Prozess gegen Bandidos:Viermal wegen Körperverletzung verurteilt

Lesezeit: 3 min

Die Angeklagten sollen wechselseitig so lange auf ihr Opfer eingeprügelt haben, bis es mit drei Platzwunden und einer Schnittwunde bewusstlos am Boden lag. Der Geschädigte hätte an Blut oder Erbrochenem ersticken können, so die Staatsanwältin. Mit ihren wuchtigen Schlägen und Tritten hätten die Angeklagten tödliche Verletzungen bei S. in Kauf genommen. Gefunden wurde der Mann von seiner Freundin. Er lag ohne Kutte mit dem Kopf unter einem Auto.

Beide Angeklagten räumten den Übergriff in Teilen ein, wobei Georg V. offen zugab, dass er mit Fäusten auf S. eingeschlagen hatte. Dessen Freundin habe damals in seinem Bordell in Lochhausen gearbeitet und "überraschend" Urlaub genommen. Das sei nicht in Ordnung gewesen, in einem Puff müsse "jeder Platz besetzt" sein, so V.

Er habe daraufhin das Arbeitsverhältnis beendet und sei auch über Simon S. verärgert gewesen. Die ganze Geschichte habe er im Motorradklub erzählt, und beim Aufeinandertreffen mit S. in Türkenfeld habe er dann das Gefühl gehabt, "dass man von mir erwartet, dass ich ihm eine Abreibung verpasse". Er sei bei den Bandidos noch Mitglied auf Probe gewesen, so V. weiter und habe wohl "einen Beweis der Loyalität" zeigen müssen.

Seinen Übergriff auf S. beschrieb der Mechaniker vergleichsweise harmlos. Natürlich habe er mit den Fäusten zugeschlagen, als sein jüngerer Kontrahent in die Hocke gegangen sei, sei die Sache für ihn aber "erledigt" gewesen. V. ging dann angeblich zurück ins Clubhaus - sechs bis acht Bandidos seien noch um S. herumgestanden.

Ihm tue das alles sehr leid, beteuerte V. Er sei inzwischen bei den Bandidos ausgetreten und habe S. 10.000 Euro Schmerzensgeld und weitere 1000 Euro für die Kutte und eine kaputte Uhr bezahlt. Das Bordell habe er verkauft. Der Angeklagte ist bereits viermal wegen Körperverletzung verurteilt worden.

Mladen G. ist zweimal wegen Körperverletzung vorbestraft - und nach wie vor bei den Bandidos. In einer von seinen Anwälten vorgetragenen Erklärung ließ er eine Tatbeteiligung durchblicken. Er habe sich "hineinziehen lassen" in die Auseinandersetzung, die Emotionen seien "wechselseitig hochgekocht".

Was er genau getan hatte, verriet G. nicht. Eine Taschenlampe habe er damals aber nicht dabei gehabt. Beide Angeklagten bestritten, dass sie den Tod von S. billigend in Kauf genommen hätten. Für den Prozess sind noch vier Verhandlungstage angesetzt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB