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Radl-Sternfahrt:Hunderte fordern Stopp der Südring-Planung

Mehr als 700 Bürger haben mit einer Radl-Sternfahrt gegen die Pläne für einen Autobahn-Ringschluss im Süden von München demonstriert.

Bereits am Vormittag sammelten sich rund 150 Ringschluss-Gegner aus dem Würmtal mit Protestplakaten im Forst Kasten. Zu ihnen sprach die Starnberger Grünen-Kreisrätin Anne Franke, die sich über so viel Widerstand gegen die Machbarkeitsstudie freute. "Es sind eben nicht mehr nur ein paar sogenannte g'spinnerte Ökofreaks", sagte sie. Die Kommunalpolitikerin warnte vor Lärm, Feinstaub, Abgasen und immensen Abholzungen und betonte, dass der Südring keinerlei Entlastung bringe, sondern nur zusätzlichen Verkehr anziehen würde.

Südring Proteste

Große Beteiligung an der Radl-Sternfahrt: 700 Bürger nahmen teil.

(Foto: Foto: Schunk)

"Lasst uns weiter gemeinsam kämpfen gegen die Freunde der Geometrie, die einen Ringschluss wollen", rief Franke, und in Richtung Staatsregierung ergänzte sie unter Beifall: "Ihr macht uns unseren Wald nicht kaputt." Unter den Demonstranten waren viele Kraillinger, unter anderem Petra Eder und Joachim Neugebauer. Beide meinten entschlossen: "Wir lassen uns die Zerstörung von Natur und unserer Heimat nicht gefallen."

Samstag, 12 Uhr, Großhesselohe. Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Susanna Tausendfreund ist schon da und verteilt Fähnchen und Sticker mit jener Parole, die immer mehr Leute unterschreiben: "Stoppt den Südring!" Der zehnjährige Melvin ist mit Vater und Oma im Pulk dabei.

Es ist die erste Demonstration seines Lebens. Ein paar Minuten später steuern die Radler auf den Pullacher Kirch- platz zu, um sich mit Dutzenden weiterer Südring-Gegner zu vereinen. Von nun an durch Polizisten auf Motorrädern eskortiert, geht's nach Höllriegelskreuth, wo die lebende Protestlawine weiter anschwillt. Die Polizei spricht später von einem "guten, geordneten Verlauf" der Veranstaltung.

Als erste Rednerin greift Tausendfreund zum Mikrophon. Genau in diesem Augenblick setzt ein Wolkenbruch ein. Im prasselnden Regen beschwört die Landtagsabgeordnete die Überparteilichkeit des Anti-Südring-Protestes. Starker Beifall. Endlich "in die Tonne treten" sollte man die Südring-Pläne, fordert Tausendfreund, und ihr Parteifreund Toni Hofreiter warnt vor der "Zerstörung eines der schönsten Naturräume".

Der Staatsregierung wirft der grüne Bundestagsabgeordnete vor, sinnlos Steuergelder für eine Machbarkeitsstudie zu verschwenden. "Der Münchner Norden braucht den Südring nicht", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Natascha Kohnen. Sie warnt davor, die Landeshauptstadt ihrer einzigen Frischluftzufuhr zu berauben und sich auf inakzeptable "Zerstörungsdimensionen" einzulassen. Der Meinung ist auch ihre CSU-Kollegin Kerstin Schreyer-Stäblein: "Ganz klar, wir brauchen den Südring nicht."

Für Manfred Siering vom Bund Naturschutz käme ein "Hammerschlag gegen die Artenvielfalt" erschwerend hinzu. "Und das Donnern und Rauschen der Lkw können wir auch nicht brauchen." Sierings Rede gipfelte im Aufruf, aus dem "Südring-freundlichen ADAC" aus- und in den BN einzutreten.

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