Prozess 25-Jähriger tritt Betrunkenem ins Gesicht

  • Adolf R. steht wegen versuchten Mordes vor Gericht.
  • Er soll einem betrunkenen Mann, der vor einem Bordell kauerte, ins Gesicht getreten haben.
  • Der 25-jährige Angeklagte muss möglicherweise in die Psychiatrie.
Von Andreas Salch

Irgendwann muss das Leben von Adolf R. aus der Bahn geraten sein. Wann das war, weiß bislang niemand. Gut möglich, dass Adolf R. in den nächsten Jahren in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Darüber zu entscheiden haben wird die 2. Strafkammer am Landgericht München I, wo an diesem Donnerstag der Prozess gegen den Einzelhandelskaufmann begann. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Obwohl bereits 25, lebte Adolf R. bis zu seiner Festnahme noch bei seinen Eltern. Seine Schulzeit verlief unauffällig, bis auf gelegentliche Hänseleien wegen seines Vornamens. Von 2013 bis 2014 machte er mehrmals "Partyurlaub" mit Freunden in Thailand. Dort habe er Drogen konsumiert. Kokain, Ecstasy, Crystal Meth. Außerdem habe er ständig "gekifft", so R. Zuletzt arbeitete er in einem Beate-Uhse-Shop und machte bis vor nicht allzu langer Zeit regelmäßig Kampfsport. Freunde von Adolf R. sagen, im Frühsommer vergangenen Jahres habe er von sich behauptet, er sei der "Messias" und dass Jesus seine "Gedanken hören" könne.

Was passiert sein soll

In den frühen Morgenstunden des 13. Juni vorigen Jahres schlug und trat der Angeklagte vor einem Münchner Bordell in der Ingolstädter Straße einen Gast brutal zusammen. Warum? Das könne er "heute nicht mehr nachvollziehen", heißt es in einer Erklärung, die R.s Verteidigerin, Rechtsanwältin Birgit Schwerdt, zum Auftakt des Prozesses verlas.

Am Tag vor der Tat habe sich der 25-Jährige nachmittags mit Freunden am Karlsfelder See getroffen. Er soll mehrere Bier getrunken und Kokain geraucht haben. Gegen 1 Uhr am Morgen des 13. Juni seien er und vier Bekannte in das Bordell. Dort habe er weiter getrunken. Gegen 7 Uhr habe er das Etablissement verlassen müssen. Vor dem Eingang kauerte Jannis F. (Name von der Red. geändert) betrunken auf dem Boden. Die beiden hatten zuvor noch nie in ihrem Leben etwas miteinander zu tun gehabt. Adolf R. schlug sofort zu.

Es könne sein, dass er provoziert wurde, so R. Aber sicher sei er sich da nicht. Vielleicht habe er sich das auch "nur eingebildet", heißt es in der Erklärung, die Rechtsanwältin Schwerdt verliest. Jedenfalls soll "irgendetwas" in dem 25-Jährigen "explodiert" sein. Ein Sicherheitsmann war nach den ersten Schlägen dazwischen gegangen und hatte versucht, R. zur Seite zu schieben.

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"Du bist cool, aber der andere verdient es nicht zu leben in dieser Welt", sagte R. zu dem Sicherheitsmann, drehte sich zur Seite und trat laut Anklage "mit dem linken Fuß wuchtig" in das Gesicht von Jannis F. Der 27-Jährige wurde bewusstlos. Doch Adolf R. ließ nicht von ihm ab. Er trat ihm mit dem rechten Bein gegen das Schlüsselbein. "Es tut mir von Herzen leid, dass ich Jannis F. so schwer verletzt habe", heißt es am Ende der Erklärung.

Als Richter Norbert Riedmann von Adolf R. wissen will, wie das gemeint gewesen sei, als er zu Jannis F. sagte, dieser habe es nicht verdient in dieser Welt zu leben, erwiderte der Angeklagte: "Das Opfer war ein Spinner. Ich war nicht drauf' aus, einen Menschen zu verletzen." Und der Tritt ins Gesicht, fragte der Vorsitzende. Adolf R. gab hierauf keine Antwort. Einem psychiatrischer Sachverständiger, der wissen will, ob er glaube, dass er sich behandeln lassen solle, antwortete R.: "Ich denke, für mich selbst macht das keinen Sinn." Der Prozess wird fortgesetzt.