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Probenbesuch:Spielertrainer

Zwei Stücke flogen raus, stattdessen gibt es jetzt Brahms "Serenade No. 2 in A-Dur", denn die zu dirigieren beherrscht Joseph Bastian bereits.

(Foto: BRSO)

Joseph Bastian ist eigentlich Posaunist beim BR-Symphonieorchester. Weil aber kurzfristig der Dirigent für die kommenden drei Konzerte ausfällt, springt der 34-Jährige ein. So etwas gab es in der Historie des Ensembles noch nie. Dem Franzosen, selbst ausgebildeter Dirigent, blieben drei Tage

Den weißen Dirigentenstab hat Joseph Bastian schon parat. Sein Lieblingsmodell einer japanischen Firma: weißlackiertes Holz mit tropfenförmigem Korkgriff, federleicht. "Fassen Sie ihn ruhig an." Bringt das kein Unglück? "Aber nein." Bastian sitzt am Mittwochmittag mit durchgedrücktem Kreuz auf einer roten Couch im Dirigentenzimmer der Philharmonie. Vor ihm auf dem Tisch eine belegte Semmel, Obst, Schokolade und Wasser, unberührt. Über ihm hängt eine beeindruckende Schwarzweiß-Aufnahme des großen Dirigenten Sergiu Celibidache. Die scheint Bastian nicht zu beeindrucken. "Ist das nicht toll", sagt er, "jetzt bekomme ich Sonderbehandlung: ein eigenes Zimmer und Schokolade. Wollen Sie Schokolade?" Sonderbehandlung. Das kann man wohl sagen. Bastian ist buchstäblich in der Nacht von Montag auf Dienstag zum neuen Dirigenten des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO) avanciert. Drei Konzerte wird er dirigieren, am Donnerstag, Freitag und Samstag. Robin Ticciati, der britische Dirigent, der das eigentlich machen sollte, musste wegen eines Bandscheibenvorfalls am Montag eine Probe abbrechen. Alle standen unter Schock.

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