Zu Lebzeiten sind sie sich zwar wohl begegnet, hatten aber keine nennenswerte Beziehung zueinander. Das ändert sich erst jetzt: Freddie Mercury und Rainer Werner Fassbinder werden an der Fassade des Hotels „Deutsche Eiche“ verewigt. Das von Franco Notonica entworfene und aus vielen Glassteinchen zusammengesetzte Mosaik des Queen-Frontmanns, der Anfang der Achtzigerjahre in München lebte und bevorzugt durch die Bars und Kneipen des Gärtnerplatzviertels zog, wurde im vergangenen Jahr an der Hausfassade angebracht.
Jetzt folgt vom selben Künstler ein weiteres, nicht minder glitzerndes Mosaik: Rainer Werner Fassbinder wäre am 31. Mai 80 Jahre alt geworden, was man sich bei einem ebenso rast- wie ruhelosen Menschen wie ihm nur schwer vorstellen kann. Der Regisseur starb 1982 im Alter von nur 37 Jahren, er hinterließ ein großes Werk aus Filmen („Angst essen Seele auf“, „Die Ehe der Maria Braun“), Serien („Berlin Alexanderplatz“) und Theaterstücken („Der Müll, die Stadt und der Tod“).

Hommage an das Regie-Genie Rainer Werner Fassbinder:Fassbinder, höchstpersönlich
Vor 80 Jahren wurde das Enfant Terrible des Neuen Deutschen Films geboren. Zahlreiche Veranstaltungen und Veröffentlichungen erinnern an den viel zu früh verstorbenen Münchner Regisseur, Theatermacher und Schauspieler.
Work Hard, Play Hard: Nach diesem Motto lebte Fassbinder lange, bevor es Banker, Broker oder Yuppies für sich entdeckten. Er war im Münchner Nachtleben unterwegs, ab 1974 machte er die „Deutsche Eiche“ zu seinem „zweiten Wohnzimmer“. Direkt gegenüber wohnte er auch, er verliebte sich in den Schankkellner Armin Meier (was allerdings tragisch endete), der damaligen Wirtin Sonja Reichenbach gab er kleine Rollen in seinen Filmen. Selbst gedreht hat er hier: Im 1981 entstandenen Film „Lola“ sieht man Mario Adorf und Armin Mueller-Stahl im Schankraum der „Eiche“.
Fassbinder lebte zeit seines Lebens in München, die Stadt erinnert an mehreren Orten an ihn: In Giesing wurde eine Fachoberschule nach ihm benannt, nahe der Donnersbergerbrücke gibt es einen Rainer-Werner-Fassbinder-Platz, ein ehemaliges Klohäusl am Holzplatz ziert ein Fassbinder-Graffiti (und eines von Freddie Mercury). Auch kulturell ist Fassbinder präsent: Es gibt Filme („Enfant Terrible“ von Oskar Roehler) oder Bücher (das wohl lesenswerteste ist Jürgen Trimborns Biografie „Ein Tag ist ein Jahr ist ein Leben“) über ihn, erst kürzlich feierte eine Neuinszenierung von „Katzelmacher“ Premiere an den Kammerspielen.
Am letzten Mai-Wochenende finden neben der Enthüllung des Mosaiks auch die „Fassbindertage“ statt, mit Vorträgen, Theaterminiaturen und Filmvorstellungen. Rainer Werner Fassbinder ist jetzt schon länger tot, als er am Leben war. Die Erinnerung an ihn hat aber überlebt.

