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Prozess um Hund in Mietwohnung:Richterin auf Schmusekurs

Chihuahua "Sissi" ist verspielt und busselt gern - das findet zumindest eine Münchner Richterin. Deshalb muss ein Vermieter den Hund nun in seinem Haus dulden.

"Sissi" ist klein und total verschmust. Das junge Chihuahua-Mädchen hat die Herzen einer Münchner Mutter und ihrer beiden Söhne im Sturm erobert. Aber der Hausherr befürchtet "mögliche Gefahren" für die kleinen Kinder der anderen Familien im Haus und will das Tier in seinem Anwesen nicht dulden. Die Besitzerin des vierbeinigen Winzlings ging deshalb vor Gericht: Dieser Hund sei doch bloß ein "Kleintier" und deshalb laut Mietvertrag auch ohne Zustimmung des Vermieters erlaubt. Mit dieser eigenwilligen Auslegung der Vertragsklausel kam die Frau zwar nicht durch - aber behalten darf sie "Sissi" trotzdem.

Extrem klein, aber trotzdem kein "Kleintier": der Chihuahua.

(Foto: AFP)

Die Familie lebt in einer 72 Quadratmeter großen Wohnung in einem oberen Stockwerk. Mehr als zehn Mietparteien wohnen in diesem Haus. Einige haben kleine Kinder oder Babys, deren Buggys im Hausflur stehen. Um diese sorgt sich der Eigentümer: "Für das Verhalten von Sissi ist keine verlässliche Prognose möglich", erklärte er vor Gericht. Auch seien die Wohnverhältnisse für eine Hundehaltung zu beengt. "Und andere Mieter haben sich dagegen ausgesprochen", behauptete er.

Die Mutter widersprach in der Verhandlung: "Kein Nachbar, den ich gefragt habe, hatte Einwände." Außerdem habe ihr ein Kinderpsychologe dazu geraten, den kleinen Hund in die Familie aufzunehmen - deshalb sei es für sie so wichtig, dass "Sissi" bleiben dürfe.

Die Amtsrichterin urteilte schließlich zugunsten des Hundes. "Natürlich ist auch ein Chihuahua kein Kleintier", stellte sie fest. Aber in diesem Einzelfall habe die Mieterin trotzdem Anspruch auf die Zustimmung des Vermieters. "Sissi ist ein verspielter und verschmuster Hund, der gerne busselt", meinte die Richterin. Sie gehe daher davon aus, dass von diesem "lieben Tier" keine Störung des Hausfriedens oder gar Gefahren für die Mitbewohner ausgehen. Es sei gerichtsbekannt, dass Chihuahuas "grundsätzlich nicht gefährlich sind".

Und da die Mutter den Hund tagsüber mit in die Arbeit nehmen werde, bestehe auch keine Gefahr, dass "Sissi" längere Zeit bellt oder jault. Außerdem überwiege das Interesse an der Hundehaltung, weil das Tier aus ärztlicher Sicht wichtig für die Kinder sei. Das Urteil (431 C 6288/11) ist rechtskräftig.