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Projekt:Kreativ mit Konserven

Katharina Müller und Momo Heiß dosen Kunst ein

Von Marleen Beisheim

Kunst und Kultur in der Konserve anstatt in Museen und Theatern. Klingt traurig, ist es aber nicht. Im Gegenteil, die Konserven können inspirieren und Menschen verbinden. "Kunst&Kulturkonserven" heißen die fünf Zentimeter hohen Dosen, die man für einen Euro an einem Automaten im Machwerk München, im Onkel Emma Laden im Lehel und am Kiosk Cinque Panini ziehen kann. Darin befinden sich ein kleiner kreativer Gegenstand, ein Hörbeitrag sowie eine Anregung zum Austausch mit anderen.

Ein Automat befüllt mit Nüssen war die Inspiration für das Projekt. Die bildende Künstlerin Katharina Müller vom Machwerk München träumte davon, den Automaten anstatt mit Nervennahrung, mit Kreativem zu befüllen. Und die freie Erzählerin Momo Heiß wollte das Kreativangebot mit Geschichten kombinieren. Die Dosen sollen sich bis September 2021 mit verschiedensten Erlebnissen füllen. Sobald die Corona-Einschränkungen enden, werden die beiden mit Mikrofon, Bastelmaterial und Automat auf einem E-Lastenrad durch die Münchner Parks und Stadtviertel ziehen, um Geschichten aufzunehmen und mit Menschen Kreatives für die Dosen herzustellen. Bis dahin kann man eigene Storys und Selbstgebasteltes an die Organisatorinnen schicken.

Beim Blick in eine der Dosen sieht man ein kleines Gemälde. Darauf steht: "Du bist toll". Dann ist dort noch ein QR-Code zu einer aufgenommenen Geschichte, erzählt von einer Frau namens Vivian. In dieser Geschichte erzählt Vivian, dass sie einer älteren Frau ein Kompliment machen wollte und ihr gesagt hat, dass sie toll sei. Diese ältere Frau reagierte beleidigt und schluchzend darauf. Vivan erklärt, wie es zu dem Missverständnis kam. Das Wort "toll" bedeutete nämlich früher, verrückt zu sein. Und dann liegt noch ein Zettel in der Dose, der zum Erzählen anregen soll. Wer ein ähnliches Missverständnis erlebt hat oder weitere Worte kennt, die ihre Bedeutung verändert haben, kann mit anderen darüber sprechen oder die Geschichte an die beiden Organisatorinnen schicken.

"Wir wollen die Menschen miteinander ins Gespräch bringen", sagt Momo Heiß. Es gehe um zwischenmenschliche Beziehungen und Kreativität, unser aller Kreativität. "Nicht nur die Künstler sollen ihre Kreativität zeigen", sagt sie, "zentral ist der Gedanke, dass wir alle Künstler sind und uns austauschen."

Trotzdem werden die Geschichten, Erlebnisse und Gedanken noch ein bisschen künstlerisch hergerichtet. Momo Heiß leitet jede Geschichte kurz ein, nicht nur mit Worten. Die am Konservatorium ausgebildete Pianistin erschafft mit Klavier, Percussions und Mbira mal meditatives Meeresrauschen, mal Krimi-Spannung. Damit ist jede Kunst&Kulturkonserve ein kleiner Kosmos in sich.

Kunst&Kulturkonserven, für einen Euro an Automaten im Onkel Emma Laden, Adelgundenstr. 5, und am Kiosk Cinque Panini, Nymphenburgerstraße 200, Infos unter www.storybox-muenchen.de

© SZ vom 04.01.2021
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