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Ramersdorf:Rettung per Tram

Neue "Avenio TZ" Straßenbahn in München, 2018

Verkehrsmittel der Wahl: Eine Tram, so glauben die Mores-Mitglieder, wertet den Ortskern Ramersdorf auf.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Verein Mores erhofft sich von einer Straßenbahn-Verbindung zwischen Isartor und Neuperlach über die Rosenheimer Straße eine Aufwertung des historischen Zentrums. Der Ortskern leidet massiv unter seiner Insellage zwischen Hauptverkehrsadern

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Die von der grün-roten Rathausmehrheit verkündete Tram-Offensive stößt vor allem bei den Unterstützern des öffentlichen Personennahverkehrs auf positive Reaktionen. Doch auch die Mitglieder des Vereins "Mustersiedlung Ortskern Ramersdorf Ensembleschutz", kurz Mores genannt, verbinden damit große Hoffnungen. Konkret geht es ihnen um einen bestimmten Aspekt des Gesamtpakets zum Ausbau des Münchner Trambahn-Netzes: die Gleisverbindung von Ramersdorf bis nach Neuperlach mit den Anfangs- beziehungsweise Endhaltestellen Am Gasteig und Neuperlach Zentrum.

Die Aufnahme dieser Tram-Strecke in den aktualisierten Nahverkehrsplan hätte ursprünglich am 9. Dezember in der Sitzung des Mobilitätsausschusses zur Abstimmung gestanden. Aus Zeitgründen mussten die Stadträte sie an diesem Tag aber verschieben. Der entsprechende Tagesordnungspunkt wird nun nach Auskunft der Stadt voraussichtlich Ende Januar in der Vollversammlung oder im Februar in der nächsten Sitzung des Mobilitätsausschusses aufgerufen.

Debattiert wird in der Öffentlichkeit die Tram-Offensive freilich schon jetzt. Was wiederum den Mores-Vorstand aktiv werden ließ: In einer Stellungnahme erinnerte er daran, dass in den kommenden Jahren die Neugestaltung des historischen Ortskerns Ramersdorf konkret beginnen soll. Dies sei seit 2010 beschlossene Sache; die 2018 verabschiedete Rahmenplanung beschreibe die Grundzüge des Vorhabens. Wohnungen, Läden und eine Kita sollen demnach das Gebiet rund um die berühmte Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf, das seit Jahrzehnten brachliegt, wieder beleben.

Dabei wünscht sich Mores, dass eine attraktive Nahverkehrsanbindung den Ortskern besser vernetzen und so als Zentrum wieder aufwerten wird. Der Verein begrüße deshalb nachdrücklich den Antrag der Stadtratsfraktionen von Grünen und SPD, sechs neue Straßenbahnlinien zu prüfen und die Finanzierung sicherzustellen. Eine davon ist die Verbindung Isartor - Ramersdorf - Neuperlach, mit späterer Verlängerung nach Waldperlach und Putzbrunn.

Besonders freut es die Mores-Mitglieder, dass im Rahmen dieser Initiative ein Antrag ihres Vereins aufgegriffen wurde: die Schaffung einer attraktiven Tram- oder E-Bus-Linie vom Ortskern direkt in die Innenstadt, ohne umsteigen zu müssen. "Eine alleinige Verbindung von Ramersdorf an den Ostbahnhof, die auch seit Längerem diskutiert wird, wäre dagegen viel weniger nützlich, vor allem wegen der komplizierten und zeitraubenden Umsteigerelationen am Ostbahnhof", sagt Jens Neugebauer, Erster Vorstand von Mores. "Eine Linie durch die innere Rosenheimer Straße würde die Viertel um Weißenburger Platz, Rosenheimer Platz und Gasteig wieder bequem zugänglich machen."

Offen ist zum jetzigen Zeitpunkt die genaue Trassenführung. Bei Mores hält man eine zentral gelegene Haltestelle im Bereich des Ortskerns Ramersdorf für außerordentlich wichtig; aus- und einsteigende Fahrgäste würden die dortigen neuen Läden und Cafés gerne nutzen. Denn die bis heute bestehende verkehrliche Inselsituation des Ortskerns habe wesentlich zu dessen Niedergang in den vergangenen Jahrzehnten beigetragen. Eine Weiterführung der Tram nach Perlach und zu den Neubaugebieten zwischen Ottobrunner Straße und Adam-Berg-Straße würde auch diese auf attraktive Weise mit dem Ortskern verbinden.

Für die Realisierung neuer Tramlinien skizziere der aktuelle Nahverkehrsplan, so Mores weiter, einen Zeithorizont von 2025 bis 2035. Der Verein schlägt deshalb vor, bereits jetzt die Rosenheimer Straße zu einer durchgehenden Nahverkehrsachse auszubauen, mit einer durchgehenden E-Bus-Linie bis in die Innenstadt, unter Nutzung der vorhandenen Busspuren. Dies böte auch eine weitere große Chance: Die verstärkte Nutzung öffentlicher Nahverkehrsmittel sollte mit einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs einhergehen. Ein Engpass würde nicht entstehen, da auch die Ludwigsbrücke künftig nur eine Spur pro Richtung für den Autoverkehr haben werde.

Weiter heißt es von Seiten des Vereinsvorstandes: Dieses Jahr "beginnt die Radwegplanung für die innere Rosenheimer Straße; hier muss die Tramtrasse schon jetzt berücksichtigt werden." Ein insgesamt geringeres Verkehrsaufkommen auf der Rosenheimer Straße erlaube es außerdem, beim Ortskern Ramersdorf eine weniger wuchtige Trasse zu bauen, als bisher geplant. Und dadurch ergäben sich wiederum größere Freiheiten bei der Gestaltung eines attraktiven Zentrums und dem Bemühen, dessen heutige verkehrsbedingte Inselsituation so weit als möglich abzumildern.

© SZ vom 05.01.2021
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