Probleme mit neuen Trambahnen Fahrplan mit Fragezeichen

Der Serienschaden an den neuen Variobahnen ist noch immer nicht endgültig behoben, dennoch will die MVG die seit langem versprochenen Verbesserungen im Trambahnnetz einführen. Im Notfall müssen die Fahrgäste auf Busse umsteigen.

Von Marco Völklein

Fahren vom 9. Dezember an nun zusätzliche Trambahnen in Schwabing und in der Maxvorstadt? Oder müssen die Fahrgäste stattdessen auf Busse umsteigen, die dann parallel an den Straßenbahngleisen entlang zuckeln? Diese Frage kann die Münchner Verkehrsgesellschaft MVG noch immer nicht beantworten. Denn niemand weiß, wie schnell sich der Serienschaden an den neuen Trambahnen vom Typ "Variobahn" endgültig beheben lässt. Seit diesem Frühjahr stehen viele Variobahnen wegen der Schäden ungenutzt im Depot, neue Bauteile sollen das Problem nun lösen. Ob das aber auf Dauer klappt, wird sich voraussichtlich erst im Frühjahr zeigen. Bis dahin bleibt der Einsatz der Variobahnen ein Lotteriespiel - auch für die Planer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Noch ist unklar, ob sich der Serienschaden an den neuen Variobahnen bis Dezember beheben lässt.

(Foto: Catherina Hess)

Das Problem ist: So langsam müssen die MVG-Leute ihre Pläne festzurren. Die Fahrer müssen eingeteilt, die Fahrpläne gedruckt werden. Solange aber unklar ist, ob die Variobahnen nun auf Dauer einsetzbar sind, ist das knifflig. MVG-Chef Herbert König hat deshalb seine Leute mehrere Szenarien und "Rückfallebenen" ausarbeiten lassen. Je nach dem, wie sich die Lage bei den Variobahnen entwickelt, fahren dann Trambahnen - oder im schlimmsten Fall eben Busse, weil dann zu wenige Straßenbahnen zur Verfügung stehen.

Im besten Fall, wenn also keine weiteren Probleme bei den Variobahnen mehr auftauchen, will König - wie geplant - vom 9. Dezember an auf den Abschnitt zwischen Stachus und Lothstraße die neue Verstärkerlinie 22 schicken. Dazu wird im Herbst an der Lothstraße eine neue Wendeschleife gebaut. Die 22er soll die Linien 20 und 21 ergänzen, um den Andrang der Studenten der Hochschule an der Dachauer Straße abzufedern. Allerdings werden die 22er-Züge zunächst nur im Zehn-Minuten-Takt fahren; geplant war eigentlich ein Fünf-Minuten-Takt. Die MVG will sich damit einen gewissen Puffer sichern. Ebenfalls wie geplant soll von Dezember an die neue Linie 28 montags bis freitags zwischen Sendlinger Tor und Scheidplatz rollen - und so in Schwabing und in der Maxvorstadt die Linie 27 verstärken, die im Gegenzug allerdings vom bisherigen 7,5- auf einen Zehn-Minuten-Takt umgestellt wird. Doch auch das war so geplant. Zusätzliche Züge wird es vom 9. Dezember an in der Hauptverkehrszeit auch auf der Parkstadt-Schwabing-Linie 23 und in den Abendstunden auf der Linie 27 geben.

Sollten allerdings die Variobahnen auch mit den neuen Bauteilen nicht funktionieren, sieht es anders aus. Königs Szenario für diesen "schlimmsten Fall" sieht dann vor, dass auf der neuen Verstärkerlinie 22 Busse statt Trambahnen fahren. In Schwabing würden auf dem Abschnitt zwischen Kurfürstenplatz und Scheidplatz ebenfalls Busse statt Bahnen rollen - betroffen wären davon Fahrgäste der Linien 12 und der neuen Linie 28. Auch im Münchner Südosten, auf der Linie 25, kämen dann zwischen Großhesseloher Brücke und Grünwald Busse zum Einsatz. Ob die MVG zu diesen "sicherlich unpopulären Maßnahmen", wie König sagt, greifen muss, ist offen. Alles hängt davon ab, ob sich die neuen Bauteile an den Variobahnen als beständiger erweisen als die alten.

Ganz sicher ist allerdings, dass sich die Fahrgäste der Linie 15 und 25 im Münchner Südosten weiter in Geduld werden üben müssen: Der bereits von König im vergangenen Jahr angekündigte Fünf-Minuten-Takt auf dem Abschnitt zwischen Max-Weber-Platz und Großhesseloher Brücke muss "nochmals um einige Monate verschoben werden". Voraussichtlich erst im Frühjahr 2013 kommen diese Verbesserungen - und auch nur dann, wenn bei den Variobahnen wirklich nichts mehr klemmt. Im Westen müssen die Nutzer der Linie 19 zudem vom 9. Dezember an zwischen Willibaldplatz und Pasing auf Busse umsteigen. Wegen der Bauarbeiten in Pasingwäre dies aber ohnehin von Ende Dezember an nötig gewesen, sagt König. Vorteil: Wegen des verkürzten Linienwegs, steht der MVG eine Trambahn mehr zur Verfügung, die sie an anderer Stelle einsetzen kann.