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Prozess um Doppelmord von Krailling:Ein detailliertes Profil

Anschließend zeichnet der Gutachter Henning Saß ein detailliertes Profil von dem Angeklagten. Dem Gutachten zufolge sei seine Kindheit normal verlaufen, Thomas S. wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er war kein besonders guter Schüler, aber 1982 hat er schließlich - nach einigen Verzögerungen - seinen Realschulabschluss gemacht, später sogar das Fachabitur.

Der Gutachter berichtet, dass Thoma S. drei Semester Informatik an der TU München studierte, doch mit dem Stoff kam er nicht zurecht, weswegen er das Studium abbrach. Nachdem ein eigener Laden mit billigen Teppichen in der Münchner Leonrodstraße auch nicht ordentlich lief, heuerte er bei der Post als Briefträger an.

Dann erzählt Saß noch zwei Episoden über den Tatverdächtigen, die einen Einblick in die Persönlichkeit des Angeklagten geben. Einmal beschloss Thomas S. nach Griechenland auszuwandern. Er fand die Kultur interessant, wollte weg von zu Hause, sagte er dem Gutachter. Ohne jemandem von seinen Vorhaben zu erzählen, fuhr er am 1. April 1980 los. Doch bereits einen Tag später, am 2. April, beschloss er, wieder umzukehren. Thomas S. hatte erst ein paar Tage davor ein Mädchen kennengelernt, das ihn interessierte. Er fuhr also zurück zu der Frau und zog - wieder einen Tag später, am 3. April - bei ihr ein. Die Freundin wurde später seine erste Ehefrau und Mutter seiner ersten beiden Kinder.

Die zweite Episode: Um zu verhindern, dass er bei der Bundeswehr eingezogen wird, beschloss Thomas S., eine depressive Störung vorzutäuschen. In Büchern las er sich an, welche Symptome bei einer Depression auftreten - und imitierte daraufhin das Krankheitsbild. Er aß nichts mehr, trank nur noch Tee und schauspielerte so lange, bis er einen Arzt fand, der ihm ein Attest für die Ausmusterung schrieb.

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