„Psychedelic Porn Funk“-PartysRettungsversuch für die Subkultur

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„Hodo Gaia“ ist eine Band, die durch die „Psychedelic Porn Funk“-Partys entstand. Mit dabei ist Veranstalter Veit Oberrauch, Aiko Blumer und Jan Weissenfeld, besser bekannt als JJ Whitefield.
„Hodo Gaia“ ist eine Band, die durch die „Psychedelic Porn Funk“-Partys entstand. Mit dabei ist Veranstalter Veit Oberrauch, Aiko Blumer und Jan Weissenfeld, besser bekannt als JJ Whitefield. (Foto: Enid Valu)

Seit 2017 sind die „Psychedelic Porn Funk“-Partys eine Institution in der Münchner Subkultur. Nun braucht die Reihe finanzielle Unterstützung, um weiter bestehen zu können.

Von Anna Weiß

Acht Jahre ist es her, dass psychedelische Musik in München wieder auflebte und in seinen verschiedensten Spielarten ein neues Zuhause fand. Die „Psychedelic Porn Funk“-Partys sind inspiriert von den Sounds der Sechziger- und Siebzigerjahre. Veranstalter Veit Oberrauch und seine Mitstreiter erschufen mit der Party- und Konzertreihe etwas Neues in München, das Aufsehen erregte.

Gefeierte internationale Gruppen wie Kikagaku Moyo aus Japan oder Sugar Candy Mountain aus Kalifornien, lokale Bands wie Embryo oder Karaba, spielten auf den Bühnen des Import Export oder des Strom, später kamen weitere Spielstätten dazu. Neben dem Sound prägten die Lichtinstallationen von „Kreuzer Lichtmaschine“ die Partys, die beiden Künstler warfen mit Overheadprojektoren und allerlei Flüssigkeiten analoge Lichtspiele an die Wände und tauchten die Konzerträume in psychedelische Muster. Und danach: Party mit Newcomer-DJs oder etablierte Szenegrößen wie Booty Carell. Was sie einte, waren die Sounds aus aller Welt und eine Vorliebe für Vinyl.

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Doch ob die „Psychedelic Porn Funk“-Partys weitergehen können, ist derzeit unklar. Wie viele kleinere oder freie Veranstalter steht Oberrauch vor dem Problem, dass Kosten auf allen Ebenen explodieren und Ticketpreise erhöht werden müssen. Das ist gerade für die Subkultur schwierig, die davon lebt, dass Ticketpreise für Menschen aus verschiedenen Alters- und Einkommensgruppen bezahlbar bleiben. Nun hofft Oberrauch auf die Hilfe seiner Community.

Deshalb findet am Freitag im Import Export eine Clubnacht mit Konzerten statt, die „Psychedelic Porn Funk Fundraiser“-Party. Dafür werden keine Tickets verkauft, der Eintritt ist auf Spendenbasis, zudem gibt es die Möglichkeit, online über eine Plattform zu spenden. Vom Line-up geht es am Freitag zurück zu den Wurzeln der „Psychedelic Porn Funk“-Partys. Erst spielen die Bands Karaba und Mount Hush, danach legen unter anderem die Resident-DJs Thur Deephrey, Seducation und Aicohol auf.

Seit Jahren mit dabei ist Thur Deephrey. Der DJ stammt aus der Ukraine und vereint in seinen Sets Klänge aus verschiedenen Epochen und den unterschiedlichsten Teilen der Welt. Anadolu Rock, anatolischer Psychedelic Rock aus den Siebzigerjahren, sampelt elektronische Sounds und vereint sie zu überraschenden, einnehmenden Sets. Neben Clubs bespielt er auch Festivals, etwa auf dem Monticule in Frankreich oder der renommierten Fusion bei Berlin.

Er arbeitete auch mit Jan Weissenfeld, besser bekannt als JJ Whitefield, zusammen. Der Musiker wurde in den Neunzigern mit der Band Poets of Ryhthm weltbekannt und legte als DJs auf „Psychedelic Porn Funk“-Partys auf. Eine Zeit lang spielte er bei „Hodo Gaia“ mit, der Band von Veit Oberrauch und Musikerin Aiko Blumer. Das ist die Partyreihe auch: ein Ort, an dem sich Musikbegeisterte austauschen, neue Projekte entstehen.

Das Besondere am Publikum bei den Konzerten und Partys ist seine Heterogenität: Junge Leute tanzen neben älteren Musikfans, die Embryo seit mehreren Generationen hören. Aber es ändert sich etwas: „Wenn Tickets immer teurer werden, haben gerade Jüngere nicht die Möglichkeit, einfach mal was auszuprobieren“, sagt Oberrauch. Als Veranstalter ist er eigentlich auf Förderungen angewiesen, derzeit hat er keine in Aussicht. Auch dafür organisiert er die Spenden-Party. Die Kürzungen im Kulturetat der Stadt München beobachtet er mit Sorge. „Kultur ist so wichtig für unsere Demokratie“, sagt er, „rausgehen, neue Leute kennenlernen, die Musik anderer Kulturen.“

Psychedelic Porn Funk Fundraiser, Freitag, 12. Dezember, 19.30 Uhr, Import Export, Schwere-Reiter-Straße 2h

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