Ramersdorf Kleine Schritte Richtung Zukunft

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG will das Gebiet an der Haldenseestraße Zug um Zug nachverdichten und modernisieren. Der Bezirksausschuss begrüßt das Projekt, das 2031 vollendet sein soll, äußert aber auch Kritik - vor allem an einem siebengeschossigen Bau

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

Und selbst wenn man bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag diskutiere: Irgendetwas an den Planungen werde immer irgendjemandem missfallen. Mit diesem Beitrag zur Diskussion um den Bebauungsplan, der gerade für die Siedlung an der Haldenseestraße vorbereitet wird, hatte Josef Kress-del Bondio (SPD) vermutlich recht. Unausgesprochen drängte er darauf, dass der Bezirksausschuss (BA) nach den vielen vorangegangenen Debatten endlich entscheiden solle. Indirekt, ob gewollt oder nicht, lobte er aber zugleich Qualität und Tiefe der Diskussionen, die zu diesem Vorhaben der Münchner Wohnungsbaugesellschaft GWG geführt worden waren. Und so verabschiedeten die Mitglieder des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach am Donnerstagabend ihre Stellungnahme zum Bebauungsplan Nummer 2100: Sie beinhaltet im Kern Zustimmung - ergänzt um fünf Hauptkritikpunkte.

Neuralgischer Punkt: An der Ecke Hechtseestraße/Bad-Schachener-Straße plant die GWG ein siebenstöckiges Gebäude, was manche Anlieger und Lokalpolitiker wegen des fehlenden Bezugspunktes im Viertel kritisch sehen.

(Foto: Jan A. Staiger)

Der Bebauungsplan erstreckt sich auf das Gebiet an der Haldenseestraße (beiderseits), Bad-Schachener-Straße (südlich), Hechtseestraße (nördlich) und Krumbadstraße (östlich). Die GWG als Eigentümerin strebt dort nach eigenen Angaben durch Nachverdichtung und Modernisierung eine sukzessive Umstrukturierung ihrer Siedlung an. Der derzeitige Baubestand aus den 1950er Jahren solle in Schritten abgebrochen und zu einem zeitgemäßen Wohnquartier mit den notwendigen sozialen Einrichtungen, Einzelhandel sowie Grün- und Freiflächen entwickelt werden. Die Planung solle, beginnend im Jahr 2020, in sechs Bauteilen bis circa 2031 realisiert werden. Auf Grundlage der Ergebnisse eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs wird derzeit ein Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan erarbeitet. Im nächsten Verfahrensschritt steht der Billigungsbeschluss im Stadtrat an. Zuvor waren nun die Lokalpolitiker um ihre Meinung gefragt.

Für die Häuserzüge gibt es langfristige Planungen.

(Foto: Jan A. Staiger)

Wolfgang Thalmeir (CSU), der Vorsitzende des Unterausschusses Bau, und seine Kollegen in dem Gremium hatten das Positionspapier erarbeitet, das dem Bezirksausschuss zur Entscheidung vorlag. Grundsätzlich lobten sie darin die Stadt für das in diesem Fall gewählte Verfahren der Bürgerbeteiligung und -information, "das zumindest zu Beginn des Planungsprozesses nahezu vorbildlich lief". Sie regten an, die bisherige Transparenz der Planungsschritte auch im weiteren Verfahren aufrechtzuerhalten. Ausdrücklich gelobt wurde die Positionierung der Tiefgaragen in der Siedlung, die zum Erhalt des wertvollen Baumbestands vielfach unterhalb der Verkehrsflächen angeordnet wurden.

Die Siedlung beiderseits der Haldenseestraße soll bis zum Jahr 2031 modernisiert werden.

(Foto: Jan A. Staiger)

Allerdings übten die BA-Mitglieder auch ausführlich Kritik. Vor allem die am sogenannten Maikäferplatz vorgesehene siebengeschossige Bebauung lehnen sie nach wie vor ab. Ein solcher Hochpunkt finde in der Umgebung keine Entsprechung und sei deshalb nicht verträglich. Insbesondere im Hinblick auf die kleinteilige Bebauung südlich der Hechtseestraße erscheine ein solcher Bau gar "als rücksichtslos". Auf Anregung von Josef Kress-del Bondio wurde dieser Punkt ergänzt: Wenn der siebengeschossige Bau schon realisiert werde, dann solle zumindest an der Stelle ein ansprechender städtebaulicher Akzent gesetzt werden.

Für die kommenden 12 Jahre ist auch eine Nachverdichtung der Siedlung geplant.

(Foto: Jan A. Staiger)

Zweitens fordert der BA, die Verkehrsplanung erneut zu überprüfen. Dies gelte sowohl hinsichtlich des motorisierten Individualverkehrs als auch hinsichtlich des öffentlichen Personennahverkehrs. So müsste die Stadt etwas tun gegen die Überlastung der U-Bahn-Züge zu den Hauptverkehrszeiten. Auf Vorschlag von Christian Smolka (Grüne) wurde der Punkt um die Forderung ergänzt, den 199er Bus nicht alle 20, sondern alle zehn Minuten verkehren zu lassen. Des Weiteren bezweifelt der BA, dass die Schulversorgung ausreicht.

Das Gremium regt an, nochmals konkret die zukünftigen Bedarfszahlen zu ermitteln. Unter Vorlage dieser Daten soll dann beim Referat für Bildung und Sport erneut eine belastbare Aussage eingeholt werden, wie und wo die zu erwartenden zusätzlichen Schülerzahlen untergebracht werden können. Dabei müssten die anderen Nachverdichtungsprojekte in Ramersdorf berücksichtigt werden. In der Stellungnahme wird auch die Sorge vieler Bürger aufgegriffen, dass viele alte Bäume im Zuge der Bauarbeiten doch noch gefällt werden könnten. An die GWG ergeht deshalb die nachdrückliche Bitte, den Baumbestand wirksam zu schützen.

Abschließend geht der BA auf die Aussage der Planer zum ruhenden Verkehr in der Siedlung ein: Es sei durchaus realistisch, im Durchschnitt einen Stellplatzschlüssel von 0,5 zu erzielen, wenn zusätzliche Mobilitätskonzepte verwirklicht würden - und wie es die GWG auch plane. Dieser Behauptung begegnen die Lokalpolitiker mit erheblichen Bedenken. Diese "gerühmten" Mobilitätskonzepte seien bezüglich ihrer tatsächlichen Auswirkungen noch zu wenig erprobt. Stattdessen sollte in jedem Fall darauf geachtet werden, dass die nach der Stellplatzsatzung vorgeschriebenen Stellplatzschlüssel im Genehmigungsverfahren eingehalten werden.