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Ramersdorf:Fluffig, aber zu hoch

Die GWG präsentiert den Bürgern drei Entwürfe, die es in die Endrunde des Wettbewerbs für die neue Siedlung an der Haldenseestraße geschafft haben

Ihre heikelste Entscheidung haben die Juroren des Wettbewerbs zum Neubau der GWG-Siedlung an der Haldenseestraße noch vor sich, obwohl oder gerade weil sie am vergangenen Freitag drei der 15 Entwürfe für die Endrunde herausfiltern konnten. Wie schwer deren Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen sind, zeigte am Dienstag der dritte, mit anfangs rund 120, später eher 90 Teilnehmern erneut gut besuchte Informations- und Diskussionsabend. Mit Rücksicht auf die Unabhängigkeit der Jury und um nachträgliche Proteste zu vermeiden, ließen Planungsreferat und Genossenschaft die An- und Bewohner nicht über die Entwürfe abstimmen. Allerdings ließ die Diskussion ohnehin nicht erkennen, ob dabei ein klares Votum herausgekommen wäre.

Sehr unterschiedlich beurteilten die Ramersdorfer zum Beispiel die Frage, ob die aktuelle Struktur künftig fortgeführt werden soll. Der Entwurf des Münchner Büros Delaossa löst die quer zur Haldenseestraße stehenden, leicht gebogenen Riegel und die Rahmenbauten zur Bad-Schachener- und Hechtseestraße hin in sechs halb offenen Innenhöfen auf. Die beiden, ebenfalls in München ansässigen Konkurrenten Steidle und "Zillerplus" nehmen hingegen den Bestand auf, ersterer in verzahnt angeordneten Häuserzeilen, letzterer in einer Abfolge von schmalen Straßen und Plätzen, im Inneren autofrei, wie alle Entwürfe. Die Auflösung der gewohnten "Tortenstück-Form" im Delaossa-Entwurf wurde sowohl kritisiert als auch gelobt - im Sinne einer Auflösung der bestehenden "Kasernenstruktur". Das Innenhöfe-Ensemble weckte unterschiedlichste Assoziationen, von "gefängnisartig" laut Bettina Rubow (Schutzgemeinschaft Ramersdorf) bis "fluffig", wie es ein Anwohner aus der Krumbadstraße ausdrückte.

Weniger Zustimmung erhielt der westliche Nachbar dann für seine lobenden Worte zum elfgeschossigen Hochhaus, das Tobias de la Ossa und Kollegen am Ostspitz des Geländes (Richtung Michaelibad) vorgesehen haben. Die meisten Anwohner fürchten Schattenwurf und dominante Erscheinung. Die Aussicht auf eine öffentlichen Dachterrasse lockte dagegen wenig. Auch sonst galt die Hauptsorge dem Höhenwachstum durch die geplante Verdopplung der Wohn-Geschossflächen auf bis zu 65 000 Quadratmeter. Der Jury-Vorsitzende Franz Pesch musste noch einmal klarstellen, dass es beim vorgezogenen Bauvorhaben an der Bad-Schachener-Straße 44-66 bei den bereits genehmigten vier Geschossen bleibt, auch wenn sich einzelne Entwürfe über diese Grenze hinweg gesetzt hatten.

Besonderen Respekt vor den Höhengrenzen zeigt, so das allgemeine Lob, der Steidle-Entwurf. Dessen Gebäudeanordnung erschien andererseits vielen Betrachtern "labyrinthisch". Planer Johann Spengler konnte den Kritikern nur mit Mühe klar machen, dass die Anlage dank durchbrochener Häuserfronten auch ohne mäandernde Umwege durchquert werden kann. Zu durchlässig für die vom Michaelibad her kommenden Fußgänger und Radler fanden wiederum manche den Entwurf von Michael Ziller. Sympathiepunkte gewann Ziller wieder, indem er als einziger Wettbewerbsteilnehmer den Bürgerwunsch nach Satteldächern aufgriff.

Das Preisgericht berät Ende Februar 2016 über die überarbeiteten drei Entwürfe. Ein eigenes Bild zum jüngsten Jury-Entscheid kann man sich noch bis 30. Dezember in der evangelischen Lätarekirche, Quiddestraße 15, machen. Alle 15 Teilnehmerentwürfe sind dort ausgestellt, geöffnet ist täglich von 9 bis 16 Uhr.