Ramersdorf Der große Kahlschlag

Schockierende Nachricht: Dem Neubau der Grundschule am Strehleranger müssen mehr als 180, teils große und alte Bäume weichen.

(Foto: Florian Peljak)

180 Bäume sollen dem Schulneubau am Strehleranger weichen - die Lokalpolitiker wollen so viele wie möglich retten

Von Hubert Grundner, Ramersdorf

"Alles in allem haben wir mit viel Bauchweh zugestimmt." Mit diesem einen Satz hat Wolfgang Thalmeir (CSU) nachfühlbar zusammengefasst, in welche Nöte der Vorbescheidsantrag zum Neubau der Grundschule am Strehleranger 2-6 die Mitglieder des Unterausschusses Bauvorhaben, Stadtplanung und Bürgerbeteiligung gestürzt hatte: Auf der einen Seite wollten sie das städtische Projekt nicht ausbremsen. Auf der anderen Seite hatten sie eine gewaltige Kröte zu schlucken. Denn nach derzeitigem Planungsstand müssten mehr als 180 zum Teil sehr alte und große Bäume gefällt werden. Weshalb auch in der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach die Mitglieder zwar zustimmten, dies aber mit der Auflage verbanden, dass vor einer Baugenehmigung ihre Einwände zu berücksichtigen seien.

Dazu gehört nun vor allem die Forderung, erneut im Detail zu prüfen, welche Bäume zwingend gefällt werden müssen. Auch sei die Frage zu klären, ob es nicht durch eine alternative Planung der Baustelle und der Baustelleneinrichtung oder durch besondere Schutzmaßnahmen möglich wäre, doch noch mehr Bäume zu erhalten. In dem Zusammenhang erinnerte der Unterausschuss daran, dass auch die umfangreichen Baumfällungen im Bereich des Hubschrauberlandeplatzes des Klinikums Perlach zunächst als "absolut zwingend" präsentiert worden seien. Später habe sich der Eingriff dann als völlig überflüssiger Kahlschlag herausgestellt. Eine solche, nachher nicht mehr korrigierbare Fehlplanung sei am Strehleranger in jedem Fall zu vermeiden, moniert der BA.

Sofern Bäume am Ende dann doch zwingend für das Bauvorhaben weichen müssen, gelte es zu prüfen, ob es nicht möglich wäre, einzelne Exemplare auszugraben, umzusetzen oder zwischenzulagern und nach den Bauarbeiten wieder einzupflanzen. "In jedem Falle sind ausreichende Ersatzpflanzungen mit entsprechend großen Bäumen zu planen und verbindlich anzuordnen", heißt es im Beschluss.

Das Projekt selbst sieht am Strehleranger 2-6 den Neubau einer sechszügigen Grundschule, einer dreizügigen Mittelschule, einer Dreifach-Sporthalle, eines Hauses für Kinder, einer Tiefgarage und einer zeitlich befristeten Schulraumeinheit vor. Nach der Vorstellung im Unterausschuss Bauvorhaben hatten dessen Mitglieder den Eindruck, dass es noch zu etlichen Bereichen viele ungeklärte Fragen gibt. Zudem plagten sie erhebliche Zweifel, ob tatsächlich alle möglichen Planungsalternativen hinreichend geprüft und gegeneinander abgewogen wurden. Es scheine vielmehr so zu sein, dass das Verfahren "mit heißer Nadel gestrickt worden ist", so Thalmeir. In Anbetracht der dramatischen Schulsituation im Stadtbezirk gebe es allerdings wohl keine wirkliche Alternative zu dem vorgestellten Neubau, der auch unter erheblichem Zeitdruck stehe. Im Folgenden heißt es in der Beschlussempfehlung: "Der Unterausschuss ist sich sehr wohl der ,Alternativlosigkeit' der Situation bewusst. Er empfiehlt deshalb, aber auch nur deshalb, dem vorliegenden Vorbescheidsantrag, der andernfalls mit Sicherheit eine deutlich kritische Überprüfung bis hin zur Ablehnung erfahren hätte, grundsätzlich zuzustimmen."

Dies solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erweiterung der Schule durch den Neubau und die massive Steigerung der Schülerzahlen auf bis zu 1200 - neben den für das Bauvorhaben selbst bestehenden Bedenken - auch eine Fülle von stadtplanerischen Folgeproblemen nach sich ziehen werde, warnen die Lokalpolitiker. Diese Probleme reichten von der Verkehrsanbindung der Schule und den Einrichtungen, die von Bürgern und Vereinen genutzt werden sollen, über die Parksituation, die Situierung der Fahrradabstellplätze bis hin zu den Auswirkungen des Hol- und Bringverkehrs und die ÖPNV-Anbindung. Folgeprobleme, die, so der Eindruck im BA, wieder einmal wegen des Zeitdrucks vergessen wurden oder bewusst aufgeschoben werden. "Folgeprobleme, die aber die Nachbarschaft und das Stadtviertel in den nächsten Jahren mit ganzer Wucht treffen werden", wie Thalmeir vortrug.

Mit seiner Zustimmung verband der Bezirksausschuss unter anderem den Hinweis, auch während der Bauphase ausreichend Pausen- und Freiflächen für die Schüler vorzuhalten. In dem Zusammenhang begrüßten die Mitglieder den Vorschlag des Referats für Bildung und Sport, die Pausen- und Freifläche auf das Gebiet des westlich des Grundstücks gelegenen, derzeit als Krautgarten genutzten Areals zu verlegen.