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Radverkehr:Was die Stadt für Winterradler tut

Messstation Radfahrer Erhardtstraße

An der Erhardtstraße in der Nähe des Deutschen Museums befindet sich eine von insgesamt sechs Fahrrad-Messstellen in der Stadt.

(Foto: Jan A. Staiger)
  • Der Anteil der Radler am Gesamtverkehr in München liegt bei 18 Prozent - und ist damit fast doppelt so hoch wie 2002.
  • Doch die Stadt muss mehr für die Radfahrer tun, das fordern nicht nur die Grünen.
  • Für den kommenden Winter ist ein besserer Räumdienst für die Radwege in der Innenstadt geplant.

Der Radverkehr in München nimmt zu, ziemlich rasant sogar. 2002 lag der Anteil der Radler am Gesamtverkehr noch bei zehn Prozent, 2008 bei 14 und heute bei rund 18 Prozent - das haben Umfragen ergeben. Auf der sogenannten Isarparallele, die auch entlang der Erhardtstraße führt, ist ein echter Radl-Highway entstanden. Dort befindet sich seit April eine der sechs Zählstellen, an denen die Stadt die Anzahl der Radler mit Sensoren unter der Fahrbahndecke misst. Diese hat eine digitale Anzeige. Binnen eines halben Jahres fuhren alleine an der Isar eine Million Radler vorbei. Eine durchaus beeindruckende Zahl.

Für die Stadt ist die zunehmende Beliebtheit des Radls ein gutes Zeichen, gerade in Zeiten, wo es mit der Luftreinhaltung und der Einhaltung von Stickoxid-Grenzwerten nicht so recht klappen will. Gleichzeitig steht München allerdings vor der Herausforderung, der wachsenden Zahl an Radlern auch gerecht zu werden und die Bedingungen auf den Straßen deutlich zu verbessern. Denn viele Radler sind nicht glücklich mit der Situation, die sie momentan vorfinden. Das Ergebnis des Fahrradklimatests, den der Fahrradklub ADFC alle zwei Jahre online durchführt, ist für München nicht schmeichelhaft. 2016 gab es nach Schulnotensystem eine 3,78. Die Note war damit nicht besser als zwei Jahre zuvor. Noch bis Ende November läuft die aktuelle Erhebung zum Fahrradklima. Und voraussichtlich wird das Ergebnis wieder nicht deutlich besser ausfallen.

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Zu mutlos seien die Entscheidungen der Politik, haben unter anderem der ADFC, der Bund Naturschutz und auch die Grünen wiederholt kritisiert. Aktuelles Beispiel, bei denen die Stadt aus Sicht der Grünen nicht weit genug geht, ist die Lindwurmstraße. Erst kürzlich hat der Stadtrat dort einen neuen Radstreifen beschlossen, weil die bestehenden baulichen Radwege zu schmal sind.

Für den neuen Radstreifen sollen die Autospuren schmäler werden, zwischen Goetheplatz und Sendlinger Tor müssen 25 Parkplätze gestrichen werden. Den Grünen ist der Streifen mit 1,85 Metern nicht breit genug, sie würden sich zwei Meter wünschen und einen etwas anderen Umbau der Straße, als es der Stadtrat jetzt beschlossen hat. Immerhin hat die Stadtverwaltung nun den Auftrag bekommen, zu prüfen, ob sich nicht doch noch eine Autospur stadtauswärts streichen ließe. Ein Vertreter des Kreisverwaltungsreferates sagte jüngst im Bauausschuss des Stadtrats, der stadtauswärts fließende Autoverkehr könnte das schon verkraften. Weil sich die Straße dann aber auf Höhe des Nußbaumparks verengen müsste, steige die Unfallgefahr.

Das Beispiel Lindwurmstraße zeigt, wie schwierig es für die Verwaltung ist, zwischen Auto- und Radverkehr abzuwägen. Die CSU und die Bayernpartei wollten den Radstreifen gleich gar nicht, die SPD, auf deren Initiative die neue Radspur zurückgeht, zeigt sich allerdings - anders als die Grünen - mit der beschlossenen Lösung zufrieden.

Es gibt in der Stadt noch Dutzende Stellen, über die sich Radler ärgern, sei es weil der Radweg zu schmal ist, plötzlich jäh endet oder von Autos zugeparkt ist. Jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, wird das Thema Räumdienste die Radler wieder vermehrt beschäftigen. In den vergangenen Jahren stand der Winterdienst immer wieder in der Kritik, nicht zuletzt, weil auch ausgewiesene Fahrradstraßen nicht wirklich gut geräumt waren.

Vom kommenden Winter an hat die Stadt aber einige Verbesserungen beschlossen, nachdem ein Gutachten dem Baureferat Optimierungsbedarf bescheinigt hat. Künftig soll nun auch auf zusätzlichen Radrouten (Arnulf- und Prinzregentenstraße, Giesinger Berg bis Paul-Heyse-Straße, Nymphenburger-, Rosenheimer und Schleißheimer Straße) alle zwei Stunden geräumt werden, in Fahrradstraßen alle drei Stunden. Schnee, der von Autos auf den Radweg gespritzt wird, soll ebenso schneller wieder beseitigt werden.

Auch mit dem Winterdienst hat sich der ADFC beschäftigt und im vergangenen Jahr Radler befragt. 62 Prozent bewerteten den Winterdienst als schlecht, 19 Prozent gar als sehr schlecht. Von den Befragten gaben immerhin mehr als zwei Drittel an, auch im Winter täglich mit dem Rad unterwegs zu sein.

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