Quint-Buchholz-Adaption Welten öffnen

In der Bühnenadaption von Quint Buchholz' Buch "Der Sammler der Augenblicke" erlebt ein Junge (Gerd Lohmeyer) magische, durch Bilder inspirierte Momente.

(Foto: Hilda Lobinger)

"Der Sammler der Augenblicke" im Metropol-Theater

Von Barbara Hordych

"Ich male nicht das, was ist, sondern das, was möglich sein könnte", beschreibt der Maler, Illustrator und Autor Quint Buchholz sein künstlerisches Credo. Nicht von ungefähr gibt es in seinen Bildern viele Fenster und geöffnete Türen. Ein Blick in die Weite, der Fragen aufwirft: Wo etwa ist der Mann hin, dessen Hut noch auf der Fensterbank liegt, der aber selbst nirgendwo zu entdecken ist? Und wohin hat es den Besitzer einer Jacke verschlagen, die wartend an einem Haken neben der geöffneten Tür hängt? Bei Hanser hat der in Ottobrunn lebende Künstler Werke bekannter Autoren wie Elke Heidenreich ("Nero Corleone") und Jostein Gaarder ("Sofies Welt") illustriert, aber auch eigene Bücher in der Doppelfunktion als Autor und Illustrator veröffentlicht. 1997 erschien sein Bilder-Buch "Der Sammler der Augenblicke", das auf der Liste der New-York-Times-Book-Review der zehn besten Bücher des Jahres stand. Im Jahr 2011 gelangte das Buch dann in einer Inszenierung des ebenfalls lange in Ottobrunn lebenden Regisseurs Jochen Schölch auf die Bühne des Metropol-Theaters. In einer Wiederaufnahme kann man den "Sammler der Augenblicke" jetzt dort erleben.

Für seine Arbeit benötigt Buchholz Abgeschiedenheit - weswegen er täglich in sein Haidhauser Atelier fährt: "Es ist schon eine zentrale Frage in dieser verrückten Welt, die uns den ganzen Tag mit ihren modernen Kommunikationsformen zududelt: Wie kann man Konzentration und Ruhe finden, wie kann ich Stille, wie kann ich Räume für mich bewahren?" Eine Frage übrigens, die nicht nur Quint, den Künstler, sondern auch Max, den Maler in "Der Sammler der Augenblicke" beschäftigt: Denn auch hier geht es um Räume. Räume, die man aufmachen kann und als Erwachsener für sich schützen muss. So öffnet der Maler Max zwar täglich einem etwas unglücklichen Jungen die Tür zu seinem Atelier. Doch er lässt ihn nie sehen, was er dort malt. Was den Jungen nicht weiter stört, genießt er doch die schmökernd auf einem roten Sessel verbrachten Stunden.

Als Max nach einem Jahr weiterzieht, hinterlässt er dem Jungen etwas Besonderes: eine Ausstellung für ihn ganz allein. Fortan versenkt sich der Junge täglich in die zurückgelassenen Bilder und spürt deren Geheimnissen nach. Was hat es etwa mit den Schneeelefanten auf sich und wohin geht die Reise der fliegenden Zirkuswagen? "Der Maler hat dem Jungen eine Welt eröffnet, die er annehmen kann oder auch nicht", sagt Buchholz. Eine Möglichkeit, die sich auch den Zuschauern bei der Wiederaufnahme der Inszenierung mit dem famosen Gerd Lohmeyer in der Rolle des Jungen bietet.

Der Sammler der Augenblicke, Sonntag., 11., um 19 Uhr, und Montag, 12. Dezember, 20 Uhr, Metropol-Theater, Floriansmühlstrasse 5 32 19 55 33 (weitere Termine: www.metropoltheater.com)