Projekt Radikale Gegensätze

Die einen loben die offene und einladende Atmosphäre des modernen Physik-Campus am Englischen Garten, die anderen sprechen von "stadtplanerischem Irrsinn" und wollen das Projekt ganz neu aufrollen

Von Alfred Dürr, Maxvorstadt

Vertreter der Initiativen Altstadtfreunde und Pro-Schwabing fordern eine Neuplanung für das Gelände der Tiermedizin-Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) im Bereich Königinstraße und Veterinärstraße am Englischen Garten. Das bisherige Konzept, die Bauten abzubrechen und das Gelände für einen Physik-Campus völlig neu zu ordnen, sei "stadtplanerischer Irrsinn" und "Kulturvandalismus" hieß es auf einer Informationsveranstaltung im Zuge des Bauleitplan-Verfahrens. Ein Anwohner der Königinstraße beschwerte sich über die "unsensible und klotzige Bauweise" der Institutsneubauten.

Bayern habe nun eine neue Regierung, und deswegen könnten auch die Planungen neu aufgerollt werden, lautet die Forderung der Altstadtfreunde. Keine Radikallösung, sondern eine Verbindung zwischen Alt und Neu, ist ihre Devise. Die Nachkriegs-Komplexe, die für viele eine vertraute Situation am Englischen Garten geschaffen hätten und die ein "wertvolles Stück München" darstellten, sollen Bestandteil des Physik-Campus werden, fordern sie.

Der erste Neubau an der Königinstraße ist fast fertig. Von Anfang kommenden Jahres an können im "Nano-Institut" die Forschungen zu zukunftsweisenden Energietechniken beginnen. Der moderne Bau bildet den Auftakt für den künftigen Physik-Campus der LMU am Englischen Garten und entlang der Königinstraße.

So soll der Campus an der Königinstraße (links) aussehen.

(Foto: kklf kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von Architekten mbH und SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten MB)

Auf dem Areal sollen in den kommenden Jahren noch sieben weitere Komplexe entstehen. Die bisherigen Bauten und Anlagen der Tierärztlichen Fakultät der LMU werden abgebrochen. Lediglich der ehemalige Bibliotheksbau mit der Dachlaterne, der denkmalgeschützte Torbogen am Eingang zum Englischen Garten und beim Milchhäusl sowie der Vorplatz mit dem Schlangenbrunnen an der Königinstraße werden dann noch an die Historie des Areals erinnern. Die Weichen für dieses Physik-Projekt sind längst gestellt, der Planungsprozess läuft, aber der Protest gegen das Vorhaben ist keineswegs verstummt.

Der Dekan der Fakultät für Physik, Ralf Bender, warb eindringlich für den neuen Campus. Die Physik sei bislang auf verschiedene Stellen im Stadtgebiet verteilt, die Räumlichkeiten und Arbeitsbedingungen seien oft so schlecht, "dass wir gar keine Lehrstühle mehr besetzen können". Das Projekt am Englischen Garten sei auch ein klares Bekenntnis dazu, dass die Naturwissenschaft und studentisches Leben in der Innenstadt bleiben wollen.

In dem künftigen Bibliotheksbau an der Ecke Königinstraße und Veterinärstraße soll nach Auskunft von Professor Bender für die Öffentlichkeit ein "Forum der Physik" etwa mit verschiedenen Ausstellungen entstehen. Dort sollen auch Veranstaltungen zu Themen aus den einzelnen Fachbereichen stattfinden: "Wir wollen die Verbindung zwischen Wissenschaft und der Stadtgesellschaft fördern."

Auch Ulrich Schaaf vom städtischen Planungsreferat hob die positiven Aspekte der Planungen hervor. Viel Grün, eine offene und einladende Atmosphäre auf dem Campus sowie neue Wege in den Englischen Garten zeichnen seiner Meinung nach das Projekt aus. "Ich war von Anfang an von diesem Konzept fasziniert", sagte Thomas Kaßner vom Staatlichen Bauamt München 2. Bisher sei das Gelände weitgehend für die Bürger verschlossen. Wann das Projekt vollständig fertig wird, kann er nicht sagen: "Der Baufortschritt hängt von der Finanzierung ab, die der Landtag Schritt für Schritt bewilligen muss."

Nicht nur die Debatte über die architektonischen und stadtplanerischen Aspekte des Physik-Campus bestimmte die Veranstaltung, die der Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt, Christian Krimpmann (CSU), moderierte. Wie ist die Baustellen-Logistik geregelt?, wollte eine Anwohnerin wissen. Können auch Anwohner in der Tiefgarage des Physik-Geländes parken?, lautete eine andere Frage. Konkrete Antworten gab es darauf nicht. Unklar war anderen Rednern aus dem Publikum auch, wie die künftigen Wege über den Campus in den Englischen Garten angelegt werden. "Man muss dafür sorgen, dass keine Trampelpfade entstehen", forderte Thomas Köster, der Verwalter des Englischen Gartens.