Ramersdorf:Unerwünschte Bescherung

Umweltaktivisten protestieren mit einer Christbaum-Ladung gegen Bolzplatz-Bebauung

Das Gartencenter Seebauer ist aufgrund der aktuellen Situation derzeit geschlossen. Kunden können Bestellungen aufgeben, ihre Ware abholen oder geliefert bekommen. Seebauer selbst hat am Montagmorgen auch eine Lieferung erhalten: Aktivistinnen und Aktivisten der Umweltschutzbewegung "Extinction Rebellion" haben vor dem Eingang des Gartencenters an der Ottobrunner Straße 61 einen "Baumfriedhof", wie sie es nennen, errichtet. Auf einem Foto, mit dem sie auf ihre Aktion hinweisen, ist ein Haufen ausgedienter Christbäume zu sehen. Mit Holzwäscheklammern sind weiße Zettel an den Ästen befestigt. "Sag die Wahrheit" heißt es da, oder "Gartencenter - Immobiliencenter".

Der Protest richtet sich gegen die Pläne des geschäftsführenden Inhabers, Bernhard Gerstenkorn, den Betrieb nach Osten bis zur Adam-Berg-Straße zu erweitern. Vorgesehen sind neben zusätzlichen Gewerbeflächen auch Wohnungen für Mitarbeiter und Azubis sowie eine Kita und ein Café. Entstehen sollte das Ganze - in der Ursprungsplanung - auf eigenem Grund und einem angrenzenden Bolzplatz an der Adam-Berg-Straße, einem städtischen Areal, das Gerstenkorn über einen Grundstückstausch mit der Stadt bekommen wollte. Von Anfang an war das Vorhaben umstritten. Eine Bürgerinitiative sammelte mehr als 1000 Unterschriften für den Erhalt des öffentlichen Grünzugs und des Baumbestands. Sie legte sogar eine Alternativplanung vor, auf die sich der Unternehmer aber nicht einließ. Der hat nun selbst einen neuen Plan präsentiert, nachdem das Bolzplatz-Areal nur noch teilweise bebaut werden soll.

"Extinction Rebellion" reicht dies jedoch nicht, mehr als 50 alte Bäume seien von Fällung bedroht: "Wir fordern die Landeshauptstadt auf, sich für den dauerhaften Erhalt der öffentlichen Grünanlage einzusetzen und diese nicht der Bebauung preis zu geben", heißt es in der Erklärung zur Christbaumaktion. Die Stadt solle, entsprechend ihrer eigenen Ziele, handeln und ihrer Verpflichtung, der Klimakrise entgegenzuwirken, nachkommen, so die Aktivisten, die betonen, ihr Christbaumprotest sei coronakonform gewesen.

© SZ vom 09.02.2021 / SZ
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