Prozess Großvater soll Enkelin über Jahre missbraucht haben

  • Momcilo M. steht vor dem Landgericht München I, weil er seine Enkeltochter im Kindes- und Jugendalter vergewaltigt haben soll.
  • Zudem soll der 51-Jährige das Mädchen mehrfach mit einer Holzlatte verprügelt, sie schwer verletzt und ihr die Haare abgeschoren haben.
  • Sexuelle Misshandlungen streitet er ab, die körperlichen Übergriffe versucht er zu rechtfertigen.
Von Susi Wimmer

Momcilo M. schlägt theatralisch die Hände vor das Gesicht und heult auf. "Sie hatte im Dorf mit einem verheirateten Mann Sex", schluchzt er und meint mit "sie" seine damals 13-jährige Enkelin. Er weint, senkt den Kopf, will nicht darüber reden und sagt, "es ist mir peinlich". Die Vorsitzende Richterin Sigrun Broßardt entgegnet trocken: "Das, was Ihnen vorgeworfen wird, ist auch peinlich."

Der 51-jährige Momcilo M. steht vor dem Landgericht München I, weil er seine Enkeltochter im Kindes- und Jugendalter vergewaltigt haben soll. Zudem soll er das Mädchen mehrfach mit einer Holzlatte verprügelt, sie schwer verletzt und ihr die Haare abgeschoren haben. Die körperlichen Übergriffe rechtfertigt der Mann mit "ich war sauer", sexuelle Misshandlungen streitet er ab.

Vor Gericht in München "Er ist halt pervers"
Prozess gegen mutmaßlichen Kinderschänder

"Er ist halt pervers"

So beschreibt sein eigener Bruder im Gerichtssaal den 67-jährigen Angeklagten. Dem Mann wird vorgeworfen, thailändische Kinder missbraucht zu haben.   Aus dem Gericht von Susi Wimmer

"Diese Kinder, verehrtes Gericht, habe ich aufgenommen, um sie zu behüten", so beginnt die Einlassung des Anklagten. Den ganzen Vormittag über nimmt sich die 20. Strafkammer Zeit, den wortreichen Reden des gebürtigen Serben zu folgen. Der korpulente Mann mit Bart und schütterem Haar erzählt von seinen Wohltaten, dass er und seine Ehefrau die drei Kinder seines Sohnes bei sich aufgenommen hätten, "weil die Mutter sie verlassen hat". Er sei immer für die Kinder da gewesen, auch bei Problemen. So wie Momcilo M., verteidigt von Roland Autenrieth, die Familiengeschichte schildert, ist davon auszugehen, dass Rosa (Name geändert) im Alter von etwa sieben Jahren mit ihren Geschwistern zunächst zu Opa und Oma nach Innsbruck zog. Keines der Kinder sah jemals eine Schule von innen, da sie sich illegal in Österreich aufhielten. Erst nach vier Jahren klopfte das Jugendamt an die Türe und Momcilo M. flüchtete mit den Kindern in sein Heimatdorf nach Serbien.

Dort war er alleine mit Rosa und deren jüngeren Geschwistern. Er soll Rosa auf seiner Schlafcouch in der Wohnküche erstmals missbraucht haben, kurz nach ihrem 13. Geburtstag. Sie sollte ihm den Kopf massieren, er müsse mit ihr reden, mit diesen Worten soll er sie laut Anklageschrift abends auf die Couch gelockt haben. "Ja", räumt Momcilo M. ein, "sie hat mir öfter den Kopf massiert, aber immer am Tag". Erst als durch Rosas Weinen ihr kleiner Bruder wach wurde, soll Momcilo M. von dem Kind abgelassen haben.

Nur wenige Tage später, so wirft Staatsanwältin Melanie Rochner dem Angeklagten vor, soll er das Kind erneut zur Couch befohlen haben, "wenn die Geschwister eingeschlafen sind". Aus Angst vor Schlägen soll Rosa gehorcht haben. Er soll das Mädchen missbraucht, vergewaltigt und geschlagen haben, wenn sie zu weinen begann. Später, als Rosa 15 Jahre alt war und bei ihrer Tante in München lebte, soll er sie erneut vergewaltigt und bedroht haben.

Glaubt man den Worten von Momcilo M., so habe Rosa ihm viel "angetan". Sie sei ausgegangen, habe sich mit Männern getroffen, sogar mit verheirateten, und habe ihm "Schande gemacht". Eines nachts, Rosa war 13 Jahre alt und soll sich zu einem Nachbarsmädchen geschlichen haben, war Momcilo M. so erbost, dass er zu Hause mit einem Kochlöffel auf das Kind einschlug und als dieser abbrach ("der Löffel war schon alt") zu einer Holzlatte griff. Anschließend schnitt er ihr die Haare ab. Rosa, so die Anklage, soll aufgrund der Misshandlungen in der Nacht mehrfach ohnmächtig geworden sein. Das Gericht hat Röntgenaufnahmen angefordert, es steht der Vorwurf ihm Raum, dass der Opa seiner Enkelin den Arm gebrochen hatte.

Erst als Rosa zu ihrem Vater und dessen neuer Frau nach Karlsruhe zog, vertraute sie sich jemandem an. Stephanie Vogt, die Rosa vertritt, erklärte, dass ihre Mandantin dem Prozess fern bleiben werde. Aufgrund der Taten, so die Anklage, leidet die heute 18 Jahre alte Rosa unter dem zwanghaften Drang, sich ständig zu waschen. Ein Urteil soll Mitte Juli fallen.