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Proteste gegen Anwältin:Fräulein Stolz unterzeichnet mit "Heil Hitler"

Den beiden Schöffen stellte sie im Falle einer Verurteilung des Angeklagten die Todesstrafe wegen "Volksverleumdung und Feindbegünstigung" in Aussicht. Dem Gericht blieb keine andere Wahl, als sie vom Verfahren auszuschließen.

Ihre Beschwerde gegen diesen Beschluss unterzeichnete Fräulein Stolz mit "Heil Hitler". Es kam zu einer denkwürdigen Szene. Obwohl das Oberlandesgericht Karlsruhe den Ausschluss bestätigte, nahm Sylvia Stolz am 4. April 2006 wieder auf der Verteidigerbank Platz. Die Aufforderung des Vorsitzenden, den Saal zu verlassen, quittierte sie mit neuerlichen Tiraden:

Im Namen des Deutschen Reichs

"Ich stehe hier im Namen des Deutschen Reichs, und Sie, Herr Meinerzhagen, verkörpern hier die Fremdherrschaft, Sie treten in die Fußstapfen der Henkersknechte", sie selbst, das Fräulein Stolz, hingegen erfülle die Funktion der kapitolinischen Gänse, die im alten Rom den bedrohten Staat vor dem Angriff der Feinde gewarnt hatten. Jawohl, sie schreie hier Zeter und Mordio, sie beuge sich nicht der unrechtmäßigen Gewalt, und so weiter und so fort.

Dem geplagten Richter blieb schließlich nichts anderes übrig, als zwei weibliche Polizeibeamte zu beauftragen, Fräulein Stolz aus dem Saal zu entfernen. Die kapitolinische Gans wurde also an den Füßen und unter den Schultern gepackt und hinausgetragen, umwallt von ihrer schwarzen Robe, und sie reckte die Faust und schrie: "Das Deutsche Reich erhebt sich, das Deutsche Reich erhebt sich!"

Der Prozess gegen Ernst Zündel schleppt sich immer noch dahin, Fräulein Stolz und Herr Mahler erscheinen jetzt gelegentlich noch als Zuschauer. Oder Horst Mahler besucht, wie gesagt, Fräulein Stolz in Ebersberg. Ein Nachbar will beobachtet haben, dass er dann ihren Hund spazieren führt, und dass die beiden auch mal einen Ausflug im Wohnwagen unternehmen. Wie man sich halt so die Zeit vertreibt, so lange sich das Deutsche Reich noch nicht erhoben hat.

© SZ vom 25.10.2006
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