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Protest gegen Rechtsextreme:Bunt gegen Braun

"Das braune Haus heute ganz bunt": Nachbarn protestieren gegen eine Gartenparty von Rechtsextremen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Gartenfest als Teil einer Strategie, neue Sympathisanten anzuwerben: In Obermenzing scheint das Vorgehen nicht so richtig zu funktionieren. Die Bewohner protestieren gegen das Grillfest einer rechten Wohngemeinschaft.

Von Karoline Meta Beisel

Wenn an einem Samstagnachmittag in einer netten Gegend von München mehr als zehn Leute vor einem Haus stehen, kann das offenbar nur eines bedeuten: "Ist hier 'ne Wohnungsbesichtigung?", fragt eine junge Frau, die auf ihrem Roller vorbeikommt, "ich suche gerade eine!"

So ähnlich, könnte die Antwort lauten: Am Rand von Obermenzing feiert eine WG ein Gartenfest mit Spanferkel und Kinderschminken, und alle Nachbarn sind eingeladen. Die Menschen, die sich an ein paar Stehtischen vor dem Einfamilienhaus hinter der hohen Hecke unterhalten, haben aber nicht vor, die Einladung anzunehmen: "Wir sind hier, weil wir die Nachbarschaft aufklären wollen über die Leute, die hier wohnen", sagt Florian Ritter, der für die SPD im Bayerischen Landtag sitzt.

Die Bewohner des sogenannten "Braunen Hauses", in dem die Gartenparty stattfindet, gelten den Sicherheitsbehörden als Angehörige der gewaltbereiten Neonazi-Szene. Die Obermenzinger WG, in der eine Frau und zwei Männer wohnen, wird vom Verfassungsschutz überwacht und ist wohl ein Treffpunkt der rechten Szene. Offenbar haben die drei auch Kontakte zum Unterstützerumfeld der NSU-Terroristen. Erst vor einer Woche hatte die Polizei das Anwesen im Rahmen einer bundesweiten Razzia durchsucht, sie waren auf der Suche nach Beweismaterial, um ein Vereinsverbot des "Freien Netzes Süd" vorzubereiten.

In dieses Haus also hatten die Bewohner ihre Nachbarn mit einem Flyer zum Grillfest eingeladen: "Wer unseren Pool nutzen möchte, darf die Badehose nicht vergessen!" Als der Bezirksausschuss Mitte der vergangenen Woche von der Einladung erfuhr, wurde schnell ein Infostand neben dem Haus organisiert.

Die Nachbarn wussten nicht, wer hier wohnt

Jetzt stehen dort gut 20 Nachbarn, Mitglieder aller Parteien und der Initiative "München ist bunt". Aus dem Garten juchzt und platscht es. Von 50 Gästen aus dem rechtsextremistischen Spektrum soll die Polizei später sprechen. Auch Martin Wiese, der wohl bekannteste von ihnen, soll dabei gewesen sein. Mit dem Hitlergruß, der aus einem fahrenden Auto heraus gezeigt wurde, hatte er dem Vernehmen nach aber nichts zu tun.

In die Hecke vor dem Haus haben die Bewohner ein selbstgemaltes Transparent gehängt: "Das braune Haus ganz bunt" steht darauf, am Zaun sind grüne und rosafarbene Luftballons festgeknotet, "Herzlich Willkommen", grüßt ein Schild.

Wer hineingeht, wird mit Handschlag begrüßt und in den Garten geführt, wer wieder herauskommt von den Wartenden draußen kritisch beäugt, manchmal auch fotografiert. Ein Anwohner erzählt von einem Nachbarn, der bei dem Fest vorbeischauen wollte - sehen, was es mit dem braunen Haus auf sich hat. Aber dann habe er sich doch nicht getraut: "Der Auflauf vor dem Haus, das hat den abgeschreckt."

Gartenfest als Strategie

Nicht mal aus Neugierde sollten die Nachbarn die Einladung annehmen, das steht in dem Infobrief, den "München ist bunt" verteilt hat: "Die Erfahrung zeigt, dass Neonazis immer wieder versuchen, durch scheinbar unpolitische oder privat wirkende Zusammenkünfte nichts ahnende Bürgerinnen und Bürger vor ihren Karren zu spannen." Das Gartenfest sei Teil dieser Strategie, die aus vielen anderen Städten Deutschlands bekannt sei.

Bis zu der Razzia vor einer Woche hätten viele Nachbarn gar nicht gewusst, wer in dem Haus wohne, erzählt eine Frau. Auch der Vermieterin sei nicht klar gewesen, wer da eingezogen sei. Mittlerweile habe sie den Mietvertrag zwar gekündigt, aber die Bewohner weigerten sich, auszuziehen. "Ich finde das aber gut, dass jetzt ein bisschen drüber gesprochen wird, was hier los ist." An den Infostand will sich die Frau aber nicht stellen: "Es ist mir lieber, wenn die aus dem Haus mich nicht sehen."

Andere Nachbarn bringen immer wieder Kaffee und Wasser an den Stand. Es ist brütend heiß, wirklich kein Tag, um stundenlang in der Sonne zu stehen. Florian Ritter ist froh, dass trotzdem so viele Leute gekommen sind: "Obwohl heute der offizielle Wahlkampfauftakt für die Landtagswahl ist, ist hier aus jeder demokratischen Partei jemand vor Ort. Das finde ich gut."

© SZ vom 22.07.2013/wolf

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