Süddeutsche Zeitung

Prozess gegen Hotelangestellten:Perverser Windelfetisch

Er erregt sich an Jungen, die Windeln tragen: Damit ein Rezeptionist eines Münchner Hotels seinen Sex-Fetisch ausleben kann, bietet er Jugendlichen viel Geld. Nun steht der 28-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs in 16 Fällen vor Gericht.

Von Christian Rost

Thomas H. ist Windelfetischist, er lebt dies auf exzessive Weise aus und missbraucht dabei Kinder und Jugendliche. Seit Montag muss er sich wegen sexuellen Missbrauchs in 16 Fällen und weiterer elf Versuche vor der 20. Strafkammer am Landgericht München I verantworten. Zum Prozessauftakt gab er zu, sich in München zehn männliche Opfer im Alter von 13 bis 18 Jahren in ein Münchner Hotel bestellt zu haben, um ihnen gegen Bezahlung Windeln anzulegen.

Der Angeklagte ist 28 Jahre alt, korpulent und trägt Vollbart. Mit flinken Seitenblicken sucht er den Zuhörerbereich des Gerichtssaals nach Reaktionen zu dem ab, was Staatsanwalt Georg Decker vorliest. Doch die Prozessbeobachter sind einfach nur sprachlos ob der Vorwürfe der Anklage. Demnach trat H. nur deshalb einen Job als Rezeptionist in einem Münchner Hotel an, um dort seinen Fetisch heimlich ausleben zu können. Über eine Knastbekanntschaft - der Angeklagte ist erstmals 2005 in Rosenheim wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden und saß in der Folge auch in Haft - kam er in Kontakt mit einem 17-jährigen Münchner.

Im Juni 2012 traf sich H. mit dem Jugendlichen an der U-Bahnstation in der Messestadt. Er bot ihm Geld dafür, wenn er sich "zu Testzwecken" eine Windel anlegen ließe. Der junge Mann wollte sich nicht für die perversen Spielchen zur Verfügung stehen, erzählte aber im Freundeskreis von H.s seltsamen Vorlieben. Angelockt von ihrer Neugier und der Aussicht auf bis zu 100 Euro, die H. den Windelträgern jeweils versprach, meldete sich schließlich eine ganze Reihe Buben und junger Männer bei dem Rezeptionisten im Hotel. Seine Opfer empfing er in verschiedenen Zimmern und versuchte, ihnen weiszumachen, dass er für einen Windelhersteller arbeite und Testpersonen benötige. Dass sich der Mann tatsächlich am Anblick windeltragender Buben sexuell erregte, dürfte zumindest ein Teil seiner Opfer genau gewusst haben: Ein 14-Jähriger zum Beispiel tat nur so, als zöge er sich im Badezimmer eines Hotelzimmers eine Windel an, tatsächlich warf er sie aus dem Fenster.

Mehrere Jugendliche kamen öfter ins Hotel zum "Windeltest". Ein 15- und ein 16-Jähriger besserten so offenbar ihr Taschengeld auf. Je fünfmal stellten sie sich H. zur Verfügung, der Windeln in verschiedenen Größen vorrätig hielt und den Buben umso mehr bezahlte, je länger sie die Windeln trugen. Ein 13-Jähriger lief auf H.s Wunsch 24 Stunden damit herum. Bis zu 30 Euro zahlte H. für jede Stunde. Seine Windelfixierung ist so stark, dass er sogar eine Windelversand-Firma gründete.

Im Februar 2013 wurde Thomas H. festgenommen - kurz nach einem Treffen mit zwei Buben im Hotel. Bei der Durchsuchung der Privatwohnung des Mannes fand die Polizei auf seinem Laptop sowie auf zwei CDs mehrere kinderpornografische Bilddateien. Erst im Oktober 2012 war H. aus dem Gefängnis entlassen worden. Seither stand er unter Führungsaufsicht. Eine der Weisungen an ihn lautete, keinerlei Kontakt zu Minderjährigen mehr aufzunehmen. Warum er sich nicht daran hielt und was hinter seinem Windelfetisch steckt, darüber kann womöglich der vom Gericht bestellte Psychiater Béla Serly Auskunft geben. Für den Missbrauchsprozess sind noch fünf Verhandlungstage angesetzt.

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SZ vom 14.01.2014/wib
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