Prozessauftakt in MünchenBrutale Attacke wegen angeblicher Ehrverletzung

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Mehr als zehn Jahre nach einem versuchten Mord steht einer der mutmaßlichen Täter nun vor Gericht.
Mehr als zehn Jahre nach einem versuchten Mord steht einer der mutmaßlichen Täter nun vor Gericht. Sven Hoppe/dpa

Ein Busfahrer soll vor mehr als zehn Jahren mit mehreren Komplizen einen Wirt in Obergiesing vor seiner Wohnung niedergeschlagen haben. Doch der heute 34-Jährige steht erst jetzt vor Gericht.

Von Andreas Salch

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Angeblich waren sie getrieben von Rache und wollten die verletzte Ehre eines aus Ostanatolien stammenden Mannes und seiner Familie wiederherstellen. Mindestens sechs Männer aus dem Umfeld dieser Familie sollen laut den Ermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft in der Nacht des 4. Februar 2015 den Inhaber eines Lokals in der Maxvorstadt vor dessen Wohnung in Obergiesing mit Baseballschlägern und Holzstöcken brutal zusammengeschlagen haben.

Im März 2016 hatten sich drei Männer für die Tat vor einem Schwurgericht am Landgericht München I verantworten müssen. Das Verfahren endete mit einem Freispruch. Die beiden anderen Angeklagten hingegen wurden wegen versuchten Mordes zu elf beziehungsweise elfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Nun, zehn Jahre später, muss sich ein weiterer mutmaßlicher Täter von damals vor einem Schwurgericht am Landgericht München I verantworten. Bei dem Angeklagten handelt es sich um Tolga M. Er wurde nach der Attacke auf den Lokalinhaber mit einem europäischen Haftbefehl gesucht. Im Sommer vergangenen Jahres wurde er in der Türkei festgenommen. Zuletzt arbeitete der inzwischen 34-jährige Familienvater aus der Türkei als Busfahrer in Georgien. Auch gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Tolga M. machte zum Auftakt der Verhandlung keine Angaben zu den Vorwürfen.

Der 34-Jährige ist der Neffe des Mannes, der vor zehn Jahren freigesprochen wurde. Zwischen dem damals 51-Jährigen und dem Lokalinhaber aus der Maxvorstadt war es im Januar 2015 in einem Café zum Streit gekommen. Grund dafür sollen abfällige Bemerkungen gewesen sein, die der Lokalinhaber über einen Bekannten von Tolga M.s Onkel gemacht haben soll. Der Streit endete in einer handfesten Prügelei, bei der sich die beiden Männer einander erheblich verletzten. Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft fühlten sich Tolga M.s Onkel und dessen Familie durch den Vorfall in ihrer Ehre verletzt und wollten Vergeltung üben.

Spätestens am Vormittag des 4. Februar 2015 sollen sich die zwei bereits wegen versuchten Mordes verurteilten Männer sowie der jetzt angeklagte Tolga M. und mindestens drei weitere noch unbekannte Täter dazu entschlossen haben, Rache zu üben. Gegen 23 Uhr an jenem Tag sollen sie dem Lokalinhaber dann vor seiner Wohnung in Obergiesing aufgelauert haben. Der damals 41-Jährige hatte sich mit einem Taxi nach Hause fahren lassen.

Als es weggefahren war, sollen vier der mindestens sechs Täter, unter ihnen laut Anklage auch Tolga M., ihr Opfer eingekesselt und ohne Vorwarnung und aus kurzer Distanz mit Baseballschlägern und Holzstöcken niedergeschlagen und mit mindestens 17 wuchtigen Faustschlägen und Fußtritten traktiert haben. Der 41-Jährige erlitt unter anderem ein offenes schweres Schädel-Hirn-Trauma, einen Schädeldachbruch und eine Verletzung des Gehirns. Er blieb blutüberströmt am Boden liegen und leidet bis heute an den Folgen der Attacke. Der Anklage zufolge beträgt sein Behinderungsgrad 37 Prozent.

Ein Urteil in dem Prozess wird für Mitte August erwartet.

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