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Prozess:Prostituierte späht Freier aus - ihre Freunde brechen bei ihm ein

  • Einer Prostituierten und einem Einbrecher-Trio wird schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen, weil sie in die Wohnung eines Pizzeria-Bertreibers eingebrochen sind.
  • Das Opfer hatte die Prostituierte zuvor mit in seine Wohnung genommen - woraufhin die 26-Jährige ihrem Freund vom dortigen Tresor erzählte.
  • Als der "Kopf" der Bande einen Kollegen in den geplanten Einbruch einweiht, geht der zur Polizei - die Diebe werden auf frischer Tat ertappt.

"Ich bin studierte Hochschullehrerin, habe Philosophie studiert, ich war in Großbritannien an der Metropolitan University, ich habe auch unterrichtet. Zuletzt war ich Prostituierte." Mit klarer Stimme und in nahezu fehlerfreiem Deutsch zählt die Rumänin Maria-Alexandra P. die beruflichen Stationen ihres bisherigen Lebens auf. Dann bricht sie ab und Tränen laufen der 26-Jährigen über die noch fast kindlich pausbäckigen Wangen.

Ihr wird vorgeworfen, nach einer Nacht in der Wohnung eines Freiers ihrem Lebensgefährten sowie seinen zwei Kumpels einen Tipp gegeben zu haben, dass in der Wohnung des Mannes "etwas zu holen" sei. Allerdings bekam auch die Polizei einen Tipp und sah dem Trio quasi beim Einbruch zu. Jetzt sitzen die Männer sowie Maria-Alexandra P. wegen schweren Bandendiebstahls auf der Anklagebank.

Massimiliano A. ( Name geändert) hat den Schock noch nicht verdaut. Zehn Monate ist es her, dass in seinem Ein-Zimmer-Appartement an der Heinrich-Wieland-Straße eingebrochen wurde, "ein gutes Gefühl habe ich in der Wohnung nicht mehr", sagt er vor Gericht. Das Ungemach begann an einer für Männer eher vergnüglichen Stätte: in einem Laufhaus am Stahlgruberring. Dort genehmigte sich der 33-Jährige an einem Juni-Abend etliche Biere, als ihn Maria-Alexandra P., genannt Gigi, angesprochen habe. "Ich und meine Schwester kommen gerne zu dir nach Hause", soll sie gesagt haben.

Und Massimiliano A. zahlte für zwei angebliche Schwestern und zwei Flaschen Schampus 800 Euro und nahm die Mädchen mit nach Hause. Dort, erzählt der Pizzeria-Betreiber, habe er noch etwa 1000 Euro Bargeld aus den Einnahmen der vergangenen Tage in der Hose gehabt, und sie in seiner Wohnung auf den Tisch gelegt. Vom Bett aus sei auch ein kleiner Tresor gut sichtbar gewesen, in dem sich etwa 23 000 Euro befunden hätten. "Ich bin eingeschlafen", sagt A. Als er erwachte, waren die Mädchen weg und mit ihnen die 1000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Rumänin vor, dass sie ihrem Freund von dem Tresor erzählt und ihn eventuell sogar zu dem Einbruch ein paar Tage später angestiftet hat. Im Prozess bleibt die 26-Jährige stumm und die drei Männer neben ihr erzählen Geschichten, die Richter Matthias Enzler zuweilen die Stimmlautstärke nach oben treiben lassen. Mircea C., der 28-jährige Lebensgefährte von Gigi, etwa erzählt, er sei eifersüchtig gewesen, weil seine Freundin bei dem Mann zu Hause gewesen sei. Er habe ihm eins auswischen wollen. Und zufällig hatten sein Schwager Angelin-Daniel A., der gerade mit seinem Kumpel Mihail S. von Rumänien nach Italien reisen wollte, eine Autopanne. Also habe Mircea C. die beiden in der Nähe von Budapest abgeholt und nach München gebracht.

"Blödsinn", entfährt es dem Richter. "München liegt jetzt nicht auf dem Weg nach Italien." Zufällig seien alle Handys der Männer kaputt gewesen, sodass man sich neue Prepaid-Karten besorgen musste. Und "ganz spontan" und "aus großer Geldnot und Verzweiflung" heraus habe man beschlossen, bei dem italienischen Gastwirt einzubrechen.

Allerdings wollte Mircea C. sich von einem Kollegen ein Auto für die Aktion leihen, und dem wurde die Sache zu heiß: Er informierte die Polizei. Und so kam es, dass Beamte am 2. Juli bereits auf der Lauer lagen, als das Trio zur Tat schritt. An jenem Abend lief das EM-Spiel Deutschland gegen Italien, und die Einbrecher konnte sicher sein, dass der Gastwirt nicht zu Hause war. Angelin-Daniel A. stand Schmiere, Mircea C. saß im Fluchtwagen und Mihail S. brach ein. Als er mit dem kleinen Tresorwürfel unterm Arm aus der Wohnung kam, griff die Polizei zu. Massimiliano A. erzählte bei der Polizei von dem Besuch der Prostituierten und konnte Maria-Alexandra P. auf einem Foto identifizieren. "Es war quasi eine Straftat unter polizeilicher Überwachung", kritisierte einer der Anwälte. Der ermittelnde Beamte im Zeugenstand erklärte, er dürfe zu verdeckten Maßnahmen keine Angaben machen.

Nach Absprache der Prozessbeteiligten wurden bei Geständnissen dem Schmieresteher sowie Mihail S. Haftstrafen von gut zwei Jahren in Aussicht gestellt, dem "Kopf" der Bande, Mircea C., drei Jahre, und seiner Freundin eine Haftstrafe von eineinhalb bis zwei Jahren auf Bewährung. Der Prozess dauert an.

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