Party im Bahnwärter ThielQueere Kollektive tanzen für die Hoffnung

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Miss Taken, Lenina Marx-Hart und Fatima Hoam (von links) sind bereit für die Party.
Miss Taken, Lenina Marx-Hart und Fatima Hoam (von links) sind bereit für die Party. Tomy Whey

Die Veranstalter-Teams Tuntopia und Impuls laden ihre Gäste ein zu Techno und Schlager gegen die Ohnmacht der Gegenwart.

Von Anna Weiß

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Radikal floral wird es kommende Woche im Bahnwärter Thiel. Unter dem Motto „Floradical“ lädt das selbsternannte „Tuntenkollektiv“ Tuntopia zur vierten Ausgabe seiner Veranstaltung „Schiefe Bahn“ ein. Von 14 Uhr bis vier Uhr morgens wird eine Party gefeiert, die einen Gegenentwurf bilden soll zum Ohnmachtsgefühl, das sich bei der derzeitigen Weltlage zwischen Kriegen, Krisen und politischer Destabilisierung oft in den Alltag einschleicht.

„Die Grundidee ist eine Utopie. Wir heißen ja auch Tuntopia“, sagt Miss Taken aus dem Veranstaltungsteam von Tuntopia. Der Begriff „Tunte“ wird dabei als politischer Begriff genutzt. „Wir sind durch die Weltlage geprägt, aber es kann nicht der Ausweg sein, dass wir uns in negative Gedankten verstricken“, sagt Miss Taken und zieht einen Vergleich zu der Kriegsstimmung der 1960er-Jahre, aus der damals das Woodstock-Festival entstand. Angelehnt an die Flower-Power-Zeit ist auch das Motto „Floradical“. „Wir wollen mit Blumen und Emotionen arbeiten“, sagt Miss Taken.

14 Stunden lang dauert das Event mit Festival-Charakter, es beginnt draußen unter freiem Himmel und zieht nachts in den Club.  „Es ist immer eine super-schöne Stimmung, aber leider findet die ‚Schiefe Bahn‘ nur einmal im Jahr statt, weil die Organisation so aufwendig ist“, sagt Miss Taken. In diesem Jahr kooperiert Tuntopia erstmals mit dem Impuls-Kollektiv aus München, das ebenfalls in der queer-feministischen Szene und intersektional aktiv ist. Dazu gehört etwa DJ Burningmaze, der sich Oldschool-Techno verschrieben hat und an einer Vernetzung der Szenelandschaft arbeitet. Dafür hat er das „Techno ist bunt“ ins Leben gerufen; unter dem Motto vernetzen sich Kollektive für ein besseres Miteinander.

„Das Impuls-Kollektiv steuert ein Großteil der DJs bei“, sagt Miss Taken. Das Line-up ist vielfältig besetzt. Aus Berlin reist DJ Baerbel an, die in ihren Sets mit Hingabe verschiedene Techno-Spielarten miteinander kombiniert. Außer in den Szene-Clubs im deutschsprachigen Raum legt DJ Baerbel auch auf Festivals auf, diesen Sommer erstmals auf dem renommierten „Fusion“. Auch lokale DJs spielen, etwa Yuste aus München. „Wir haben acht DJs, die Techno auflegen werden: groovigem Techno im Open Air mit Melodic und House. Später im Club gibt es Ambient Live und Peak Time Techno und ganz am Ende noch Psy Trance“, zählt Miss Taken die Clubbing-Bandbreite auf.

Eine Jukebox liefert Schlager-Chansons

Doch in der Ankündigung der „Schiefen Bahn“ wird auch dezidiert von Schlager gesprochen. In der alten Bahn auf dem Gelände wird in floraler Dekoration ein Skelett namens Lady Die stehen. „Dort können die Gäste an der Jukebox alte Schlager-Chansons von Hildegard Knef bis Nana Mouskouri auswählen“, sagt Miss Taken. „Wir als Tuntenkollektiv sind eher für Schangeligkeiten zuständig“, sagt Miss Taken.

Tuntopia hat für 22 Uhr eine Show in der Bahn geplant. „Wir haben Tunten und Menschen aus ganz Deutschland eingeladen, die dort Showeinlagen vorführen“, sagt Miss Taken. So steht die „Schiefe Bahn“ für eine breite Palette an Tanz- und Gesprächsmöglichkeiten. Die Utopie von einem sicheren Ort, an dem Menschen sich ausprobieren können, wird durch weitere Angebote ergänzt. Im „Fummelfundus“ können Outfits anprobiert werden, zudem gibt es eine Aktion namens „Glory Nails“: Dabei kann die Hand durch ein Loch in der Wand gesteckt werden, auf der anderen Seite sitzt eine Person, die eine ausgefallene Maniküre vornimmt.

Schiefe Bahn 4, Donnerstag, 4. Juni, Bahnwärter Thiel, Tumblingerstraße 45, 14 bis 4 Uhr

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