Protest an der Reichenbachbrücke Schwimmendes Mahnmal für den Tod

Symbolische Rettung an der Reichenbachbrücke: Mit einer Protestaktion machen Aktivisten darauf aufmerksam, dass im Mittelmeer täglich Menschen auf der Flucht ertrinken.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Mehrere Aktivisten haben am Samstagnachmittag die Reichenbachbrücke gekapert und zwei Transparente entrollt.
  • Die Aktion, die nicht offiziell angemeldet war, sollte auf die Seenotrettung von Flüchtlingen im Mittelmeer aufmerksam machen.
Von Thomas Schmidt

30 Rettungswesten treiben die Isar entlang, ein schwimmendes Mahnmal für den tausendfachen Tod im Mittelmeer, beobachtet von Hunderten Münchnern, die am Samstag eigentlich nur die Sonne am überfüllten Ufer genießen wollen.

Die orangefarbenen Lebensretter wurden vor Kurzem noch auf der griechischen Insel Lesbos eingesetzt, nun haben Aktivisten der Bewegung "Seebrücke" sie in der Nähe der Reichenbachbrücke in den Fluss geworfen. Auf Kommando kapert die Gruppe dann gegen 15.30 Uhr die Brücke und befestigt zwei Transparente am Geländer. In schwarzen Versalien auf orangenem Grund steht dort: "Seenotrettung ist nicht verhandelbar". Die Aktion ist Teil eines bundesweiten "Day Orange", mit dem auf die dramatische Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer aufmerksam gemacht werden soll.

"Eigentlich sollten wie hier nicht stehen müssen, um daran zu erinnern, dass in diesem Moment Menschen im Meer ertrinken", sagt eine der Aktivistinnen. Nervös blickt sie sich um, ob die Polizei schon anrückt, denn offiziell angemeldet ist die Aktion nicht.

Dann wirft sie einen Rettungsring von der Brücke aus ins Wasser. Unten, in der Isar, binden Schwimmer die Westen mit einem Seil an dem Ring fest, dann werden alle 30 hoch in die Luft gehievt. "Wir retten sie symbolisch", erklärt die junge Frau. Am Isarufer werden Handys gezückt und Fotos geknipst, während Helfer der "Seebrücke" umherlaufen und Handzettel verteilen.

"Migration ist und war schon immer Teil unserer Gesellschaft", steht auf den kleinen Flyern. Statt geschlossener Grenzen brauche es ein offenes Europa und sichere Häfen. "So, wie die Flüchtlingspolitik abläuft, geht es nicht", schimpft Anna Wagner von der "Seebrücke München". Menschen vor dem Ertrinken zu retten, vor dem sicheren Tod, das sei "einfach nicht verhandelbar".

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