Prozess in München Ex-Mitglied der Hells Angels wegen versuchten Totschlags vor Gericht

  • Ein ehemaliges Hells-Angels-Mitglied muss sich wegen versuchten Totschlags und vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten.
  • Er soll einem Betrunkenen in den Bauch gestochen haben, weil dieser in der Nähe seines Autos urinieren wollte.
  • Außerdem soll er einen anderen alkoholisierten Mann niedergeboxt haben, weil dieser ihn versehentlich angerempelt hatte.
Von Susi Wimmer

Man soll Menschen ja nicht nach ihrem Äußeren beurteilen und Vorurteile hegen. Wenn Lothar H. den Gerichtssaal betritt, zuckt man aber unweigerlich doch zusammen. Über die linke Stirn- und Gesichtshälfte des hünenhaften Mannes ist in fetten Lettern "Hells Angels" tätowiert, an den Schläfen prangen Totenköpfe mit Motorradhelm und Flügel, dem Emblem der Rockergang. Und in der bunt tätowierten rechten Hand trägt der 54-Jährige ein Plastiksäckchen mit zwei in Butterbrotpapier eingewickelten belegten Broten, einem Apfel und einer Safttüte. Das mit den Vorurteilen ist wirklich so eine Sache.

Ein munteres Picknick wird das für den momentan Gang-losen H. vor dem Landgericht München I allerdings nicht. Der Mann ist angeklagt wegen versuchten Totschlags und in einem zweiten Fall wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Im Juni 2016 soll Lothar H. einen Betrunkenen, der ihn vor dem Schillercafé versehentlich angerempelt hatte, so niedergeboxt haben, dass dieser in ein Bierglas am Cafétisch fiel und sich eine Schnittwunde an der Schläfe zuzog.

Vier Monate später der nächste Vorfall, wieder im Bereich der Schillerstraße, wo die Rockerszene sich gerne in einer bestimmten Tabledance-Bar aufhält. Lothar H. war in jener Nacht auf den 31. Oktober mit zwei Frauen unterwegs, die er gegen 3 Uhr früh in seinen Wagen steigen ließ, der an der Schillerstraße geparkt war. Zur gleichen Zeit kam eine Gruppe junger Männer vorbei, die laut Anklageschrift erkennbar alkoholisiert waren. Einer von ihnen ging zu einem Absperrgitter, an dem H.s Wagen geparkt war, und wollte gegen das Gitter urinieren.

Einem verbalen Streit soll ein Gerangel gefolgt sein, H. soll ein Messer aus der Tasche gezogen und dem Kontrahenten zweimal in den Bauch gestochen haben. Der 32 Jahre alte Mann überlebte dank einer Notoperation. Nach der Auseinandersetzung soll Lothar H. vergebens nach seinem Autoschlüssel gesucht haben, den er im Gerangel verloren hatte, er und seine Begleiterinnen flüchteten schließlich zu Fuß. Einen Tag später stellte er sich in Begleitung seines Anwalts der Polizei. Er räumte die Auseinandersetzung ein, die Messerstiche jedoch nicht.

Der Prozessauftakt gestaltete sich kurz. Nach Verlesung der Anklage ließ H. über seine Anwälte verlauten, dass er sich momentan weder zur Person noch zur Sache äußere. Dann verschwand er nebst Brotzeit aus dem Saal.

Besser informiert - mit SZ München