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Prozess um Doppelmord von Krailling:Die Spur Nummer 12

Bislang schweigt der Mann, doch viel spricht gegen ihn: Thomas S. soll seine beiden kleinen Nichten brutal getötet haben und steht in München vor Gericht. Nun belasten Blutflecken den Angeklagten im Mordfall Krailling.

Rot steht für das Blut von Sharon, pink für das ihrer kleinen Schwester Chiara. "Blutspurenverlaufsgutachten" nennt Gerichtsmediziner Juri Adamek ganz nüchtern das, was er da mitgebracht hat. Es handelt sich um einen Grundriss der Wohnung, in der die beiden Mädchen starben. Adamek hat den Grundriss an diesem Montagvormittag an die Wand im Gerichtssaal in München projiziert. Er ist mit zahlreichen farbigen Kreisen versehen. Neben den roten und pinken Kreisen ist ein auch ein grüner Kreis zu sehen - er steht für eine verdächtige Blutspur des Angeklagten.

Prozess um Doppelmord von Krailling fortgesetzt

Thomas S. soll seine Nichten brutal getötet haben, bislang schweigt er vor Gericht.

(Foto: dapd)

Im Landgericht München II wird an diesem Montag erneut der Tod von Chiara, acht Jahre alt, und Sharon, elf, verhandelt. In der Nacht auf den 24. März 2011 starben sie in der Wohnung in Krailling. Seit Ende Januar steht ihr Onkel vor Gericht. Er soll die Mädchen heimtückisch und aus Habgier - laut Anklage hatte er es auch auf deren Mutter abgesehen - getötet haben.

Bunt und ein wenig chaotisch wirkt die Familienwohnung auf den Fotos, die der Gerichtsmediziner zusätzlich mitgebracht hat. Auf den ersten Blick sieht man nicht, dass es sich hier um einen Tatort handelt. Doch Adamek hat die Wohnung in Krailling genau untersucht, hat mit einer speziellen Flüssigkeit auch die Blutspuren wieder sichtbar gemacht, die nicht mehr zu sehen waren. Anhand der Spuren kann er nun sogar sagen, dass hier wohl der Täter versucht hat, Blut wegzuwischen. Die Anklage wirft dem Angeklagten vor, er habe die Spuren seiner Bluttat beseitigen wollen.

Drei Stunden dauert der Vortrag des Gerichtsmediziners. Tausende Blutspuren hat er am Tatort gefunden. Tausende Spuren, die ein Bild davon vermitteln, wie brutal dieser Doppelmord wirklich war. Adamek schließt aus ihnen etwa, dass Chiara im Kinderzimmer überwältigt wurde - obwohl ihre Leiche später im Schlafzimmer der Mutter einen Stock höher gefunden wurde. Der Täter muss sie dorthin gebracht haben. Die Anklage geht davon aus, dass Thomas S. seine Schwägerin dorthin locken wollte, um sie zu überwältigen.

Dann zeigt Adamek ein Foto des Blutspritzers in der Küche, den er eindeutig Thomas S. zuordnen konnte. Der Spur Nummer 12.

Der Angeklagte hatte bei einer Vernehmung gesagt, die Spur könne von einem Nasenbluten bei einem seiner Besuche stammen. Allerdings war er laut Aussage der Mutter seit Jahren nicht mehr in der Wohnung. Im Gerichtssaal folgt Thomas S. schweigend den Ausführungen des Gerichtsmediziners, wendet den Blick von den Fotos nur ab, um sich etwas zu notieren - er schaut auch dann nicht weg, wenn andere im Zuschauerraum vor Entsetzen längst zu Boden blicken müssen.

Blutspuren im Auto des Angeklagten

Über das Alter der Spur Nummer 12 kann Adamek keine Aussage machen, allerdings hält er es für extrem unwahrscheinlich, dass sie von einem Nasenbluten stammt. "Das ist definitiv etwas, dass man bei einem Nasenbluten nicht erwartet", sagt er. Die Spritzer hätten sonst vertikaler, weniger dynamisch, verlaufen müssen.

Bereits am Freitag hatten Mediziner von frischen Wunden des Angeklagten bei seiner Verhaftung berichtet - die Wunden könnten von einem Kampf mit den Kindern stammen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich die beiden Geschwister heftig gegen ihren Mörder wehrten. Der älteren Schwester sei es dabei gelungen, ihn an der Nase zu verletzen.

Auch bei der Untersuchung des Autos des Angeklagten mit Lumisol wurden dort Blutspuren entdeckt. Doch die Blutflecken sind nicht die einzige Spur, die darauf hindeutet, dass Thomas S. der Täter ist. Auch zahlreiche DNA-Spuren wurden am Tatort gefunden - 154 Treffer weisen auf den Angeklagten hin.

Fingerabdrücke des Angeklagten waren zudem in der Küche, im Schlafzimmer und an der Batterie einer Taschenlampe gefunden worden, die auf dem Bett im Schlafzimmer lag. Dort, wo auch die kleine Chiara gefunden wurde. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

© Süddeutsche.de/bica/holz

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