Radeln in und um MünchenAuf diesen Fahrradtouren haben auch Kinder Spaß

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Radelnd die Welt entdecken, das ist auch mit Kindern möglich.
Radelnd die Welt entdecken, das ist auch mit Kindern möglich. Zacharie Scheurer/dpa

Geeignete Radtouren mit Kindern zu planen, ist nicht so einfach. Wo fährt man gefahrlos eine Strecke, die leicht zu bewältigen ist? Und wo lockt am Ziel eine Belohnung? Eine Übersicht über kleine Touren um und in München.

Von Thomas Becker

Die Freude ist groß, wenn das eigene Münchner Kindl seine ersten eigenständigen Kurbler auf dem Fahrrad schafft, ohne zur Seite zu kippen und in ohrenbetäubendes Geschrei auszubrechen! ‚Heureka!‘, jubeln die Eltern – und stehen schon bald vor der bangen Frage: Wo, außer im Hofgarten, Ost-, West-, Luitpold- oder Olympiapark, Englischen Garten oder sonstigen städtischen Grünanlagen kann man den Nachwuchs denn nun verkehrsberuhigt und weitgehend ungefährdet die ersten Kilometerchen strampeln lassen?

Auf der Rennstrecke durch den Perlacher Forst oder den innerstädtischen Isar-Highways von Marienklause bis Föhringer Wehr jedenfalls schon mal nicht. Auch wichtig: Wie sind die kurzbeinigen Radl-Novizen mit der Aussicht auf das eine oder andere Spektakel am Wegesrand verlässlich zu ködern. Und wo tut man sich selbst auch noch etwas Gutes? Ein paar Vorschläge, für die es außer Pflastern für aufgeschlagene Knie allerdings auch einen Fahrradständer am Auto braucht.

Zur Waldwirtschaft nach Pullach

Hier könnte man sich schon vor der Tour stärken: der Gutshof Menterschwaige.
Hier könnte man sich schon vor der Tour stärken: der Gutshof Menterschwaige. Stephan Rumpf

Zugegeben: schwieriger Startpunkt für die etwa 2,5 Kilometer lange Strecke, könnte man am lauschigen Hinterbrühler See doch schon vor dem Losradeln im Gasthof Hinterbrühl einkehren oder ein Ruderboot ausleihen. Aber nein, wir sind ja zum Üben da. Also, das Auto nach dem Isarflößer-Denkmal in der Conwentzstraße parken, und los geht’s nach Süden, den Isar-Kanal zur Linken. Logisch, dass die Eltern stets zwischen Kanal und dem kleinen Radler fahren!

Auf dem schön schattigen, gut zu fahrenden Schotterweg kommt bald die Großhesseloher Brücke in Sicht, wo die ersten Attraktionen warten: mutige Jungs und Mädels, die von der kleinen Brücke unter der großen Brücke in den Isarwehrkanal hüpfen. Ein paar Meter weiter noch ein Hot Spot: der mobile Eisverkäufer. Sollte der Nachwuchs hier schon genug haben: einfach umdrehen. Wenn nicht, geht es nun so steil das Isarhochufer bergauf, dass das Rad geschoben werden muss.

Kurz vor dem leider geschlossenen Kiosk „Café Isarfräulein“ steigen wir wieder auf und biegen links ab, vorbei am Tennisclub Großhesselohe und durch Wiesen pfeilgerade zur WaWi. Die etwa gleich lange Variante von der Menterschwaige auf der Harlachinger Isarseite kann mit der spektakulären Fahrt über die rumpelnden Holzbalken der Großhesseloher Brücke punkten.

Zum Gasthaus zur Mühle unterhalb von Straßlach

Die Attraktion der Strecke ist unbestritten die Floß-Rutsche.
Die Attraktion der Strecke ist unbestritten die Floß-Rutsche. Claus Schunk

Ja, ja, auch hier könnte man schon beim Start am Gasthaus zum Bruckenfischer in Egling sitzen bleiben. Bis zur nächsten Einkehr nach drei Kilometern dauert es aber wirklich nicht lange: Beinahe kerzengerade führt der leider eher wenig Schatten bietende Schotterweg entlang des Isar-Kanals, diesmal nach Norden, Richtung City.

Der Köder für die vergleichsweise mäßig spannende Strecke ist dafür umso besser: die große Floß-Rutsche am Ziel, mit 345 Metern und 18 Metern Höhenunterschied die längste Europas – da sind Juchitzer und andere spitze Schreie garantiert. Wer Glück hat, erlebt vor der Rutsche einen Männergesangsverein bei der Live-Probe: Wohl nie hat Paul Simons „Homeless“ so berückend schön geklungen. Tipp: die Radl-Tour zeitlich so planen, dass man den meist gegen Mittag ankommenden Flößen auch wirklich beim Runterrutschen zusehen kann.

Zum Alten Holzwirt in Ascholding

Am Ziel wartet der Holzwirt mit Tieren und Schokokuchen.
Am Ziel wartet der Holzwirt mit Tieren und Schokokuchen. Manfred Neubauer

Wir steigern allmählich die Anforderungen an die kleinen Radler, denn auf dieser Fünf-Kilometer-Tour ist der Untergrund nicht immer glatt gebügelt, sondern zuweilen etwas holperig. Vom großen Parkplatz hinter dem Gasthof Oberhauser in Egling geht es (ausnahmsweise) auf dem Bürgersteig entlang der Wolfratshausener Straße nach Westen, bis wir bald nach links in die Waldstraße abbiegen – Obacht beim Queren der recht befahrenen Straße! Danach wird es einsam, wenn auch nicht komplett autofrei – besser vor dem Kind fahren!

Nach einer Weile geht die Straße in einen Waldweg über, der ab und zu auch etwas steiler wird – je nach Skills des Jung-Radlers vielleicht kurz schieben. Der Ausblick ins Moorgebiet Eglinger/Ascholdinger Filz samt Voralpen dahinter: ein Fest! Die Attraktionen am Ziel beim Holzwirt: allerlei Getier auf der Weide, Spielplatz samt hölzerner Hollywood-Schaukel. Obacht: Als Dessert gibt’s Schokokuchen mit flüssigem Kern und Vanilleeis.

Zum Café Schusterpeter in Arzbach

Natürlich kann man für diese Fünf-Kilometer-Tour auch in Downtown Bad Tölz losradeln, aber wem es da zu trubelig ist, der parkt ein Stück weiter südlich am Isardamm, auf der Westseite des Flusses. Locker runter rollen lassen zum mäßig frequentierten Isar-Radweg, der zunächst auf Schotter direkt am Fluss entlang führt, später ein wenig weg davon, was aber nicht stört, hat man doch mit dem Blick auf Benediktenwand, Heigelkopf und Brauneck genug zum Schauen. Am Kindergarten an der Kalkofenstraße in Arzbach ist das Ziel erreicht: unter einem Sonnenschirm im Café Schusterpeter (dringende Kuchen-Empfehlung!), mit Blick auf eine Bolzwiese samt Fußballtoren.

Zum Gasthaus Kandler in Oberbiberg

An Sonn- und Feiertagen gibt es beim Kandlerwirt ein Schnitzel als Belohnung für die Strampelei.
An Sonn- und Feiertagen gibt es beim Kandlerwirt ein Schnitzel als Belohnung für die Strampelei. Angelika Bardehle

Eine Fünf-Kilometer-Tour, die nur an Sonn- und Feiertagen sinnvoll ist, da der Kandlerwirt, überregional bekannt aus „Wer früher stirbt, ist länger tot“, nur an diesen Tagen geöffnet hat, und auch das nur von halb zwölf bis um drei. Und – zugegeben – eine Tour, die vor allem aufs Tapet kommt, weil Papa und Mama dort gern mal wieder im schattigen Gärtchen sitzen wollen – und nicht, weil der Weg von der S-Bahn-Deisenhofen dahin so toll wäre. Der führt nämlich pfeilgerade neben der Hauptstraße entlang, immerhin überwiegend im Schatten, aber halt doch motorenumtost. Der Kids-Köder (außer dem Schnitzel): die alte Outdoor-Holzkegelbahn aus dem Jahr 1905.

Zum Gasthaus Aujäger

So ein Weg verlockt doch zum Absteigen und Gucken.
So ein Weg verlockt doch zum Absteigen und Gucken. Claus Schunk

Hier gibt’s die ersten Hingucker schon vor dem Losradeln an der Aumühle: die springenden Forellen und Saiblinge in den Angelteichen. Die Radler können zwischen zwei 5,5-Kilometer-Varianten wählen: über die Wehrbaustraße an der Isar entlang nach Süden oder weiter östlich über die kaum befahrene Austraße bis zum Gasthaus Aujäger mit seinem Mini-Spielplatz und der Pferdekoppel. Tipp: auf halber Strecke mal die Räder an der Wehrbaustraße abstellen und einem der kleinen Fußwege zur Isar und ins Landschaftsschutzgebiet folgen. Und vor der Heimfahrt noch im Hofladen vorbeischauen: Geräuchertes einkaufen! (Donnerstag bis Sonntag)

Zum Aumeister

Ein Bier zum Steckerlfisch: das Ziel ist der Aumeister.
Ein Bier zum Steckerlfisch: das Ziel ist der Aumeister. Robert Haas

Auch in der City gibt es ein paar Ecken für noch nicht ganz so sattelfeste Radl-Anfänger. Am alten Hilton-Hotel parken, entlang des Eisbachs in Richtung Norden losrollen auf die Sechs-Kilometer-Tour, die Kennedy-Brücke unterqueren – und von da an den Lärm und Trubel der Stadt hinter sich lassen, Hashtag Nordteil Englischer Garten. Wer will, bleibt einfach an der Isar und quert erst später nach links rüber zum stets gut ausgeschilderten Aumeister. Wer nicht will, gondelt gemütlich auf Asphalt oder Schotter an Hirschau und Mini-Hofbräuhaus vorbei, trifft unterwegs womöglich auf die große Schafherde, die hier ebenfalls gerne ist und isst. Die Vorstellungen des Münchner Sommertheaters – heuer wurde Shakespeares ‚Sommernachtstraum‘ gegeben – sind leider schon vorüber, aber ein Blick ins kuschelige Amphitheater lohnt immer. Danach bloß nicht am verlockenden Bach schlapp machen, sondern durchhalten bis zum Biergarten, zu Steckerlfisch und Nostalgie-Karussell.

Zur Emmeramsmühle

Schön und schattig sitzt man im Biergarten der Emmeramsmühle.
Schön und schattig sitzt man im Biergarten der Emmeramsmühle. Stephan Rumpf

Und zum Schluss noch die Königsetappe mit Start am Stadion des FC Ismaning zur Emmeramsmühle: 16 Kilometer hin und zurück! Immer am Fluss entlang, was überhaupt nicht so langweilig ist, wie es vielleicht klingen mag. Nicht umsonst trägt dieser Isar-Abschnitt den Spitznamen Klein-Kanada. Schön wild und naturbelassen wirkt das alles hier. Erst die A99, die man irgendwann unterquert, holt einen allmählich wieder ins Hier und Jetzt zurück. Wer eine Pause braucht, kann die mit einem kurzen Schlenker am Unterföhringer See einlegen. Schöner und vor allem schattiger sitzt es sich allerdings noch ein Stück weiter südlich: im Biergarten der Emmeramsmühle. Dort warten nicht nur die üblichen Schmankerl für hungrige Radler, sondern auch noch Zwergerl- und Schlawiner-Eis für die Kleinen sowie Brezn- und Mango-Sorbet für die Großen – ein paar schnelle Zucker für den Rückweg.

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