Prozess gegen Wiesnwirt:Schampus, Bier und ein Fitnesstrainer

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Staatsanwältin Andrea Wagner verlas den sieben Seiten umfassenden Anklagesatz. Darin werden Krätz schwarze Kassen sowohl im Hippodrom als auch im Andechser am Dom vorgeworfen. Im Wiesnzelt, so räumte er ein, wurde an der Champagnerbar ein Großteil der Flaschen unter der Hand verkauft. Nur 50 Prozent des tatsächlichen Umsatzes tauchte in den Büchern auf.

Ebenfalls an der Steuer vorbei ließ er von der Betriebsleiterin in seinem Innenstadtlokal 10-Liter- und 15-Liter-Fässer an Schankkellner weiterreichen, die das Bier im Freischank in den Arkaden verkauften. So sparte sich Krätz im Hippodrom 988.000 Euro und im Andechser am Dom etwa 125.000 Euro an Steuern. Als Lappalie erscheint im Vergleich dazu ein weiterer Vorwurf der Anklage: Krätz beschäftigte einen privaten Fitnesstrainer, den er über sein Lokal abrechnete.

Der Angeklagte übernahm die Verantwortung für die 33 Fälle von Steuerhinterziehung, er sei "ein bisserl leichtsinnig geworden", das tue ihm "sehr leid". Der 59-Jährige betonte aber, dass er sich nie mit Zahlen in seinen Betrieben beschäftigt habe, dafür seien Mitarbeiter zuständig. Mit 13 Jahren habe er eine Metzgerlehre begonnen, sagte Krätz, für den kaufmännischen Bereich habe er keine Ausbildung. Deshalb habe er sich im Hippodrom und im Andechser darauf beschränkt, "nah am Gast zu sein".

Belastung durch die "Barprinzessin"

Zeugen hatten bei den Ermittlungen gegen den Wirt dessen Rolle etwas anders beschrieben. So sagte eine Frau, die als "Barprinzessin" im Hippodrom gearbeitet hat, sie habe Abrechnungen direkt an den Chef weitergereicht. Offen blieb am ersten Prozesstag noch die Höhe der Geldstrafe. Krätz' Anwälte konnten sein Einkommen, nach dem sich die Strafe bemisst, "auf die Schnelle" nicht ausrechnen, wie sie sagten.

Der Angeklagte selbst gab an, mit dem Hippodrom auf der Wiesn jährlich vor Steuern zwei Millionen Euro verdient zu haben. Von seinen beiden Lokalen, der Waldwirtschaft und dem Andechser, beziehe er ein monatliches Gehalt von 11 000 Euro brutto. Was seine Immobilien abwerfen - ein Wohn- und Geschäftshaus in Starnberg sowie weitere Liegenschaften in Ostdeutschland - konnte er nicht beziffern. Er wusste nur soviel: "Steuerlich kommt ein Minus heraus." Seinen Gewinn aus den gastronomischen Aktivitäten will Krätz in den vergangenen Jahren vollständig in eine Zucht von Wagyu-Rindern auf dem elterlichen Bauernhof bei Augsburg gesteckt haben.

Zu Krätz' Zukunftschancen auf der Wiesn hielt sich der Sprecher der Wiesnwirte, Toni Roiderer, eher bedeckt. "Das muss die Stadt beurteilen", sagte er. "Ich kann nur bestätigen, das Sepp Krätz ein hervorragender Wiesnwirt ist. Ich würde mir wünschen, dass er Wiesnwirt bleibt." Krätz habe dem Oktoberfest gutgetan, das Hippodrom in Schwung gebracht. Und es sei bemerkenswert, welchen Stempel Krätz dem Frühlingsfest aufgesetzt habe. "Mir tät's leid", sagte Roiderer. "Weil er ein guter Mann ist." Was er privat mache oder ob er Steuern hinterziehe, gehe ihn nichts an. Der Prozess wird fortgesetzt.

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