Süddeutsche Zeitung

Radeln rund um München:Mehr Idylle geht nicht

Die knapp 90 Kilometer lange Rennradtour ins Fünfseenland führt vorbei an verlockenden Biergärten und Badestellen - aber auch an historisch interessanten Orten.

Durchheizen oder Genussradeln? Bei dieser knapp 90 Kilometer langen Tour fällt die Entscheidung für Rennradfahrer gar nicht so leicht. Vom Münchner Westen aus führt der Ausflug ins Fünfseenland, um den Wörthsee herum, am Ammersee vorbei und quer durch den Landkreis Fürstenfeldbruck zurück. Es geht immer auf asphaltierten Straßen dahin, die Steigungen sind moderat - insgesamt geht es nicht einmal 500 Höhenmeter rauf. Die größte Herausforderung? Altbekannte Gegner eines jeden Rennradfahrers: schattige Biergärten am Wegesrand und fabelhafte Bademöglichkeiten. Ach ja: Und immer wieder der Ausblick auf Wasser und Berge - verheerend für den Schnitt! Darum vorneweg gleich die Empfehlung, die Tour doch einfach zweimal zu fahren. Einmal ambitioniert und ein anderes Mal ganz entspannt.

Los geht es im Münchner Stadtteil Untermenzing in Richtung Germering. Der Ort hat zwar eine ziemlich lange Siedlungsgeschichte - erste Spuren stammen aus der Steinzeit -, doch eine Stadt ist er erst seit 1991. Heute leben dort fast 40 000 Menschen. Nur ein paar Kilometer weiter befindet man sich gefühlt schon im Niemandsland.

Nach einem kurzen Anstieg radelt man am Schusterhäusl vorbei, einem Biergarten mit etwa 1000 Plätzen und "der wohl billigsten Mass in Bayern", wie es auf der Internetseite heißt. 6,80 Euro kostet der Liter Bier, dazu gibt es Steckerlfisch oder eine große Auswahl an deftigen Gerichten. Aber Obacht, bei zu viel Völlerei wird der Rest der Tour zäh und die nächsten Einkehrmöglichkeiten sind recht nah.

Am Schusterhäusl vorbei führt die Route weiter über die kleine Gemeinde Alling, wo es 1422 zur entscheidenden Schlacht zwischen zwei Herzögen im sogenannten Bayerischen Krieg gekommen ist. Von da macht man einen Abstecher in den Landkreis Starnberg hinein, über Gilching und Etterschlag an den Wörthsee und schließlich zum Ammersee. Die Gewässer sind Teil des Fünfseenlandes, zu dem auch der Starnberger See sowie Weßlinger und Pilsensee zählen. Bademöglichkeiten und Biergärten gibt reihenweise.

Die Tour führt am Ostufer des Ammersees entlang, durch die Gemeinde Inning hindurch und zurück in den welligen Landkreis Fürstenfeldbruck. Von Türkenfeld bis zur Kreisstadt folgt man in etwa dem Lauf der Amper, mal geht es leicht bergauf, mal ein bisschen bergab, arg ins Schwitzen kommt man durch die paar Höhenmeter nicht, die Anstrengung kommt vom Strampeln an sich. Wenn man Fürstenfeldbruck durchquert hat, geht es schon fast in den Endspurt zurück nach Untermenzing. Spätestens hier ist selbst dem ambitionierten Rennradler die Einkehr erlaubt, es gibt wenig Orte, die als Belohnung geeigneter wären als der Biergarten Inselmühle. Man kann zwar nicht auf einen See blicken, aber auf die Würm, die durch den Biergarten fließt. Viel mehr Idylle geht nicht.

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Quelle:
SZ vom 20.06.2017
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