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Protest:Münchner sammeln 23 000 Unterschriften für den Erhalt des Elisabethmarktes

Die Bürgerinitiative gibt ihre gesammelten 23.000 Unterschriften im Rathaus ab.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Mit einer Unterschriftenaktion protestiert eine Bürgerinitiative gegen die Sanierung des Elisabethmarktes.
  • Sie befürchten, dass bei den von der Stadt geplanten Umbaumaßnahmen der Charakter des Marktes verloren geht.
  • Kommunalreferent Axel Markwardt will jetzt mithilfe eines Bürgergutachtens einen Kompromiss finden.

Es waren schon ein riesiger Rollkoffer und mehrere helfende Hände nötig, um Listen mit 23 000 Unterschriften, entweder in roten Aktenordnern gesammelt oder elektronisch dokumentiert, ins Rathaus zu transportieren. Seit einiger Zeit schon wehrt sich eine Initiative um den Schwabinger Immobilienunternehmer Hubertus von Medinger gegen die von der Stadt geplanten Umbaumaßnahmen am Elisabethmarkt. Am Freitag wollte man dem Oberbürgermeister demonstrieren, wie groß der Rückhalt in der Bevölkerung für diesen Protest ist. Dieter Reiter (SPD) nahm das Material zwar nicht persönlich entgegen, aber sein Büro versicherte, dass man die Unterlagen an die richtigen Stellen weiterleiten wird.

Sanierung, Neubau, Umstrukturierung - nicht nur beim Elisabethmarkt stellt sich die Frage, wie die Stadt mit den in die Jahre gekommenen Standln auf dem Wiener Platz in Haidhausen, auf dem Pasinger Viktualienmarkt und speziell auch auf dem weit über München hinaus bekannten Viktualienmarkt in der Altstadt verfährt. "Gegen eine behutsame Sanierung des Bestandes haben wir nichts", betonte Medinger, "aber wir wollen keinesfalls den kompletten Abriss und Neubau des Elisabethmarktes." Das gewachsene Flair und der Charakter dieses speziellen Ortes dürften nicht verloren gehen.

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Das würden sie auch nicht, verspricht der oberste Marktchef, Kommunalreferent Axel Markwardt, und reagiert damit auf die Unterschriftenlisten. Befürchtungen, aus den traditionellen Ständen würden seelenlose Glas-Stahl-Bauten mit futuristischer Architektur werden, entbehrten jeder Grundlage: "Da landen mit Sicherheit keine Raumschiffe." Aber es geht nicht nur um das Aussehen der Hütten. Entscheidend sei es, für die Händler ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das ihnen eine sichere Existenzgrundlage für die kommenden Jahrzehnte biete.

Die Elisabethmarkt-Initiative wirbt jetzt für einen runden Tisch, den der Oberbürgermeister einrichten soll. Vertreter der Stadt und der Bürgerschaft sollten ausführlich über die Zukunft der Marktstände diskutieren. Bevor man sich nicht auf die Planungen verständigen könne, dürfe der Stadtrat auch keine Entscheidungen zur Sanierung des Marktes treffen. Bislang ist vorgesehen, dass der Stadtrat im März die weiteren Schritte zur Neugestaltung des Elisabethplatzes festlegt.

Die Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann (SPD) war ebenfalls bei der Unterschriftenübergabe am Freitag anwesend. Ihrer Ansicht nach muss die Kommunikation zwischen der Stadt und den Bürgern verbessert werden. Viele Menschen fühlten sich unzureichend über die Strategie der Stadt bei der Sanierung der Märkte informiert. Und die Bürger müssten auch sicher sein, dass die Stadt ihre Anliegen Ernst nehme.

Es geht darum, das typische Flair des Marktes zu bewahren

Inzwischen tauscht man sich mit der Initiative "Freunde des Viktualienmarktes" aus, heißt es bei den Schwabingern. Denn hier wie im Zentrum der Stadt geht es um das wichtigste Thema: Wie kann man das typische Flair des Marktes bewahren? Der Münchner Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger (CSU) engagiert sich für die Traditionsmärkte. Anforderungen im Bereich des Brandschutzes oder bei der Hygiene stellen in seinen Augen keine unüberwindbaren Hürden bei der Sanierungsplanung dar. Es müsse also nicht zwangsweise immer nur ein Neubau sein, der die Anforderungen erfüllt. Die Stadt habe den Spielraum, um auch mit dem Bestand zu arbeiten.

"Sanfte Sanierung" ist deswegen sein Stichwort, sowohl beim Elisabethmarkt als auch beim Viktualienmarkt. Kommunalreferent Markwardt warnt vor voreiligen Schlüssen: "Niemand will den Viktualienmarkt plattmachen." Zurzeit gehe es um eine Bestandsaufnahme. Jeder Händler werde nach seinen Wünschen im Hinblick auf die Ausstattung seines Standes befragt. Erst dann werde das Konzept für die Sanierung des Marktes erarbeitet.

Im Rahmen eines Bürgergutachtens können Vorschläge eingebracht werde

Auch die Öffentlichkeit solle detailliert über den Stand des Modernisierungsprojekts informiert werden. Deshalb eröffnet das Kommunalreferat direkt am Viktualienmarkt in einem ehemaligen Gewürzstand das "Info-Standl". Dort soll über aktuelle Fakten und Debatten unterrichtet werden und Gelegenheit zum Gespräch mit Fachleuten sein.

Und noch eine weitere Auswirkung scheint der Protest zu haben. Kommunalreferent Axel Markwardt will die Bürger intensiver am Entscheidungsprozess zur Modernisierung des Viktualienmarktes beteiligen. Im Rahmen eines sogenannten Bürgergutachtens können Vorschläge eingebracht werden. Der Stadtrat soll nach Markwardts Vorstellung ein solches Verfahren schon demnächst beschließen.

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