Prozess Warum der "Besenstielräuber" den FC Bayern erpresst hat

Dem sogenannten ´Besenstielräuber" wird versuchte Erpressung des Fußballvereins FC Bayern München vorgeworfen.

(Foto: dpa)
  • Harald Zirngibl erbeutete in den 1990er Jahren bei 16 Banküberfällen fast fünf Millionen Mark.
  • Nach der Haft kam er finanziell nicht mehr auf die Beine und beschloss, den FC Bayern München zu erpressen.
  • Zur Übergabe von Geld und Diamanten kam es aber nicht, weil er und seine Lebensgefährtin vorher geschnappt wurden.
Von Christian Rost

Fast fünf Millionen Mark erbeutete Harald Zirngibl bei 16 Banküberfällen. Als er deswegen 1998 für zehn Jahre ins Gefängnis musste, war das Geld weg. Mit vollen Händen hatte er es ausgegeben. Nach der Haft kam er finanziell nicht mehr auf die Beine. Als Aktkünstler scheiterte er ebenso wie als Exporteur von Würstchen in die Türkei. Schließlich bekam er auch kein Arbeitslosengeld mehr. Um der drohenden Altersarmut zu entgehen, entschloss sich der 64-Jährige zu einem letzten Coup: Er versuchte, den FC Bayern zu erpressen. "Es ging mir um die Altersvorsorge", sagte Zirngibl, der sich seit Freitag am Landgericht München I verantworten muss.

Zum Prozessauftakt vor der 9. Strafkammer legte der einst als "Besenstielräuber" bundesweit bekannt gewordene Mann ein umfassendes Geständnis ab. Den Namen hatte er bekommen, weil er bei seinen Überfällen die Bankmitarbeiter einsperrte und die Türen zusätzlich mit einem Besenstiel verriegelte. Ein zweites Markenzeichen war, dass er seine Geiseln stets respektvoll behandelte, was aber nicht verhinderte, dass viele der Opfer dennoch traumatisiert wurden.

Höflich gab sich Zirngibl nun auch vor Gericht. "Der Tatvorwurf ist richtig", sagte er und rätselte, warum er sich wieder hat zu einer Straftat hinreißen lassen. Es sei eine "dumme Idee" gewesen, schließlich habe er gewusst, dass "die Zeit im Gefängnis alles andere als angenehm ist". Seit seiner Festnahme am 22. Februar sitzt er also wieder in Haft, weil er in zwei Erpresserbriefen vom Vorstand des FC Bayern Geld und Diamaten im Wert von drei Millionen Euro forderte.

Kriminalität "Besenstiel-Räuber" forderte Diamanten im Wert von drei Millionen vom FC Bayern
Festnahme

"Besenstiel-Räuber" forderte Diamanten im Wert von drei Millionen vom FC Bayern

Dabei zeigt er sehr genaue Vorstellungen. Eine Anspielung in seinem Erpresserbrief bringt die Polizei bald auf seine Spur.   Von Martin Bernstein

Mit Bombenanschlägen auf Spieler und Zuschauer im Stadion in Fröttmaning drohte er. Konkret schrieb er von Autobomben und Drohnen, die er einsetzen könnte. Warum er sich den FC Bayern für die Erpressung ausgesucht habe, fragt der Vorsitzende Richter Philipp Stoll. "Es lag für mich auf der Hand", sagt Zirngibl, "der FC Bayern ist ein großes Unternehmen, das große Umsätze macht und mit viel Geld arbeitet."

Dass der Verein auf seine Forderung überhaupt reagiert, damit hatte der Angeklagte nicht fest gerechnet. Zunächst wollte er auch einen wesentlich geringeren Betrag verlangen, weil ihm 250 000 bis 300 000 Euro fürs Alter gereicht hätten. "Ich befürchtete aber, dass ich mich mit so einer Summe beim FC Bayern lächerlich gemacht hätte", sagt Zirngibl. Auf die Erpressung hatte er sich sorgfältig vorbereitet. Im Internet bestellte er Störgeräte für Peilsender, damit ihn die Polizei nach der Geldübergabe nicht hätte lokalisieren können. Die Übergabe wollte er bei Landshut abwickeln. In der Gegend war er aufgewachsen. Von einer Autobahnbrücke hätte der Geldbote einen mit Geldscheinen und Diamanten gefüllten Rucksack auf einen Feldweg fallen lassen sollen. Zur Übergabe kam es aber nicht.

Zirngibl lotste den Geldboten über Tage hinweg quer durch Oberbayern - von Herrsching über Andechs nach Dachau und schließlich nach Mainburg, auf einen großen Parkplatz. Der Erpresser wollte testen, ob die Polizei im Spiel ist. Dass sein Handy geortet worden war, bemerkte er aber erst, als die Fahnder in Zivil plötzlich vor ihm und seiner Lebensgefährtin standen. Sie hatte ihn unbedingt begleiten wollen, weil sie vermutete, dass er eine andere hat. Nach der Festnahme sei er "froh" gewesen, "dass der Stress weg war". Die Drohung gegen den FC Bayern, sagt er noch, "hätte ich sicher nicht in die Tat umgesetzt". Der Prozess wird fortgesetzt.

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