Prozess um Fotos aus Nachtclub "Wenn meine Mutter so ein Bild in die Hände bekäme"

Prostituierte in einem Nachtclub.

Prostituierte und Freier im Whirlpool, beim Champagner trinken und "bei der Arbeit": Die Bardame eines Münchner Nachtclubs macht Fotos im Bordell - zum Teil in recht unpassenden Momenten. Dagegen haben die Prostituierten nun geklagt.

Von Christian Rost

Auf beängstigend hohen Stöckelschuhen schreitet eine Dame nach der anderen am Donnerstag in den Saal 123 des Münchner Amtsgerichts, und alle Zeuginnen geben sich schwer entrüstet über die Zustände in einem Moosacher Nachtclub mit angeschlossenem Stundenhotel. Die drei Frauen waren dort 2012 als Prostituierte tätig. Während ihrer Arbeit wurden sie von einer Kollegin, die normalerweise hinter der Bar stand, fotografiert.

Die Aufnahmen zeigen die blonden und dunkelhaarigen Frauen zusammen mit ihren Kunden in den Arbeitszimmern oder im hauseigenen Whirlpool, alle sind nackt, Champagnerflaschen stehen herum. Doch nicht etwa die Freier haben sich über die kompromittierende Fotografiererei in dem Etablissement beschwert und schließlich Anzeige erstattet. Sondern die Prostituierten fühlten sich durch die "unbefugten Bildaufnahmen in ihrem höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt" und meldeten die Sache der Münchner Staatsanwaltschaft.

Es folgte eine Durchsuchung des Clubs, bei der tatsächlich intime Fotos auf dem Chip einer Digitalkamera gefunden wurden. Gegen die ehemalige Bardame Daniela H., 48, sowie den 56-jährigen Manfred H. wurde Anklage erhoben. Den Mann nannten alle "Chef" in dem Laden, offiziell war er dort als Hausmeister angestellt. Mit Daniela H. soll er vereinbart haben, dass regelmäßig Fotos von Freiern geschossen wurden. Damit konnte angeblich später, wenn es eventuell zum Streit über die Rechnung kam, ein Beweis vom Besuch der Männer im Club erbracht werden.

Spaßfaktor und Rechnung sollen steigen

Die beiden Angeklagten stritten ab, dass ohne das Wissen und die Einwilligung der Prostituierten fotografiert wurde. Die Zeuginnen beharrten unterdessen auf ihrer Darstellung, wonach sie bei der Arbeit nicht fotografiert werden wollten. Es soll auch noch andere seltsame Gepflogenheiten in dem Amüsierbetrieb gegeben haben: So seien den Freiern im Club Getränke und Dienstleistungen förmlich aufgedrängt worden, berichteten die Zeuginnen.

Sobald beispielsweise ein Mädchen mit einem Kunden im Zimmer zugange gewesen sei, schilderte eine der Frauen, seien gleich weitere Mädchen "nachgeschickt" worden, um Spaßfaktor und Rechnung zu erhöhen. Schließlich wurde noch ungefragt Champagner in die Zimmer gebracht. Für die Rechnung sollten dann die Bilder als Beleg dienen.

"Ich war perplex", sagte Monique

Eine der Zeuginnen, die tatsächlich Monique heißt, fand die angebliche Abzocke unmöglich. "Den Job" macht sie eigenen Angaben zufolge schon seit 13 Jahren in verschiedenen Nachtclubs. Aber so etwas sei ihr noch nie untergekommen. Noch als sie zusammen mit anderen Kolleginnen mit einem englischen Gast zusammen im Bett gelegen habe, sei plötzlich die Tür aufgegangen und Daniela H. habe von allen ein Foto geschossen. "Ich war perplex", sagte Monique. Auch ihre beiden Kolleginnen bestätigten das so und versicherten, die Aufnahmen seien nicht abgesprochen gewesen. "Wenn meine Mutter so ein Bild in die Hände bekäme, na danke", sagte eine der Zeuginnen.

Die drei Damen arbeiten mittlerweile alle in einem anderen Nachtclub, der gar nicht weit weg liegt von ihrem ehemaligen Arbeitsplatz. Der Verteidiger von Manfred H., der sich längst verbittert aus dem Milieu verabschiedet hat, wies eigens darauf hin, dass die Zeuginnen heute weiter dem gleichen Job nachgingen. Bei der ganzen Sache gehe es letztlich also nur darum, der Konkurrenz eins auszuwischen, betonte der Anwalt und forderte für Manfred H. einen Freispruch. Die Verteidigerin von Daniela H. schloss sich dieser Sichtweise an.

An den Fotos konnte das Gericht aber nicht vorbei. Richter Josef Bonkamp hegte jedenfalls keinen Zweifel daran, dass Freier und Prostituierte gegen ihren Willen abgelichtet wurden. Die Angeklagten wurden - wie vom Staatsanwalt beantragt - wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen schuldig gesprochen. Manfred H. muss als ehemals Verantwortlicher in dem Club 3600 Euro Geldstrafe, Daniela H. 3150 Euro zahlen.