Prozess 38-Jährige schubst Mann vor U-Bahn und muss in die Psychiatrie

Die U-Bahn kam an der Station Westfriedhof gerade noch rechtzeitig vor dem auf den Gleisen liegenden Mann zum Stehen.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Im April 2017 hat Csilla H. einen Unternehmensberater im U-Bahnhof Westfriedhof vor einen einfahrenden Zug gestoßen.
  • Die U-Bahn kam kurz vor dem Mann zum Stehen.
  • Das Landgericht München I hat die 38-Jährige zur zeitlich unbefristeten Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verurteilt.
Von Andreas Salch

Es hätte jeden treffen können: Csilla H. hatte sich ihre Opfer willkürlich ausgesucht. Am Abend des 26. April vergangenen Jahres schubste sie im U-Bahnhof Westfriedhof einen Unternehmensberater mit beiden Händen von hinten ins Gleis - gerade als die U 1 einfuhr. Der Zug kam nur etwa drei Meter vor dem 59-Jährigen zum Stehen. Er erlitt bei dem Sturz lediglich eine Platzwunde am Auge und einige Prellungen. Csilla H. litt zum Zeitpunkt der Tat laut Ärzten unter einer paranoiden Schizophrenie und war völlig betrunken. Sie hatte eine Blutalkoholkonzentration von knapp 1,8 Promille.

Am Montag verurteilten die Richter der 2. Strafkammer am Landgericht München I Csilla H. zur zeitlich unbefristeten Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik. Nach der Tat hatte die 38-Jährige einem Arzt auf die Frage, warum sie einen Mann ins Gleis geschubst habe, geantwortet: "Weil ich Lust darauf hatte, und jetzt will ich schlafen." Danach habe sie sich laut Aussage einer Polizistin eine Decke über den Kopf gezogen. Sie habe den Eindruck gehabt, die 38-Jährige sei "in ihrer eigenen Welt", sagte die Beamtin bei ihrer Zeugenvernehmung.

Vor dem beinahe tödlichen Schubser hatte Csilla H. im U-Bahnhof Gern bereits versucht, eine Innenarchitektin ins Gleis zu zerren. Doch die junge Frau wehrte sich heftig und schlug der Angreiferin mit ihrem Regenschirm auf den Kopf, worauf diese von ihr abließ. Kurze Zeit später trat Cislla H. einer Rentnerin, die ihr in der U 1 gegenüber saß, gegen das Schienbein und lachte.

Dass der Unternehmensberater, den sie im U-Bahnhof Westfriedhof ins Gleis schubste, überlebt hat, ist nur der Aufmerksamkeit des U-Bahnfahrers Thomas W. zu verdanken. Ihm war Cislla H. an jenem 26. April 2016 nämlich aufgefallen. Etwa eine Stunde vor dem Vorfall hatte er sie aus dem Zug entfernen lassen. Da er das "Gefühl" gehabt habe, es könnte noch etwas passieren, so Thomas W. vor Gericht, sei er nicht wie sonst mit 65, sondern nur mit knapp 50 Kilometern in der Stunde in den Bahnhof gefahren. Als er sah, wie Cislla H. den Unternehmensberater schubste, machte er eine Schnellbremsung. Die U-Bahn kam gerade noch rechtzeitig vor dem auf den Gleisen liegenden 59-jährigen Opfer zum Stehen. Wenn der Zug nicht rechtzeitig angehalten hätte, wäre ich "mittig überrollt" worden, sagte der Unternehmensberater später einem Kriminalpolizisten.

Laut einer psychiatrischen Sachverständigen sind von Csilla H. in unbehandeltem Zustand weitere erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten. Nach den Attacken in der U-Bahn wurde sie im Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen an der Vils einstweilig untergebracht. Die Beschuldigte, so die Forensikern, nehme zwar ihre Medikamente, zeige aber noch "keine ausreichende Krankheitseinsicht"

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