bedeckt München 27°

Prozess:Bewährungsstrafe nach rassistischer Hetze gegen Pfarrer

Prozess um Morddrohungen gegen Pfarrer

Ein wegen Morddrohungen angeklagter Rentner stand heute vor dem Amtsgericht Ebersberg.

(Foto: dpa)
  • Gottfried T. ist wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen den schwarzen Ex-Pfarrer von Zorneding zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
  • Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Rentner dem aus dem Kongo stammenden katholischen Geistlichen mindestens zwei Schreiben mit ausländerfeindlich motivierten Morddrohungen geschickt hatte.

Der 74-jährige Gottfried T. ist wegen Volksverhetzung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Richterin am Amtsgericht Ebersberg sah es als erwiesen an, dass der Rentner anonym Morddrohungen gegen den schwarzen Ex-Pfarrer von Zorneding verschickt hat. Er hat dem aus dem Kongo stammenden katholischen Geistlichen zwischen November 2015 und März 2016 mindestens zwei Schreiben mit ausländerfeindlich motivierten Morddrohungen geschickt. Der Mann aus München ist schon mehrfach als Rassist in Erscheinung getreten.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung gefordert. Die Strafverteidigerin sah den Straftatbestand der Volksverhetzung indes nicht gegeben. Sie plädierte auf schwere Beleidigung und fordert eine moderate Geldstrafe.

Eigentlich hätte der Prozess am Amtsgericht Ebersberg schon am 18. Oktober beginnen sollen. Doch der Angeklagte erschien nicht. Daraufhin erließ die zuständige Richterin Haftbefehl; zwei Tage später wurde der Mann gefasst. Zum Prozess ist als Zeuge auch der mit Mord bedrohte Priester Olivier Ndjimbi-Tshiende geladen.

Die rassistische Hetze gegen den Pfarrer von Zorneding bei München hatte sogar im Ausland für Aufmerksamkeit gesorgt. Der 67-Jährige trat daraufhin zurück und forscht nun an der Katholischen Universität in Eichstätt zu Flucht, Vertreibung und Asyl.

Auslöser der Bedrohungen waren fremdenfeindliche Äußerungen der Zornedinger CSU-Gemeinderätin Sylvia Boher gewesen, die der Pfarrer scharf verurteilte. Daraufhin gingen Drohbriefe im Pfarramt ein.