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Konzerte in München:"Da wird schon härter gefeiert"

Rammstein im Olympiastadion , 8.Juni 2019 , Copyright : Foto : Stephan Rumpf

(Foto: Stephan Rumpf)

Gerhard Bieber von den Johannitern hat das Rammstein-Konzert mitbetreut. Wie sich die Fans dort benehmen - und warum er bei Konzerten von Andreas Gabalier oft blutige Füße behandeln muss.

Phil Collins und Bon Jovi, Metallica und Tears for Fears, Sting und Pink. Er wird bei vielen Open-Air-Konzerten dieser Saison im Olympiastadion dabei sein: Gerhard Bieber, Pressesprecher der Münchner Johanniter. Für jeweils mehr als hundert ehrenamtliche Ärzte und Sanitäter unter der Leitung der Johanniter bedeuten die Konzerte bis zu elfstündige Großeinsätze. Am Sonntagmorgen nach dem ersten von zwei Rammstein-Konzerten erreichen wir Bieber am Telefon. Offensichtlich gut erholt von dem Einsatz, der bis 1.30 Uhr gedauert hat, erzählt Bieber, wie die Fans der Schock-Rocker sich benommen haben. Und warum es trotz 140 Patienten kein Einsatzrekord für die Johanniter geworden ist.

SZ: Guten Morgen, Herr Bieber. Muss ich lauter sprechen? Oder hören Sie schon wieder gut?

Gerhard Bieber: Guten Morgen! Ich höre Sie gut, kein Problem. Wir achten bei den Konzerten ja auf Gehörschutz. Das ist eine Sache des Arbeitsschutzes - und zwingend nötig. Schließlich müssen wir gleichzeitig funken.

Gerhard Bieber

Gerhard Bieber ist Pressesprecher der Münchner Johanniter. An diesem Wochenende war er auf dem Rammstein-Konzert im Einsatz.

(Foto: Gerhard Bieber; Johanniter-Unfall-Hilfe)

Prima. Wie ist es denn gelaufen? Sind die Rammstein-Fans so böse, wie die Band immer tut?

Die feiern schon härter ...

Härter?

Da wird intensiver getanzt und, ja, mehr Alkohol konsumiert. Die Folge sind dann mehr chirurgische Verletzungen: Kopfplatzwunden oder herausgesprungene Kniescheiben. Doch, da wird schon härter gefeiert. Wir waren mit insgesamt 143 Einsatzkräften dort und hatten 140 Patienten. Das muss man freilich in Relation setzen. Wenn 70 000 Leute im Olympiastadion sind, dann ist das die Einwohnerzahl von Rosenheim - da passiert alles: von der beginnenden Infektion bis zum Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Dann ist Rammstein für Ihre Leute schon das Heftigste in dieser Saison?

Naja, nächstes Wochenende kommt Andreas Gabalier. Vorletztes Jahr hatten wir bei dem Konzert unseren Einsatzrekord.

Bei Gabalier?

Da sind die Haferlschuhe noch nicht eingelaufen und die Leute kommen alle mit blutigen Füßen zu uns. Die Wege im Olympiapark sind ja nicht gerade kurz. Damals haben wir zwanzig Meter Blasenpflaster verbraucht. Und außerdem hatten wir eine ganze Reihe allergischer Reaktionen.

Allergisch - auf Gabalier?

Wegen Wespenstichen. Unter der Bühne wurde seinerzeit ein Wespennest entdeckt, das entfernt werden musste.

Gibt es denn auch typische Open-Air-Blessuren?

Das sind schon die Kreislaufgeschichten bis hin zum Kollaps. Da ist zum einen die Enge. Man hat einen guten Platz in der Arena gefunden - und dann müsste man sich an den Rand zurückziehen. Wer will das schon? Dazu kommt das Wetter. Am Samstag war es zwar nicht extrem heiß. Aber die Leute stehen schon lange an und sind weit vor Konzertbeginn in der Arena. Die starke Sonneneinstrahlung im Sommer darf man nicht unterschätzen. Und dann trinken viele vor dem Konzert bewusst wenig. Also, wenig Wasser.

Ihr Tipp?

Mit Vorplanung zu einem Konzert gehen. Sonnencreme benutzen, eine Kopfbedeckung aufsetzen, auch wenn das vielleicht nicht so toll ausschaut. Und genügend Alkoholfreies trinken. Es ist schon bedenklich und traurig, wenn die ersten alkoholbedingt ausfallen, noch ehe das erste Gitarrenriff erklingt.

Und Drogen?

Alkohol ist eine Droge! Wenn Sie illegale Rauschmittel meinen - nein, die typischen Mischintoxikationen von Rauschgift und Alkohol haben wir bei den großen Stadionkonzerten eher nicht.

Die Johanniter suchen derzeit ja wieder neue Ehrenamtliche, die nach einer vier Wochenenden dauernden Grundausbildung zum Sanitäter Ihr Team ergänzen können. Muss ich denn damit rechnen, dass ich auf einem Konzert Dienst tun muss, das mir gar nicht liegt? Oder habe ich die Wahl: Rammstein oder Gabalier?

Wir haben ja eine große Bandbreite an Veranstaltungen, die wir betreuen. Und nicht nur Stadionkonzerte. Da findet jeder seinen Geschmack wieder. Aber die meisten gehen gerne zu den Großveranstaltungen. Das ist ein tolles Team dort - und es macht Spaß. Am Samstagabend hatten wir Ehrenamtliche aus dem gesamten Südbayern da.

Das war also für viele ein Highlight?

Ja, ganz bestimmt. Aber ich weiß auch, dass viele sich auf die beiden Pink-Konzerte Ende Juli freuen.

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