Entscheidung im Sommer:Rammstein plant Silvester-Konzert auf der Theresienwiese

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Entscheidung im Sommer: Spiel mit dem Feuer: Rammstein-Frontmann Till Lindemann beim Konzert Ende Juni im dänischen Aarhus.

Spiel mit dem Feuer: Rammstein-Frontmann Till Lindemann beim Konzert Ende Juni im dänischen Aarhus.

(Foto: Sebastian Dammark/IMAGO/Gonzales Photo)

Die Band will zum Jahreswechsel ein Konzert vor 145 000 Zuschauern in München geben. Das offizielle Ja der Stadt steht noch aus, die Politik soll noch im August darüber entscheiden.

Von Heiner Effern

In München könnte dieses Jahr eine Silvesterparty steigen wie vielleicht nie zuvor: Die Band Rammstein will am letzten Abend des Jahres ein Konzert auf der Theresienwiese für 145 000 Zuschauer geben. Eine Anfrage der Musiker, die seit Jahrzehnten auch international in der obersten Liga der Branche spielen, liegt der Stadt seit kurzer Zeit vor. Nach Informationen der SZ soll noch ein weiterer Standort in Deutschland im Rennen sein: auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen.

"München wäre aber erste Wahl", sagte Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU), der auch für den Tourismus in der Stadt verantwortlich ist. Ein Konzert mit einem Publikumsmagnet wie Rammstein wäre "eine wunderbare Gelegenheit" für die Münchner und auch für viele Besucher von außerhalb, die er zu solch einem Ereignis erwarten würde, sagte er. Dass in den Wochen zuvor das Winter-Tollwood auf der Theresienwiese gastiert, hält er nicht für ein größeres Problem. Das Platzpotenzial dort zeige sich jedes Jahr auf dem Oktoberfest. Das Areal sei groß genug, beide Veranstaltungen stattfinden zu lassen. "Da wäre sogar viel Interaktion möglich", sagte Baumgärtner. Beide Veranstaltungen könnten möglicherweise voneinander profitieren.

Rammstein-Konzerte zeichnen sich dadurch aus, dass sehr harte Musik sehr laut in der Arena und darüber hinaus zu hören ist. Dazu mangelt es gewöhnlich nicht an Pyro-Effekten und an Aufmerksamkeit der weltweiten Fangemeinde. Rammstein passt zu Silvester, an diesem Abend seien ohne viele Leute unterwegs und die Stimmung laut und ausgelassen, sagte Baumgärtner. Und Rammstein wiederum mag Silvester als Konzerttermin, 2018 zum Beispiel spielten sie in Mexiko. Damals traten sie am Strand auf, diesmal soll es im Herzen Münchens die große Show geben. Dass Schnee, Eis oder Regen die Fans vom Konzertbesuch abhalten würde, darf man wohl ausschließen. Auch die oft hohen Ticketpreise bremsen die Besucher meistens nicht.

Baumgärtner hofft, dass die angepeilte hohe Zuschauerzahl die Preise einigermaßen in Grenzen hält. Im Olympiastadion mit einer Kapazität von etwa 70 000 Besuchern sei das kaum möglich, sagte er. Zudem würde dort schon die Sanierung anlaufen. Deshalb hält Baumgärtner die Theresienwiese für eine gute Wahl, obwohl er weiß, dass die Verantwortlichen des Olympiaparks sehr genau hinschauen, wenn Konzerte nicht in den großen Arenen der Stadt auf die Bühne kommen. Auf der Theresienwiese würde eine moderne Technik wie bei den nun anstehenden Großkonzerten in der Messe in Riem genutzt, die die Lautstärke nach außen in Grenzen halten soll, erklärte er.

Der Wirtschaftsreferent setzt in seiner Tourismusstrategie einen seiner Schwerpunkte darauf, München als internationalen Event- und Konzertstandort der ersten Reihe zu positionieren. Auch deshalb werden in den kommenden Tagen Robbie Williams, Helene Fischer, und Andreas Gabalier in Riem auftreten. Ein Konzert von Rammstein im Stadtzentrum würde auch international für Aufsehen sorgen, davon ist er überzeugt. Rammstein besitzt eine weltweite Fangemeinde wie kaum eine andere deutsche Band.

Das Rammstein-Konzert soll live übertragen werden

Vorgesehen wäre auch eine Live-Übertragung des Auftritts, möglicherweise über einen prominenten Streamingdienst. Baumgärtner spricht von einem "enormen Werbewert" für München, und auch wirtschaftlich würde einiges hängen bleiben. Der lukrative Kartenvorverkauf könnte über München-Ticket laufen, die MVG sollte ein Kombiticket zur Anreise erhalten.

Im Rathaus gilt es nun, sich in möglichst kurzer Zeit eine Meinung zu bilden. "Last exit August", sagte Baumgärtner. Ob und wann die Rammstein-Pläne auf die Tagesordnung kommen, blieb zunächst offen. In der Sommerpause gibt es drei Not-Sitzungen, in denen zeitlich drängende Themen behandelt werden. Die Lokalpolitiker in den angrenzenden Bezirksausschüssen stehen einer zusätzlichen Bespielung der Theresienwiese oftmals kritisch gegenüber. Eine solche Entscheidung würde aber ohnehin der Stadtrat treffen.

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