Puch Open Air Mehr Ritual als Festival

Der Baum kommt nach München: In diesem Jahr gibt es das "Puch Open Air" auch im Winter - in den Kammerspielen und im Orangehouse.

Von Dirk Wagner

Es hat schon was von einer Kinderbuchillustration, dieses Plakat des Münchner Künstlers Senor Burns alias Bernd Hofmann mit der Aufschrift: "Puch goes to town": Ein Traktor transportiert einen Baum nach München. Der Baum ist wohl das legendäre Puch-Festival, das seit 20 Jahren fast jeden Sommer in der Nähe von Petershausen stattfindet. Ihn nun nach München zu schleppen, klingt zunächst einmal so sinnvoll, als würde man das Passauer Pfingstopenair heuer in der Olympiahalle feiern, nur weil Markus Söder es wegen der Lärmbelästigung am eigentlichen Ort verbieten wollte.

Das Plakat von Senor Burns.

(Foto: Foto: oh)

Immerhin definiert sich das Puchfestival nicht über eine bestimmte Musikrichtung, sondern über den grünen Hügel, von wo aus man in ein natürliches Theatron blickt, und über Apfelbäume, in deren Schatten die Konzertbesucher ihre Picknickdecken ausbreiten. Wie Sommerfrischler goutieren sie das Puchfestival als modernen Landausflug. Wer das einmal miterlebt hat, weiß: Puch ist kein Festival, sondern ein Ritual.

Ob dieses heute auch im Neuen Haus der Kammerspiele (am Donnerstag 21 Uhr, Falckenbergstraße 1) funktioniert, bleibt abzuwarten. Immerhin tritt hier neben Hummmel, Apparat Hase, Thomas Meinecke und DJ Thomas Lechner auch die Band auf, mit der das Puchfestival dereinst begann: Animal Crakers.

Seit mehr als 15 Jahren gibt es diese Band nicht mehr. Weil aber mit ihr alles begann, durfte sie auf der Kompilation zu "20 Jahre Puch" nicht fehlen. Erschienen ist sie beim Münchner Label Red Can Records, dessen Betreiber Bernd Hofmann das Album-Cover wieder zum Forum seiner Kunst erklärte. Die liebevolle Gestaltung und die auf CD vereinten Bands sorgten für einen raschen Verkauf der ersten Auflage. Also entschloss man sich zur zweiten Auflage, für die das zweitägige Winterfestival "Puch goes to town" eine kleine Rückversicherung sein soll, so Veranstalter Lenz Lehmair.

Das Festival nun aber als reine Verkaufsveranstaltung zu tadeln, hieße, das hochwertige Programm zu übersehen, das theatergerecht in zwei Akten aufgeteilt ist. Der zweite Akt hätte in der Feinspeiserei am Leonrodplatz spielen sollen, die bis vor kurzem der Inbegriff des Münchner Undergrounds war und - sollten die Kammerspiele für eine subventionierte Hochkultur stehen - als nichtsubventionierte Rockbühne einen optimalen Gegenpol zum Donnerstag geboten hätte.

Leider wurde die Feinspeiserei aus Sicherheitsgründen vom Baureferat geschlossen, so dass das Festival am Samstag mit Diska, Candelilla, Monostars und L'egojazz ins Orangehouse (20 Uhr, Hansastraße 39) ausweichen muss.

Dabei hätte Matthias Günther, Dramaturg der Kammerspiele, gar nichts dagegen gehabt, wenn das Festival mehrere Tage in seinem Haus stattgefunden hätte. Immerhin sei die Popkultur für das Theater ein wichtiges Referenzsystem, so Günther, der dabei sowohl auf Inszenierungen Stefan Puchers verweist als auch auf das Theaterschaffen von Schorsch Kamerun, der wieder Ergebnisse seiner Theaterarbeit in die Musik der Band Die Goldenen Zitronen einfließen lässt. "Eine zahme Gans wird nie eine Wildgans, wohl aber kann eine Wildgans eine zahme Gans werden."

Mit diesem Zitat von Kierkegaard kommentierte 2006 der Münchner Autor Matthias Hirth das Zusammenspiel von Subkultur und Kammerspielen in der Kunstzeitschrift Flur. Günther weist solche Kritik von sich. Es sei doch schön, wenn sich ein Stadttheater auch anderen städtischen Kulturen öffne. Die Diskussion um die Subvention sei dagegen eine umfangreichere, hier würde er aber erst einmal das subventionierte Fernsehprogramm in Frage stellen, sagt er.