Pumuckl-Filmpremiere„Jeder trägt doch immer einen kleinen Kobold in sich“

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Bestens aufgelegt: Kabarettist Maxi Schafroth (links) und Florian Brückner bei der Premiere.
Bestens aufgelegt: Kabarettist Maxi Schafroth (links) und Florian Brückner bei der Premiere. Stephan Rumpf

Die Filmcrew um Marcus H. Rosenmüller und Florian Brückner trifft bei der Pumuckl-Premiere auf 1500 meist halbwüchsige und gänzlich unbestechliche Filmkritiker. Deren Urteil ist eindeutig.

Von Philipp Crone

Die drei Hauptdarsteller gehen den Tag des ultimativen Urteils über ihr Werk ganz unterschiedlich an. Denn in einer halben Stunde werden die schärfsten Kritiker, die ein Film haben kann, Platz nehmen: Kinder. Der Regisseur ist angespannt, auch wenn Marcus H. Rosenmüller längst über Dutzende rote Teppiche gelaufen ist der Premieren eigener Filme. Der Hauptdarsteller hingegen kommt immer mit einer derartigen Wonne zu offiziellen Terminen wie dieser Pumuckl-Premiere am Sonntagnachmittag im Mathäser-Kino, dass man ihm einfach unbedingt so sehr glauben will, wie man dem Pumuckl misstraut. Der wiederum, Hauptdarsteller Nummer drei, ist natürlich nicht und natürlich doch da, wie es sich für eine Weltpremiere des ersten Pumuckl-Kinofilms gehört. Im Grunde ist er an jeder Ecke im Einsatz.

Die sichtbaren Stars sprechen zunächst einmal, wie bei Premieren üblich, in teilweise sehr gut sichtbare, weil knallfarbene Mikrofone. Rosenmüller etwa sagt über die vielen halbwüchsigen Premierenbesucher unter den 1500 Gästen am Sonntag: „Kinder sind unbestechlich, da braucht man nicht auf die Kritiken warten, ich werde sofort hören, ob die den Film gut finden.“ Darum sei es beim Dreh des in Bayern mindestens legendären rothaarigen Kobolds gegangen: Wie reagieren Kinder auf die Szenen. „Ich hätte mir in vielen Momenten Drehzeit sparen können.“

Produzent Korbinian Dufter, Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson und Regisseur Marcus H. Rosenmüller (von links).
Produzent Korbinian Dufter, Pumuckl-Zeichnerin Barbara von Johnson und Regisseur Marcus H. Rosenmüller (von links). Stephan Rumpf
Gisela Schneeberger.
Gisela Schneeberger. Stephan Rumpf

Zum Beispiel in einer Szene, in der Ferdinand Hofer, der Antagonist, eingesperrt ist. Bei einem Erwachsenenfilm käme da vielleicht ein harter Schnitt zur nächsten Szene. Bei diesem Zielpublikum kommt: Hofer will aus dem Bauwagen raus, in dem er eingeschlossen ist, kracht mit der Türe nach draußen und landet im Dreck. „Dafür braucht man dann Spezialeffekte, einen Stuntman und einen Schauspieler, der einverstanden ist, kopfüber in einen Misthaufen zu fallen.“ Und die Überzeugung, dass so ein Moment das junge Publikum zum Lachen bringt. Wann glaubt Rosenmüller daran, dass auch dieser Film funktioniert? „Spätestens, wenn dem Publikum die Szene am Badeweiher gefällt.“

Bis dahin sind es aber noch ein paar Minuten. Florian Brückner wiederum, der wieder den Eder spielt, wird an diesem Nachmittag zunächst von sehr vielen kleinen Besuchern nach seinem Kompagnon gefragt, an den bunten Mikrofonen sagt er: „Ich habe den Film noch nicht gesehen und freue mich, den jetzt mit der ganzen Mannschaft anzuschauen.“

Wie üblich, ist ein Premierenabend vor dem Filmstart auch ein Austausch von gegenseitig ausgesprochener Anerkennung. Brückner spricht von einer Riesenleistung, dass es beim Dreh geklappt habe, einen Kinofilm und eine Staffel parallel aufzunehmen, „am Morgen eine Szene aus Folge drei, dann eine aus dem Kinofilm und anschließend eine aus Folge eins.“ Brückner wiederum wird von allen wieder als geniale Bestbesetzung des neuen Meister Eder, also dem Neffen vom Altmeister, gepriesen.

Das alles ist den allermeisten Premierenbesuchern natürlich ziemlich egal, die warten auf den Auftritt des Pumuckl. Und Rosenmüller auf die Reaktionen. Wobei die Lacher schon gleich zum Start zu hören sind. Helles Kinderkichern hier, knalliges Erwachsenenlachen da. Und dann wird es laut bei den Slapstick-Momenten am Badeweiher. Hier kommen offenbar alle auf ihre Kosten, und die Kinder nicht nur wegen des Popcorns, das auf allen Sitzen ausliegt. Maxi Schafroth, Kabarettist und im Film Sprecher des Pumuckl, sagt es vorab auf dem Teppich sehr schön, was an diesem Nachmittag zu spüren ist: „Jeder trägt doch immer einen kleinen Kobold in sich.“

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