Dirtbike-PisteGefährliche Strecke

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Auf dem beliebten Parcours im Münchner Süden verunglückte im vergangenen Herbst ein 13-Jähriger schwer.
Auf dem beliebten Parcours im Münchner Süden verunglückte im vergangenen Herbst ein 13-Jähriger schwer. Florian Peljak

Wer auf dem BMX-Rad über Schanzen und Rampen brettert, landet gelegentlich ziemlich unsanft. Der Vater eines Buben, der sich verletzt hat, fordert bessere Sicherheitsvorkehrungen und mehr Aufsicht

Von Jürgen Wolfram

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Oben am Startpunkt herrscht Gedränge. Kurze Diskussion, wer sich als erstes ins Abenteuer stürzen darf. Bei schönem Wetter eine typische Szene auf der Dirtbike-Strecke an der Herterichstraße in Solln. Viele der Kinder und Jugendlichen, die sich hier auf die lehmige Hindernisstrecke mit ihren Mulden, Schanzen und Kurven begeben, dürften altersbedingt noch nicht mal wissen, was "No risk, no fun" bedeutet. Aber es ist genau dieser Nervenkitzel, der sie in den hintersten Winkel des Stadtteils lockt.

Der kühne Ritt auf dem BMX-Rad - für die Biker-Szene im Münchner Süden ist das eine Attraktion, in Corona-Zeiten mit all den Indoor-Beschränkungen sowieso. Doch der Parcours hat seine Tücken; es kommt immer wieder zu Unfällen, auch heftigen. Selbst flüchtige Beobachter ahnen: Wen's hier aus dem Sattel hebt und schmeißt, der hat wahrscheinlich ein Verletzungsproblem.

Es war an einem dieser hochsommerlichen Abende im Juni. Ein 13-Jähriger aus dem Viertel bleibt auf seiner Runde durch den Dirtpark nach kurzem Flug mit dem Vorderrad an einer der Rampenkanten hängen, stürzt schwer, bleibt ohnmächtig im Staub liegen. Eine Freundin der Familie, die den Vorfall zufällig beobachtet, alarmiert die Eltern. Es folgen Wochen im Krankenhaus. Obwohl er einen Helm getragen hat, erleidet der Junge ein Schädel-Hirn-Trauma und Rippenbrüche.

"Solche krassen Sachen passieren auf dem Pumptrack öfter", sagt Peter S., der Vater des verunglückten 13-Jährigen. Seiner Meinung nach fehlt es auf der Dirtbike-Strecke gleich an mehreren Sicherheitsmaßnahmen. "Da gibt es keinerlei Hinweis, dass die herausfordernde Strecke eigentlich nur für geübte Radler benutzbar ist", kritisiert S., überdies seien hier viele Kinder ohne jede Aufsicht unterwegs, manche sogar ohne Schutzhelm.

Eigentlich brauche es präventiv eine Einweisung, ehe man sich auf die herausfordernden, teils wandähnlichen Hindernisse einlässt, glaubt S. Und dass im Ernstfall jemand den Notarzt ruft, müsste gleichfalls sichergestellt sein. Vorbildlich organisiert sei das Dirtbiken auf einer Anlage in Starnberg: "Die ist umzäunt und nur zu bestimmten Zeiten unter Aufsicht geöffnet."

Das Baureferat der Stadt München verweist auf seine Hinweistafeln, die am Zugang zu den Dirtbike-Strecken aufgestellt worden sind. "Mit hohem sportlichen Risiko - Benutzung auf eigene Gefahr" steht darauf, verbunden mit der Aufforderung, "geeignete Schutzausrüstung" anzulegen und "immer nur eine Person in die Dirt Jumps" zu lassen. Ferner seien trockene Bodenverhältnisse sowie "die Anwesenheit von mindestens einer zweiten Person" Voraussetzungen für das furiose Biken über die lehmigen Hürden. Aus Sicht von Peter S. reicht das nicht aus: "Es fehlt dann immer noch an einer Aufsicht mit klarer Verantwortlichkeit."

Dirtbike-Bahnen sind um einiges anspruchsvoller als andere Radl-Parcours. Die Absprunghügel ragen bis zu einer Höhe von 1,90 Metern aus dem modellierten Gelände. Da ist die sanfte Landung alles andere als selbstverständlich. Als die Sollner 1200-Quadratmeter-Piste hinterm Rodelberg vor gut zehn Jahren eröffnet wurde, wies ein Vertreter des Baureferats selbst darauf hin, wie überdurchschnittlich "spektakulär" diese sei. Zugleich erläuterte er den doppelten Nutzen solcher Anlagen: Zum einen wolle München seiner Jugend einen Wunsch erfüllen, zum anderen die Fahrrad-Trails an der Isar entlasten. 60 000 Euro investiere die Stadt in Solln. Ähnliche Einrichtungen sind unter anderem in Pasing und Moosach errichtet worden.

Grundsätzlich hält auch Peter S. die Strecken für ein tolles Angebot an die radsportbegeisterte Jugend. Sein Sohn aber hat dort erstmal Fahrverbot. "Denn die Ärzte haben gesagt, er verträgt keine weiteren Schläge auf den Kopf."

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