anschlags selbst in München. Wie der Münchner Mörder David S. trainierte R. das Schießen (sogar bei einem Münchner Schützenverein), wie S. wollte er seine Tat zunächst in einem Jugendzentrum verüben, wie S. suchte er Tatorte, an denen er viele Menschen mit Migrationshintergrund vermutete.

Auch die sogenannten "Corona-Proteste" sind Thema

Am 21. März, dem von den Vereinten Nationen initiierten Internationalen Tag gegen Rassismus, will die städtische Fachstelle für Demokratie ein Zeichen setzen: An diesem Abend sprechen Angehörige der Opfer der Attentate von Hanau (Armin Kurtović), Halle (Christina Feist) und München (eine Angehörige zusammen mit Alexander Diepold) um 19 Uhr (www.muenchen.de/demokratie-live) über rechten Terror. Wissenschaftlich begleitet wird dieses Gespräch von dem Rechtsextremismusforscher Matthias Quent, einem der Gutachter der Landeshauptstadt München zu den Hintergründen des OEZ-Attentats.

Am selben Tag rufen Münchner Initiativen zu einer Demonstration gegen die vielfältigen Erscheinungsformen des Rassismus auf. Beginn ist um 17.30 Uhr auf dem Max-Joseph-Platz. Im Programm der Internationalen Wochen gegen Rassismus für München finden sich aber neben Veranstaltungen und Workshops auch Ausstellungen, Konzerte, Gesprächs- und Kunstformate. Die Wochen gegen Rassismus dauern in diesem Jahr vom 14. bis zum 27. März. Ihr Motto lautet: "Haltung zeigen".

Und das beginne, so die Veranstalter, bereits in der Mitte der Gesellschaft. Am 15. März wird es bei einer weiteren Podiumsdiskussion um die sogenannten "Corona-Proteste" gehen. Dort sei die Verbreitung von Verschwörungstheorien und die Radikalisierung von Menschen bis hin zur offenen Gewaltanwendung zu beobachten. Unter anderem werden Thomas Witzgall, Journalist bei Endstation Rechts Bayern und intensiver Beobachter der Szene, und Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie mit Micky Wenngatz von "München ist bunt!" diskutieren.

Aufgrund der Corona-Pandemie findet der Großteil der Veranstaltungen auch dieses Jahr online statt, weshalb das Programm zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus 2022 ausschließlich im Internet publiziert wird unter www.muenchen.de/gegen-rassismus

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