Manche Sportvereine werden gegründet, weil man halt einfach einen Platz zum Spielen braucht. Einen Ort, an dem man sein kann, wer man ist, ohne vorher erklären zu müssen, wer man ist. Team München ist so ein Verein. Im Juli 1999 als eingetragener, gemeinnütziger Verein ins Leben gerufen, zählt er heute mehr als 1000 Mitglieder und ist damit der größte queere Sportverein Bayerns.
Zudem ein Verein, dem die Stadt an einem Wochenende im Sommer gleich mehrere städtische Sporthallen zur Verfügung stellt, um ein regenbogenbuntes Sportfestival feiern zu können. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte? Ist es auch. Aber wer nur die Zahlen sieht, verpasst das Entscheidende.
Wie so vieles Gute fing alles mit einer Reise an. 1998 fuhren erstmals mehrere Münchner queere Sportgruppen gemeinsam zu den Gay Games nach Amsterdam: Bavaria Rosé (Volleyball), die Frontrunners (Laufen), die Isarhechte (Schwimmen), die Streetboys und Elfen (Fußball), der Racketclub und die Amazonen. Jede Gruppe für sich war schon eine Ansage, zusammen waren sie eine Wucht. Und sie bemerkten etwas, das sich im Nachhinein fast zwangsläufig anhört: Zusammen ist man sichtbarer. Und stärker. Zurück in München entstand der Wunsch, diese Stärke dauerhaft zu bündeln. Ein Jahr später war Team München gegründet.
Die wachsende Vernetzung queerer Sportvereine machte es möglich, dass München schon 2004 die Eurogames ausrichten konnte, rund um das Olympiagelände, mit mehr als 5000 Sportlerinnen und Sportlern. Für die Community und für die Wahrnehmung queeren Sports in der Öffentlichkeit war das ein Moment, den man nicht mehr kleinreden sollte. Heute sind mehr als 3000 Sportlerinnen und Sportler in acht LGBTIQ+-Vereinen in München organisiert. Mitten in diesem Feld steht Team München – nach wie vor der Motor, mit jenem Motto, das seit der Gründung gilt: Gemeinsam sind wir stärker.
Wer sich den Verein heute anschaut, findet mehr als 20 Sportarten im Angebot: Fußball, Tanzen, Yoga, Rugby, Volleyball, Handball, Badminton, Tischtennis – von entspanntem Freizeitsport bis zu ernsthaftem Ligabetrieb. Mehrere Mannschaften spielen in bayerischen Ligen, nicht als Kuriosum, sondern weil sie gut sind und Spaß daran haben. Dazu kommt ein dichtes Netz an Aktivitäten: eigener Truck beim Christopher Street Day München, Teilnahme am Run for Life, Klettern in Kooperation mit dem Gay Outdoor Club und das Sommersportfestival als Multi-Sport-Turnier vom 12. bis 14. Juni.
Team München ist offen für alle
Exklusiv ist dieser Verein, der sich der LGBTIQ+-Community verschrieben hat, allerdings nicht. Im Gegenteil. Steht schon so in der Satzung: Team München ist offen für alle, egal welcher sexuellen oder geschlechtlichen Identität. Der Fokus auf lesbische, schwule und transidente Sportlerinnen und Sportler ist kein Türsteher-Prinzip, sondern ein Kompass. Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Religion, Hautfarbe, Herkunft, Alter, sexueller Identität oder Behinderung hat hier keinen Platz. Dass bei allen Vereinsprozessen auch die spezifische Situation von transidenten und non-binären Personen ausdrücklich berücksichtigt wird, ist keine Bürokratensprache, sondern ein Versprechen: dass niemand das Gefühl haben soll, nur halb gesehen zu werden.
Der Sommer 2026 ist für Team München kein gewöhnlicher, und er beginnt vom 12. bis zum 14. Juni mit dem 12. Sommersportfestival nach dem Motto: Bewegung und Begegnung, mit Wettkämpfen in Badminton, Tischtennis und Volleyball, mit Workshops in Handball, Yoga und gleich zwei Tanzstilen zur Auswahl: Bachata für alle, die es rhythmisch-lateinamerikanisch mögen, und Tango Argentino für alle, die es lieber komplex und nah wollen. Dazu die als legendär geltende „Sportler:innen-Party“ am Samstagabend von 21 Uhr an in der Kranhalle im Feierwerk mit DJ Victoria Fox (Tickets zwischen sechs und zehn Euro) sowie ein gemeinsamer Brunch am Sonntag von 10 bis 15 Uhr im „Nil“ in der Hans-Sachs-Straße (Tickets 25 bis 28 Euro).
Nur zwei Wochen später geht es international weiter: Von 27. Juni bis 4. Juli finden in Valencia die 12. Gay Games statt, die größten queeren Amateur-Sportspiele der Welt, mit mehr als 9000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Für einen Verein, der seine eigene Geschichte 1998 in Amsterdam mit den Gay Games begann, ist Valencia so etwas wie eine Heimkehr zum eigenen Ursprung. Im September folgt der 6. Queer Tango Marathon München (11. bis 13. September). Und wer bereits für 2027 plant: Die Eurogames finden von 14. bis 17. Juli in Cardiff statt, zum ersten Mal überhaupt in Großbritannien. Dass München sich auch um diese Ausrichtung beworben hatte und knapp unterlag, zeigt den Ehrgeiz des Vereins – und die Wertschätzung, die er in der europäischen queeren Sportwelt genießt.
Alles begann mit einer Gemeinschaftsreise nach Amsterdam
Warum braucht es für Sport eigentlich einen eigenen Verein? Die Frage wird noch immer gestellt, und sie zeigt, wie wenig manche verstehen, was ein Verein leisten kann, wenn er nicht nur Sport anbietet, sondern Zugehörigkeit. Und wie wenig manche wahrhaben wollen, was Homophobie und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Sport noch heute bedeuten. Team München tritt explizit gegen all das an – nicht lautstark und anklagend, sondern indem es einfach da ist und zeigt, wie es auch geht.
Das Sportangebot und die Mitgliederzahl haben sich seit den Anfängen mehr als verdreifacht. Was 1999 mit einer Gemeinschaftsreise nach Amsterdam begann, ist heute eine Institution. Team München ist Sportverein und Versprechen zugleich – eines, das seit mehr als 25 Jahren eingelöst wird, Sportart für Sportart, Mitglied für Mitglied.
12. LGBTIQ+-Sommersportfestival, Freitag, 12., bis Sonntag, 14. Juni, Infos unter teammuenchen.de

