bedeckt München 16°

Fastenbrechen:Der süße Geschmack der Dattel

Münchner Muslime beim Fastenbrechen im Luitpoldpark in Schwabing

Gemeinsam warten Münchner Muslime mit Freunden und Verwandten auf den Sonnenuntergang und essen anschließend gemeinsam.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Luitpoldpark treffen sich Münchner Muslime zum öffentlichen Fastenbrechen. Es geht zu wie bei einer großen Familienfeier - nur dass alles besser organisiert ist.

Neonpink ist die Flüssigkeit, die eine Frau in einer Glasschüssel geduldig umrührt. Weiße Stückchen schwimmen darin, "Kokosnuss" sagt sie und nickt. Ein Fruchtsirup gibt dem indonesischen Dessert seine Farbe. Um sie herum sitzt eine Gruppe von Frauen, in bunten Gewändern und Sommerkleidern. Eine von ihnen, sie trägt ein Kopftuch mit Burberry-Muster, das sie seitlich mit einer glitzernden Brosche festgesteckt hat, zeigt stolz, welches Essen es später im indonesischen Zelt geben wird. Rendang und Bami Goreng, diese Gerichte möge doch jeder, meint sie.

Zum zweiten Mal findet am Samstagabend in München das "Open (F)air Iftar" im Luitpoldpark statt - ein öffentliches Fastenbrechen, um nach Sonnenuntergang gemeinsam zu essen und zu trinken. Hunderte nehmen teil, der Großteil von ihnen feiert gerade den islamischen Fastenmonat Ramadan. "Open-Air-Festivals sind auch immer besser, als normale Festivals", antwortet Mustafa Yakaç, Vorsitzender des Muslimrat München auf die Frage, warum hier der Iftar öffentlich begangen wird.

Neue Heimat Beten, wenn andere brutzeln und Bier trinken
Neue Heimat

Beten, wenn andere brutzeln und Bier trinken

Während des Ramadan sind in der Heimat unseres afghanischen Kolumnisten die Schulen geschlossen und die Erwachsenen arbeiten weniger. In Bayern lebt er beim Fasten dagegen wie in einer kleinen Parallelwelt.   Von Nasrullah Noori

Da im vergangenen Jahr mehr als 2000 Menschen zu dieser Veranstaltung gekommen waren, hat der Münchner Muslimrat als Hauptveranstalter diesmal etliche Vorkehrungen getroffen. Das indonesische Zelt ist zum Beispiel nur eine von insgesamt acht Essensausgabe-Stellen, die am Rand der großen Wiese stehen, dazwischen sind zahlreiche Bierbänke und Tische aufgestellt. Dieses Jahr sei alles besser organisiert, meint Yakaç.

Später werden sich die Gäste ihr Essen wie in einer Kantine ohne lange Wartezeiten abholen können. Jeder soll sich nur so viel nehmen, wie er schafft. Denn weniger zu verschwenden, zählt neben Nächstenliebe und Toleranz zu den Grundgedanken des Ramadan. Falls Essen übrig bleibe, gehe es an die Münchner Tafel, so Yakaç. Nichts solle weggeschmissen werden.

Zwischen den Bäumen hängen weiße Lampions, Kinder spielen Ball - fast wie bei einer großen Familienfeier. Auf Picknick-Decken und Teppichen sitzen junge und alte Menschen, Familien und Freunde. Gemeinsam warten sie. In ihrer Mitte stapeln sich Tupperware-Dosen mit mitgebrachtem Essen, Wasserflaschen stehen im Schatten der Bäume und auf manchen Tischen kleine Schälchen mit Datteln. Almedina, eine junge Frau mit bosnischen Wurzeln ist aus Augsburg angereist, ihre ganze Familie ist hier. Die Dattel ist das erste, was man am Abend isst. "Mit ihr bricht man das Fasten, das ist Tradition", sagt sie.

"Das Schöne hier ist, dass alle willkommen sind", sagen Anwesende.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Immer mehr Menschen pilgern zur Wiese, aber es bleibt ruhig. Auf einer Bühne werden Reden gehalten, und es wird Musik gespielt. Ein Kinderchor singt, und Vertreter unterschiedlicher Verbände sowie religiöser Gemeinschaften sprechen. Der Satz, dass der Islam definitiv zu Deutschland gehöre, fällt nicht nur einmal an diesem Abend, und mit Jubel wird ihm zugestimmt.

"Das Schöne hier ist, dass alle willkommen sind. Egal welche Religion oder Nationalität sie haben", erzählt Emre. Er hilft freiwillig bei der Essensausgabe im türkischen Zelt und freut sich, dass so viele unterschiedliche Menschen gekommen sind. Es gehe hier um die Gemeinsamkeiten, nicht die Unterschiede, sagt er. Und außerdem mache gemeinsames Fastenbrechen einfach viel mehr Spaß.

Als es gegen 21 Uhr zu dämmern beginnt und die Sonne langsam hinter den Baumkronen verschwindet, wird es hektisch. "Nur noch zwölf Minuten", sagt eine Stimme auf der Bühne. Mitarbeiter laufen mit Servietten unterm Arm von einem Zelt zum nächsten. Eine Frau ruft gestresst in ein Walkie-Talkie, dass sie Verstärkung bei der Essensausgabe brauche. Binnen kürzester Zeit bilden sich meterlange Schlangen vor den Zelten. Ein Mädchen verteilt die letzten Datteln, plötzlich liegt der schwere Duft nach Gewürzen in der Luft. Das mitgebrachte Essen wird auf den Decken und Tischen arrangiert, Becher schon mal gefüllt.

Um 21.12 Uhr ertönt der Gebetsruf von der Bühne - auf einmal wird es ganz still, der ganze Park scheint inne zu halten. Lichter werden eingeschaltet, rundherum es ist bereits dunkel. Manche Menschen warten noch immer in der Schlange, die vor dem indonesischen Zelt ist die längste. Als es dort keine Speisen mehr gibt, wird gebeten sich in die Schlange daneben einzureihen. Kein Problem - die Menschen lächeln, lassen einander vor, den süßen Geschmack von Datteln im Mund.

Ramadan Danke, ich verzichte

Fastenmonat Ramadan

Danke, ich verzichte

Unsere Autorin heißt nicht nur so, sie nimmt den Fastenmonat auch ernst - was sonderbarerweise viele erstaunt. Gedanken zum Ende einer besonderen Zeit.   Von Dunja Ramadan