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Prozess in München:Übergriff auf eine Domina

  • Über ein Internetportal bestellt sich ein 48-Jähriger an zwei aufeinanderfolgenden Tagen Hobbyprostituierte in seine Wohnung.
  • Beide Frauen werfen ihm nun vor, sie sexuell genötigt oder es zumindest heftigst versucht haben.
  • Der Angeklagte weist das zurück - spricht vor Gericht aber ungeniert über seine sexuellen Vorlieben.

Von Christian Rost

Irgendwie passt es nicht zusammen, dass Wolfgang W. - eine zwar große, aber auch sehr behäbige Erscheinung mit deutlich bayerisch eingefärbtem Zungenschlag - so ungeniert über seine sexuellen Vorlieben spricht. Der gebürtige Landshuter könnte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft München I einfach pauschal abstreiten, aber nein: Er geht ausführlich und detailliert auf die Sache ein. Über ein Internetportal hatte sich der 48-Jährige auf zwei aufeinanderfolgenden Tagen Hobbyprostituierte in seine Wohnung bestellt. Beide Frauen soll er laut Anklage sexuell genötigt oder es zumindest heftigst versucht haben. W. weist das zurück.

Seit den Vorfällen am 8. und 9. April 2014 in seiner Mansardenwohnung in Laim sitzt Wolfgang W. in Untersuchungshaft. Das liegt einerseits an den Anschuldigungen, die die Frauen gegen ihn erheben, aber auch an seinen einschlägigen Vorstrafen. Wobei sein Unrechtsbewusstsein nicht sonderlich ausgeprägt ist: "Muss ich immer Pech haben? Muss ich immer an solche Frauen kommen?", fragt er in Richtung der 12. Strafkammer am Landgericht München I, wo ihm seit Montag der Prozess gemacht wird.

Die Frau flüchtete sich ins Bad und rief die Polizei

Laut Anklage hatte er sich im ersten Fall eine Frau in sein Appartement bestellt, die nur französisch und englisch sprach, während sich die Fremdsprachenkenntnisse des Niederbayern auf "ein paar Brocken" beschränken. Man verstand sich also nicht, der Mann glaubte aber offenbar, dass der Zweck des Treffens ohnehin unmissverständlich war. Die Frau machte aber selbst nach einigen Gläsern Wodka keine Anstalten, sich auszuziehen oder sonst etwas zu tun, was seinen Erwartungen entsprach, und so verlor W. die Geduld. Wie der Staatsanwalt ausführte, griff sich der Angeklagte unvermittelt ein Messer und bedrohte die Prostituierte: "Ich bin hier der Chef", soll er sie angeherrscht und gezwungen haben, sich die Bluse auszuziehen. Auch er entkleidete sich, konnte aber nicht verhindern, dass die Besucherin einen günstigen Moment ausnutzte und sich ins Bad der Wohnung flüchtete. Sie sperrte ab und rief mit ihrem Mobiltelefon die Polizei.

Als sie wenig später mehrere Beamte aus der Wohnung eskortierten, hyperventilierte die Frau panisch und musste in ein Krankenhaus gebracht werden. Für den Angeklagten hatte sich das Geschehen indes völlig anders abgespielt: "Die hat 145 Euro von mir genommen und sich dann im Klo versteckt", sagte er immer noch erbost darüber, dass ihn die Prostituierte "abgezockt" habe. Bedroht habe er sie sicher nicht, schon gar nicht mit einem Messer, beteuerte er.

Steaks und Tiramisu für die Domina

Trotz dieser unerfreulichen Erfahrung mit käuflichem Sex hatte er bereits am folgenden Tag schon wieder Lust. Am 9. April 2014 traf er sich mit einer Frau, die tagsüber in der Altenpflege arbeitet und sich in ihrer Freizeit als Domina etwas hinzuverdient. Die beiden kannten sich schon länger, sie hatten bereits zwei Vorgespräche für eine professionelle Domina-Behandlung geführt.

Beim dritten Treffen kochte Wolfgang W. nun sogar groß auf für ein Abendessen mit der Frau - es gab Steaks und danach Tiramisu. Und als der Mann dann noch eine "extra Nachspeise" von ihr wollte, begann die mit reichlich Wein und Erdbeerlimes bediente Besucherin zunächst auch lustlos, ihn zu befriedigen. Nach wenigen Minuten hatte sie aber gar keine Lust mehr und ließ von ihm ab, weshalb sie W. laut Anklage packte und in den Würgegriff nahm. Er soll sie auf sein Bett verfrachtet und sich mit seinen 140 Kilogramm auf sie gelegt haben.

Per Kurznachricht schickte er eine Entschuldigung

Etwa zehn Minuten lang leistete die Hobbydomina vehement Gegenwehr; schließlich konnte sie sich aus ihrer erdrückenden Lage befreien und aus der Wohnung flüchten. W. schickte ihr noch eine Kurznachricht aufs Handy, worin er sich für die versuchte Vergewaltigung entschuldigte.

Vor Gericht meinte er, zu der brutalen Situation auf dem Bett sei es gar nicht gekommen. Die Frau sei plötzlich aufgesprungen und davongelaufen. "Ich weiß auch nicht, was die hatte", sagte W. Der Prozess wird fortgesetzt.

© SZ vom 24.02.2015/tau
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