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Radioaktives Abwasser:Alternativen gesucht

Kritiker des Garchinger Forschungsreaktors werden gehört

Ulrich Hilberer hat Karten und Fotos dabei. Sie zeigen eine glitzernde Isar, Grün am Ufer und einen Kasten Bier von Feiernden am Strand. Oberhalb der beliebten Stelle werde schwach radioaktives Wasser aus dem Forschungsreaktor Garching eingeleitet, sagt der Abteilungsleiter Umwelt der Gemeinde Ismaning. "Da wird gebadet, da wird gefischt." Es gebe nicht einmal Hinweisschilder.

Bürger, Kommunen und Verbände hatten rund 1400 Einwendungen eingereicht, um zu verhindern, dass die Technische Universität München (TUM) für weitere 30 Jahre ihre Abwässer aus dem Reaktor und der Radiochemie in die Isar einleiten darf. Dazu gab es am Dienstag eine Anhörung. Zum Auftakt kamen etwa zwei Dutzend Vertreter von Grünen, Umweltverbänden und betroffenen Kommunen, darunter Garching und Ismaning. Das Verfahren dient dem Austausch von Argumenten und Fakten; die Entscheidung trifft das Landratsamt München. Die Uni sagt, bei den neu beantragten Werten gehe es um einen absoluten Maximalwert, der in aller Regel bei Weitem nicht erreicht werde. Zudem seien die Kontrollen engmaschig. Alternativen zur Einleitung in die Isar seien nicht praktikabel.

Die Gegner argumentieren, jegliche Radioaktivität müsse vermieden werden. Es gebe alternative technische Möglichkeiten. Ohnehin werde der Forschungsreaktor derzeit illegal betrieben. Denn er laufe immer noch mit waffenfähigem hochangereichertem Uran, obwohl er bis Ende 2010 hätte umgerüstet werden müssen. Der Reaktor werde somit seit acht Jahren unrechtmäßig betrieben.

Kritiker aus der Umgebung wehren sich seit langem gegen den Betrieb des Reaktors. Es müsse die Radioaktivität reduziert werden. "Ich erwarte von der Wissenschaft, dass man das ganz vermeidet", sagt ein Vertreter der Gemeinde Hallbergmoos. Wegen Genehmigungsproblemen bei der Lieferung neuer Brennelemente steht der Reaktor schon seit Monaten still. Er dürfe gar nicht mehr anfahren, so die Gegner.

© SZ vom 24.07.2019 / dpa
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