Prozess Hebamme soll Frauen bei der Entbindung Blutverdünner verabreicht haben

Prozeß gegen Hebamme wegen neunfachen Mordversuchs.

(Foto: dpa)
  • Eine Hebamme soll Frauen bei Kaiserschnitt-Geburten Blutverdünner gegeben haben.
  • Die Patientinnen überlebten nur knapp. Jetzt steht die Frau wegen mehrfachen Mordversuches vor Gericht.
Von Christian Rost

Eine Hebamme muss sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes an Hochschwangeren vor dem Münchner Schwurgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat neun Fälle angeklagt, wovon zwei bereits eingestellt wurden, weil die Beweislage zu dünn war.

Die 34-jährige Regina K. soll in einem Krankenhaus im hessischen Bad Soden und später im Klinikum Großhadern Schwangeren heimlich Medikamente verabreicht haben, die sie in Lebensgefahr brachten. Die Münchner Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob es auch an einer früheren Arbeitsstelle der Frau an einer Klinik in Kiel zu ähnlichen Vorfällen gekommen ist.

Regina K. ist eine unscheinbare Person mit kinnlangen braunen Haaren, blassem Teint und randloser Brille. Ihre Prüfung zur Hebamme hat sie 2004 in Kiel als eine der Klassenbesten abgeschlossen. Als sie in den Gerichtssaal geführt wird, stellt sie sich an der Seite ihrer Anwälte Christoph Kühn und Daniela Rose minutenlang stoisch dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Angeklagte äußerte sich nicht zu den Vorwürfen

Die Verteidiger schicken voraus, dass sich ihre Mandantin weder zu den Vorwürfen noch zu ihrer Vita äußern wird. Und so bestätigt die Frau dem Vorsitzenden Richter Michael Höhne ihre Personalien auch nur mit einem knappen "korrekt".

Regungslos hört sich Regina K. an, was ihr Staatsanwältin Nicole Selzam vorwirft. Die Hebamme habe 2011 und 2012 während ihrer Tätigkeit in der Klinik Bad Soden zwei Schwangeren kurz vor dem Kaiserschnitt den Blutverdünner Heparin verabreicht. Sie soll das Mittel unbemerkt Infusionslösungen beigemischt haben.

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Vier Mütter und ihre Neugeborenen kämpften um ihr Leben: Eine Hebamme soll im Münchner Klinikum Großhadern vier Frauen im Kreißsaal ein blutverdünnendes Medikament in hoher Dosis verabreicht haben. Nun ermittelt die Mordkommission.

Während der Eingriffe verloren die Frauen infolge der Gerinnungsstörungen erhebliche Mengen an Blut. Die Ärzte versuchten, die Blutungen in mehreren Operationen zu stoppen, was glücklicherweise auch gelang. Eine Patientin bekam 44 Bluttransfusionen, ohne die sie nicht überlebt hätte.

Einer 30-jährigen Patientin hat K. der Anklage zufolge während einer routinemäßigen Untersuchung eine Cytotec-Tablette vaginal eingeführt, die zu einem Schwangerschaftsabbruch führt. Bei der Betroffenen setzten starke Wehen ein, woraufhin ein Not-Kaiserschnitt veranlasst wurde. Bei der Untersuchung der Frau fand ein Arzt noch Reste der Tablette.