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Prozess:Hebamme klagte gegen Klinik

Weil nur Regina K. die Möglichkeit hatte, der Schwangeren dieses Mittel zu geben, wurde die Hebamme vom Dienst freigestellt. Sie klagte dagegen vor dem Arbeitsgericht und schloss schließlich einen Vergleich mit der Klinik, die ihr ein Zeugnis mit der Note "gut" ausstellen und sich zum Schweigen verpflichten musste.

Der Chefarzt der Gynäkologie informierte dennoch die Hebammenaufsicht des Main-Taunus-Kreises, die aber nichts weiter unternahm, weil K. nach München gezogen war.

Im Juli 2012 trat sie eine Stelle bei der Geburtshilfe des Klinikums Großhadern an. Als der Chefarzt aus Bad Soden dies erfuhr, informierte er auch seine Münchner Kollegen in einem Brief über seinen Verdacht gegen Regina K. Ende September 2012 wurde sie deshalb zu einem Personalgespräch gebeten, in dem sie die Vorwürfe bestritt. Sie werde aber unter besondere Beobachtung gestellt, wurde ihr mitgeteilt.

In der Folge kam es bis Juni 2014 in Großhadern dennoch in vier Fällen zu lebensbedrohlichen Situationen im Kreißsaal. Erst danach erstattete die Klinik Anzeige. Wieder soll Regina K. Infusionen Heparin beigemischt haben. Auch hier waren Notoperationen erforderlich. Zwei Patientinnen musste die Gebärmutter entfernt werden.

Alle betroffenen Frauen erlitten schwere Traumata

Alle betroffenen Frauen und zum Teil auch deren Männer erlitten aufgrund der dramatischen Kaiserschnittgeburten schwere Traumata. Einige Betroffene sind nach wie vor in Therapie. Eine der Frauen nimmt als Nebenklägerin an dem Prozess teil. Als sie die Anklage hört, bricht sie in Tränen aus.

Über das Tatmotiv kann auch die Staatsanwaltschaft nur spekulieren. In der Anklage heißt es, Regina K. sei unzufrieden gewesen, weil ihre Arbeitszeit in Großhadern halbiert worden sei. Zuvor war K. wegen Rücken- und Hüftproblemen mehrere Monate krank geschrieben.

"Zur Aufwertung ihres Selbstwertgefühls und zur insgeheimen Demonstration einer Überlegenheit", so Staatsanwältin Selzam, habe sich die Angeklagte schon 2011 in Bad Soden zu den Manipulationen bei Entbindungen entschlossen. In Großhadern sei sie dann in dieses Verhaltensmuster zurückgefallen.

Der Prozess wird am 5. Februar fortgesetzt. Bereits an diesem Mittwoch beginnt ein anderes Verfahren: Regina K. klagt vor dem Münchner Arbeitsgericht gegen ihre Kündigung in Großhadern.

© SZ vom 27.01.2016/dit

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