Süddeutsche Zeitung

Promis zum TSV 1860:"Es wäre für München eine Tragödie"

Der TSV 1860 München steht kurz vor der Pleite. Der Verein braucht dringend acht Millionen Euro. Viele reagieren mit Trauer und Wut:

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Michael Lerchenberg, Kabarettist und seit Kindheit Löwen-Fan: "Das ist alles irrwitzig, ich bin ratlos und verzweifelt. Die Sechziger rangieren permanent am Rande des Wahnsinns. Wenn es drauf ankommt, stelle ich mich mit meinem weiß-blauen Schal auch auf den Marienplatz, der Christian Springer und Otti Fischer wären bestimmt dabei. Wir tauschen uns als Sechzigerfans schon aus, aber wir schießen halt keine Tore und haben auch keine 8,5 Millionen. Das Schlimme: Ein paar hundert Meter weiter in der Säbener Straße haben sie Geld wie Heu. Die Bayern führen exemplarisch vor, wie es auch gehen kann. Das ist doppelt bitter."

Christian Ude, Münchens Oberbürgermeister: "Es wäre für München eine Tragödie, wenn die Löwen verschwinden würden."

Jompi1860, User im Internetforum "loewenfreun.de": "Es macht mich traurig und wütend, weil das Ganze mit Vernunft und Weitblick vermeidbar gewesen wäre. Stattdessen haben Größenwahn, Gutgläubigkeit und Überforderung unsere Geschicke bestimmt."

Peter Bürgel, CSU, Oberbürgermeister von Dachau: "Als kleiner Bub war ich mit der Fahne im Stadion, als die Löwen 1966 Deutscher Meister wurden. Deshalb macht mich der Abstieg sehr traurig. Das ist das Ergebnis einer Misswirtschaft über viele Jahre hinweg. Das kann doch einfach nicht sein, dass 1860 in der Bayernliga rumwurschtelt."

Erich Meidert, ehemaliger Vizepräsident der Löwen: "Die Insolvenz muss unter allen Umständen vermieden werden. Eintracht Braunschweig zum Beispiel versucht seit Jahren, wieder aufzusteigen, das ist nicht so einfach. Ein Kollaps hinterlässt tiefe Spuren. 2007 hat man gejammert, der Kader sei zu teuer, der jetzige ist noch einmal 3,7 Millionen teurer und in der zweiten Liga höchstens Mittelmaß. Da haben offenbar alle Gremien versagt. Wenn von 17 Leuten kein einziger Fußballfachmann dabei ist, dann muss das in einem Debakel enden."

WBS-Torwart, User im Internetforum "loewenfreun.de": "Noch wenige Tage bis zur Erlösung, und dann kann man das wieder machen, was in den letzten Jahren verloren gegangen ist: Mit Würde und erhobenen Hauptes ein Spiel der Löwen anschauen und zwar an dem Ort, an dem man 1860 atmen kann. Und wenn der Preis der ist, dass wir nie mehr hochkommen."

Hep Monatzeder, Dritter Bürgermeister Münchens und 1860-Aufsichtsratsmitglied: "Es wäre wahnsinnig schade, wenn der Verein nicht mehr weitermachen könnte. Nach einer Insolvenzanmeldung wäre Sechzig in der Bayernliga. Die Frage ist, ob man nach so einem Tiefschlag überhaupt wieder aufsteht. Es hilft jetzt nur Hoffen und Daumen drücken."

Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußballverbands: "Dem Verband sind die Hände gebunden, weil er keine eigenen Mittel besitzt. Wir können uns nur dafür einsetzen, dass im Fußball vernünftig gewirtschaftet werde: Die Ausgaben dürften die Einnahmen nicht übersteigen. Das klingt simpel, wird aber von vielen Verantwortlichen - mit Blick auf den schnellen sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg - nicht berücksichtigt."

harie, User im Internetforum "loewenfreun.de": "Dabei werden nicht nur die DFL und die Öffentlichkeit andauernd belogen, sondern auch die Partner und Sponsoren. Und darum bekommen wir auch kein Geld mehr von denen, die Schäfer und Schneider jetzt auffordern. Sie haben die Nase gestrichen voll von dem Volk von Selbstdarstellern und Lügnern in diesem Verein."

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